Yourcent – Eine Alternative zu Flattr?

Von Helmut Adam | Juli 9, 2010 um 09:05 | 11 Kommentare | Debatte | Tags: ,

Yourcent ist die Berliner Antwort auf Flattr. Der neue Micropayment-Dienst ermöglicht eine flexiblere Honorierung von Inhalten und das Aufladen des Kontos mit EC-Karte.

Taufrisch ist der Dienst des in Berlin lebenden Friedemann Bartels. Michael Meinke von “Das Gastronom” wies uns gestern auf das interessante Start-Up hin und auch das Blog “Trinklaune” scheint es schon entdeckt zu haben, wie eine Äußerung auf Facebook vermuten läßt. Ist den einschlägigen A-Blogs, die sonst den Ton angeben (oder anzugeben meinen), ist allerdings noch nichts darüber zu entdecken.

Am 1. Juli 2010 wurde Yourcent hochgeschaltet, ein neues Micropayment-System, das verspricht, einige Dinge zu ändern, die von vielen Nutzern am bisher erfolgreichsten Dienst Flattr, den auch wir kürzlich integriert haben, kritisiert werden. Ein Beispiel für diese Kritik bietet Michael Meinke in seinem jüngsten Beitrag:

“Flattr ist nach meiner Meinung ein Schnellschuss der Micropaymentsysteme und unterstützt nicht wirklich den Gedanken der Community. Die Leser sollten die Autoren honorieren und die Autoren diejenigen, die ihnen ein Micropaymentsystem zur Seite stellen, daher sollten nicht auch diejenigen Gebühren zahlen müssen, die die Autoren bereits unterstützen.”

Wieso sich mit noch einem neuen System beschäftigen, wenn man gerade erst mit Flattr umzugehen lernt? Wir erleben offensichtlich gerade die Einführung einer neuen Technologie im sozialen Internet. Genau wie sich vor Jahren soziale Netze wie Facebook oder ein Mikrobloggingdienst wie Twitter aus einer Anzahl mehrerer Anbieter zur führenden Plattform etablierten, wird es auch bei dieser Technologie verschiedene Anbieter geben, die die Entwicklung vorantreiben. Deshalb ist es wert, sich Yourcent anzusehen.

Flattr vs. Yourcent – Was sind die Unterschiede?

“Micropayment im 21. Jahrhundert” nach Yourcent-Gründer Friedemann Bartels steht unter der Maxime der Freiwilligkeit. Anders als bei Flattr kann man festsetzen, mit welchem Betrag man einen Inhalt im Internet belohnt. Dieser Betrag kann zwischen 1 und 99 Cent festgesetzt werden.

Im Gegensatz zu Flattr, das 10% vom Flattr-Konto einzieht, kann der Benutzer auf Yourcent aber vor allem auch festlegen, mit welcher Verkaufsprovision er Yourcent unterstützen möchte. Die Skala, auf der man die Provision (von 0 bis 30%) festlegen kann, wirkt mit Begriffen wie “Normalo”, “Genie” oder “Hartz IV” sehr menschlich, wo Flattr in seinem Auftritt doch bisher etwas kühl und distanziert auftritt.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zu Flattr ist die Möglichkeit, dass man das Konto, von dem aus Kleinstbeträge bestimmten Inhalten zugeordnet werden, neben Paypal auch mit EC-Karte aufladen kann. Es kann also wirklich jeder ohne Hürde den Dienst benutzen und erspart sich dabei auch noch die Paypal-Provision.

Die technische Einbindung von Yourcent

Der Yourcent-Knopf wird bei WordPress-Blogs bereits automatisch eingebunden und erscheint, wie man hier sehen kann, direkt unter den Inhalten und nicht in der Bedienleiste darunter, wie das bei Flattr- und Facebook-Button der Fall ist. Wer nicht mit WordPress arbeitet, muss den Yourcent-Button derzeit in jeden neuen Beitrag manuell einfügen.

