Bionade in der Sackgasse?

Von Helmut Adam | Juni 24, 2008 um 11:31 | 5 Kommentare | Aktuelles, Limonaden | Tags: ,

Wir haben uns in den letzten Monaten immer wieder gewundert, was mit Bionade los ist. Normalerweise versenden Marken aus dem Getränkebereich nur Gute-Laune-Nachrichten á la "schaut her was für einen neuen tollen Flavour wir haben" oder "wir haben sooooo eine coole Kooperation mit Mr. Superhip-Schickimicki am Laufen". Aber Bionade schickt uns ständig negative Nachrichten. Da schlagen harte Worte bei uns auf: "Einstweilige Verfügung", "Klage", "Gegendarstellung". Erinnern wir uns. Bionade war vor Jahren das sympatische Underdog. Bionade war genauso wir unser kleines Magazin in unserem ersten Jahr 2003. Frisch, herrlich unabhängig und chronisch unterfinanziert.

So kam es auch, dass Jens irgendwann auf einer Messe Herrn Kowalsky kennenlernte. Durch diesen persönlichen Kontakt und gegenseitige Sympathie wurde Bionade einer unserer ersten Anzeigenkunden (siehe Bild). Damals, im Jahre 2003.

Seitdem hat sich viel geändert. Bionade ist geradezu explodiert. Bionade ist in der Plastikflasche im Supermarkt erhältlich. Bionade ist bei McDonalds gelistet. Bionade startet in Großbritannien, Australien und den USA. Bionade ist riesengroß und überall:

Absatzentwicklung:

2002/3: 002 million bottles per year
2004 007 million bottles per year
2005: 020 million bottles per year
2006: 070 million bottles per year
2007: 200 million bottles per year

Und jetzt drischt Bionade seit Monaten auf die Konkurrenzprodukte und Me Toos ein. Und erhöht auch einfach mal die Preise um satte 20 Cent. Irgendwie ist Bionade der Spaßfaktor abhanden gekommen.

Ich greife heute lieber zu einer Alternative, zumal ich, im Gegensatz zu anderen im Mixology-Team, auch nie ein Riesenfan der Brausen war. Die Feinperligkeit, die viele an Bionade mögen, ist mir zu wenig erfrischend. Ich habs lieber etwas kräftiger. Aloha, die neuen Limonaden auf Fruchtsaftbasis, beispielsweise finde ich gut. Und sie sind vor allem noch kein bißchen negativ belastet stimmungsmäßig. Am Ende des Tages ist es Sommer….

Wie umgehen mit Konkurrenz? Konkurrenz bestätigt den Erfolg! Auch wir mit Mixology sind ein Erfolg. Wir haben den Markt, wir haben unsere Branche verändert. Und Ihr, unsere Leser, die Ihr jeden Tag in immer größerer Zahl hier auf unserer Seite vorbeischaut, seid die Bestätigung dafür. Ihr habt durch Euer Interesse und die daraus resultierenden Kontakte, die daraus resultierende Nachfrage GSA-Land zurück auf die Welt-Barkarte gebracht. Zusammen mit uns.

Wenn andere in Bezug auf "Bar" jetzt urbi et orbi verkünden, eine Marktlücke entdeckt zu haben, so sollten wir uns darüber freuen (und vielleicht auch ein bisschen amüsiert lächeln). Am Ende des Tages ist es eine Bestätigung dafür, dass wir unser Magazin schon immer, von der ersten bis zur letzten Seite, mit "Bar" gefüllt haben. Es passiert jetzt mehr im Markt, die Profile werden geschärft, Bar gerät stärker in den Fokus. Das registrieren auch die Firmen, entwickeln neue Konzepte, engagieren sich im Markt. Deutschland wird als Getränke- und Spirituosenmarkt interessanter, die Bars kommen leichter an exklusive Nischenprodukte.

Wie umgehen mit Konkurrenz? Man sollte sein Profil weiter ausarbeiten, seine Marke stärken. Bionade sollte nach vorne schauen und nicht nach hinten treten. Bionade sollte endlich mal wieder positive Nachrichten verkünden. So wie letztes Jahr: "Das offizielle Getränk einer besseren Welt". Das war ein toller Claim. "Der offiziell teuerste Marktführer, der die Konkurrenz mit Klagen eindeckt" ist ein wirklich schlechter Claim.

Woanders hat man sich noch mehr Gedanken gemacht:

http://www.best-practice-business.de/blog/?p=3559

http://www.abseits.de/weblog/2008/06/juristischer-streit-zwischen-bionade.html

 

Link: www.bionade.de

Der Autor

Helmut Adam

Helmut Adam ist Herausgeber von Mixology, Magazin für Barkultur, trinkt gerne Negronis, Tequila und den einen oder anderen Gin & Tonic. Bevor er sich zum Bar Manager an der Mixology Bar aufschwang, arbeitete er als Bartender in Zürich, Wien, Berlin und London.