Wir bei Mixology arbeiten mit Drupal. Mein erster Versuch, den Button einzusetzen, scheiterte leider. Jetzt warte ich erst Mal, bis das Büro unseres Webdesigners besetzt ist. ;) Dann erfolgt ein neuer Anlauf. Ohne den Dienst bereits komplett durchgetestet zu haben, kann man aber bereits sagen, dass hier eine sympatische Alternative zu Flattr entstanden ist, die die richtigen Antworten gibt. Man sollte Yourcent auf jeden Fall eine Chance geben.

Die Oberfläche von Yourcent wirkt insgesamt noch etwas spröde und technisch, die Funktionen erschließen sich einem aber fast schneller als bei Flattr, so mein erster Eindruck. Im Impressum steht, dass Yourcent geschäftlich nach der Kleinunternehmerregelung arbeitet. Noch ein Sympathiepunkt. Es scheint ein Einmann-Unternehmen zu sein ohne Wagniskapital im Rücken. Drücken wir die Daumen, dass sich Yourcent bald nicht mehr auf die Kleinunternehmerregelung berufen kann (oder muss)!

Nachtrag 15:30 Uhr:

Mit Hilfe unseres Webdesigners ist mittlerweile ein Button probeweise bei diesem und einem älteren Artikel eingebaut:

Wenn Bars sich im Merchandising versuchen (mixology.eu)

Beim Klick auf den Button ist mir aufgefallen, dass man auch eigene Artikel mit yourcents beschenken kann. Da muss auf jeden Fall noch nachgearbeitet werden.

 

Link: www.yourcent.com

 

Weitere Beiträge zu Yourcent:

1) Hinweis zum Launch vom Bruder des Betreibers (kaept-n.de)

2) Aufwand in Ertrag ummünzen (das-gastronom.blogspot.com)

3) Der Meinkesche Sonderweg (das-gastronom.blogspot.com)

4) Mixology integriert Flattr (mixology.eu)

 

Der Autor

Helmut Adam

Helmut Adam ist Herausgeber von Mixology, Magazin für Barkultur, trinkt gerne Negronis, Tequila und den einen oder anderen Gin & Tonic. Bevor er sich zum Bar Manager an der Mixology Bar aufschwang, arbeitete er als Bartender in Zürich, Wien, Berlin und London.

11 Kommentare

  1. joerg.meyer (1 year ago)

    @ Whiskytrinker,

    da möchte ich widersprechen. Der Troll hat “in keinem Stück” recht – wie so oft. Ihm geht es auch mittlerweile nicht mehr ums öffentliche Kritisieren oder, was ja am sinnvollsten wäre: einen Diskurs. Vielmehr ist Intention Aufmerksamkeitsstarkes persönliches und direktes Beleidigen von Kollegen. Daher ist der Aufruf von Helmut “Füttern verboten” mehr als angebracht. Das Ende der Informationsfreiheit wird damit nicht eingeläutet. Gutes Benehmen und freundlicher Umgang miteinander, Respekt und ernsthafter Wille zur Diskussion allerdings gefördert.

    Es geht ja nicht darum, das Mixology das bezahlen von Content einführt. Es geht darum, das einige Nutzer im Netz, vielleicht “Internet Freaks”, der Meinung sind, dass eine freiwillige “Bezahlung” für Content durchaus machbar und sinnvoll ist. Das ein SPaß dabei sein, ein “I like” mit Mehrwert.

    Und das es ein Bereitschaftspotential gibt. Man muss ja nicht bezahlen, man kann. Ich Glaube nicht, das die Freakhaftigkeit, der Spaß und die Weitergabe des Inhalts dadurch verlieren. Aber das soll jeder selber entscheiden. Wichtig nur, wie hier falsch angenommen wird: Die Information muss nicht bezahlt werden.

  2. jpebert (1 year ago)

    Hallo Jörg,

    1. Bei Kurzsichtigkeit empfiehlt sich der Optiker.
    2. Bloß weil Du schreibst, dass jemand anderes im Unrecht ist, ist dem auch so? Sorry … was nimmst Du, dass möchte ich auch probieren! ;)
    3. Was aufmerksamkeitsstarkes(!, über wieviele Wege veröffentlichst Du? 20-30?) Beleidigen (soll ich mir die Mühe machen nach Fundstückchen in Deinen Veröffentlichungen zu schauen, oder findest Du die selbst?) angeht, Du weißt ja: Ich mag Leute mit Selbstwitz! Lass uns ein Gläschen Champagner bei Gelegenheit darauf nehmen, Du bist herzlich eingeladen.

    Sonnige Grüße

  3. Mike (1 year ago)

    wusste gar nicht das Yourcent aus Berlin ist!
    Sehr guter Artikel! MPS sind eine spannende Sache, aber natürlich sind sie für so einen kleinen Cocktailblogger für mich keine relevante Einnahme, aber es ehrt einen schon, wenn der Leser einen Artikel honoriert. Werde bis zum Wochenende meinen Blog auf Yourcent eingestellt haben! Falls das gute Wetter einem nicht in die Quere kommt. Danke für den Bericht über Flattr und nun auch Yourcent!

  4. Redaktion (1 year ago)

    Gerne. Hatte gerade ein kurzes Telefonat mit dem Gründer. Werden später ein Interview führen, das sicher noch ein paar Fragen beantworten kann. HA

  5. joerg.meyer (1 year ago)

    Hab den Artikel gleicht mal geflattred :-) Wenn er aus Berlin kommt, ist das doch eine schöne Alternative fürs Mixology Blog…

  6. Helmut Adam (1 year ago)

    Darauf, dass das jemand flattrt hatte ich tatsächlich gewartet. ;)

  7. Mike (1 year ago)

    Mist – da warst du wohl schneller! Hatte ihm eine SMS geschickt…
    Bin schon sehr gespannt auf das Interview!!

  8. jpebert (1 year ago)

    Ich bin gespannt, ab wann sich beispielsweise (!!!) der mittlerweile mit gewolltem und wenig gekonnten Text gefüllte Bartender-Lab-Blog per Micropayment dafür belohnen lassen möchte, und wer für dieses infantilen Kauderwelsch bezahlt.

    Wehrt Euch der Kommerzialisierung des Internets und der Information!!!

  9. Redaktion (1 year ago)

    Please don’t feed the troll. Thnx. HA

  10. jpebert (1 year ago)

    … die Kirche im Dorfe lassen, auch wenn die $$$ blitzen.

    An der Kommerzialisierung ihrer Online-Angebote haben sich schon ganz andere (Springer, Murdoch) versucht, mit der Feststellung das es (glücklicherweise) nicht funktioniert. Man stelle sich Spiegel-Online als Bezahlangebot vor – es wäre tot.

    Das hat nichts mit “Trollen” zu tun, Herr Adam, eher mit schleichender Kommerzialisierung und ich wundere mich ein wenig über die Wegbereitung hier. Ich könnte jetzt den Faden weiter spinnen – mach ich mal nicht (hier) … Ich verdiene auch gern Geld, aber irgendwo gilt immer noch: Leistung und Gegenleistung und glücklicherweise Informationsfreiheit, auch wenn hier und da der Versuch unternommen wird, daraus Geld zu schlagen.

    Muss ich das mit dem Trollen als Gleichschaltung der Gemeinde betrachten? Traurig, traurig, wenn es das braucht und dann von so zentralem Ort kommt. Hältst Du Deine Leser für, formulieren wir es positiv – schutzbedürftig (im negativen Sinne würde die Formulierung unmündig lauten)?

  11. Whiskytrinker (1 year ago)

    Wieso der “Troll” hat doch ein Stück weit recht.

    Wer dieses seltsame Internetz nicht erst seit gestern hat, erinnert sich vielleicht noch an Geocities und Konsorten. Da gab es massig wirklich interessante Infos in häufig beliebiger HTML-Hässlichkeit. Das ganze war deshalb wirklich cool, weil diese Seiten von irgendwelchen Freaks auf ihrem Themengebiet erstellt wurden, für die der Inhalt und der Spaß, diesen Inhalt weiterzugeben im Vordergrund stand.

    Geld und irgendwelche seltsamen Bezahlbuttons interessierte da keinen.

    Das war das Internet, das ich geliebt habe.

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