5 Kommentare

  1. spanier (3 years ago)

    aloha kann wohl nicht die richtige alternative zu bionade werden. das ist doch nicht ernst?

    bionade hat der konsument verarscht. in klassische google-manier möchte bionade partout nicht mehr “einer von uns” sein. sie wollen bei den mächtigen mitspielen und nehmen in kauf bei den menschen die sie gross gemacht haben nicht mehr beliebt zu werden. drehen uns damit den rücken zu.

    bionade hat ehrlich und ohne lüge angefangen. kowalski war immer ein offener mensch, mann konnte immer bei den anrufen und erklären was mann macht, die haben immer versucht zu helfen, sei es mit ein paar kisten freiware. sie waren verplannt und ehrlich. ich rede von zeiten wo bionade in hamburg höchstens 30 kunden hatte.

    aloha versteht von marketing was. und wie. das produkt ist eine riesen lüge. perfekt kalküliert. derjenige der ein bisschen in ihr konstrukt rumgesucht hat, wird viele kleine lügen finden. sie versuchen partout zu vertuschen dass sie zur warsteiner brauerei gehört. ich habe sogar ein fax in der hand gehalten von frau cramer unterschrieben wo anscheinend versichert wurde dass die warsteiner nix damit zu tun hat.

    ich glaube dass es nur eine frage der zeit ist bis aloha auch die liebe zielgruppe den rücken zeigt. für mich ist es noch nie “einer von uns” gewesen, wird es nie sein. die alternative zur bionade ist die selbstgemischte apfelschorle und rabarberschorle, das selbstgemachte eistee. schmeckt und verarscht nicht.

    auf mehr ehrlichkeit!

    euer spanier.

    – prost –

  2. Helmut Adam (3 years ago)

    Hallo Spanier,

    ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass jeder Konsument oder Gastronom diese “Anfassbarkeit” eines Produktes braucht in Bezug auf die Hersteller. Es geht doch eher darum, dass einem das Produkt stimmungsmäßig gefällt und schmeckt und das es bei den Gästen ankommt. Wir haben uns gar nicht groß mit Aloha befasst bisher. Aber den Geschmacks- und den Stimmungstest hat das Produkt schon bestanden. Wir waren ganz erstaunt, dass bei einer Grillparty kürzlich vor allem die weiblichen Gäste das Produkt sofort begeistert annahmen und nach der Bezugsquellen fragten.

    Wegen Bionade: Wachstum ist natürlich. Und man kann sich Wachstum auch nicht verschliessen, sonst wird man irgendwann von den Nachahmern vom Markt gedrängt.

    Es war klar, dass Bionade mit zig Millionen Flaschen eine andere Ausrichtung bekommen wird und mehr in die Breite geht. Nur dass sie nicht in der Lage sind, das Ganze mit positiven Nachrichten oder die ursprüngliche Kernzielgruppe (Gastronomen) unterstützenden Massnahmen begleitet haben, ist verwunderlich. Denn diese Zielgruppe hat, wie Du richtig beschreibst, den Markenkern mit aufgebaut. Und der bröckelt jetzt weg.

    Nochmal wegen Aloha: mir ist es egal, ob das Venture Capital von Warsteiner ist oder nicht. Für mich persönlich muss nicht alles “Underground” sein, damit ich es gut finde. Was ich von der Marke bisher mitbekommen habe, ist, dass sie Mitarbeiter aus der Gastronomie rekrutiert und auch in erster Linie die Gastronomie bedienen will. Dass sie ab einem bestimmten Zeitpunkt in die Breite gehen wird, ist auch klar. Der große Umsatz wird halt in der Metro gemacht. Und das ist immer genau der spannende Zeitpunkt: schafft eine Marke den Spagat, in der ursprünglichen Zielgruppe attraktiv zu bleiben?

    Red Bull hat das über einen langen Zeitraum hinweg geschafft. Aber auch da bröckelt es jetzt schon sehr. Hat halt nicht jeder Lust, 2 Fußballteams und 2 Formel-Eins-Teams mitzufinanzieren…

  3. Helmut Adam (3 years ago)

    @ Spanier: Es wäre wünschenswert, wenn Du das nächste Mal einen Disclaimer verwendest, sobald Du Dich hier über einen anderen Getränkehersteller äußerst. Du arbeitest für Premium Cola, richtig? Ich gehe davon aus, dass Deine ID hier und die im Barbaublog identisch sind:
    http://www.barbaublog.de/2008/07/05/die-tops-und-flops-des-loewen-eine-zwischenanalyse/#comments

  4. spanier (3 years ago)

    sorry fürs kein disclaimer postern. ich glaube dass wahrheiten ausgesprochen werden dürfen. egal wie ich mein geld verdiene.

    hier nun, besser spät als nie, mein offizieller disclaimer nur für mixology:

    disclaimer:
    vorsicht, diese email wurde von einen normalen mensch geschrieben. ein mensch der lügen furchtbar findet, ein mensch der fairness fair findet, ein mensch mit eigener meinung, ein mensch der nicht nur verschiedene unternehmen im gastrobereich berät sondern auch gute produkte verkauft, gastronome ist und im premium-cola kollektiv seine träume erfüllt.

    – prost –

  5. Helmut Adam (3 years ago)

    Na geht doch! :-) Jemand der offen seine Meinung vertritt, ist hier immer willkommen. Mögen Eure Premiumträume in Erfüllung gehen.

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