Der Mason Shaker. Ein Einmachglas auf Abwegen.

Aktuelles 22.8.2013 1 Kommentar

Wie verkauft man spezielle Drinks ohne aufwändige Reklame und wenn man keine Zeit hat, jeden Gast persönlich zu beraten? Man präsentiert ihn auf eine außergewöhnliche Art, die die Gäste neugierig macht und Nachfrage schafft. Dies kann ein ungewöhnliches Trinkgefäss sein oder eine ausgefallene Herstellung eines Drinks. Zum Beispiel das Einmachglas als Shakerbecher. Eine Idee, die zwei junge Amerikaner perfektioniert haben.

Josh und Eric heißen die beiden Macher hinter dem Mason Shaker, einer witzigen Idee, die dank der amerikanischen Crowdfunding-Plattform Kickstarter zum Erfolg wurde. Prinzip von Kickstarter ist, dass man ein Projekt mit kleinen Beträgen unterstützen kann, aber auch ein Produkt quasi vorab erwerben kann. Sobald die Finanzierung gesichert ist, geht es in Produktion und beglückt seine „Mikro-Investoren“. Wird die finanzielle Grenze der Umsetzung nicht erreicht, muss wiederum niemand seinen Einsatz zahlen. In diesem Beispiel wurden 5.000 Dollar benötigt, um aus einem Einmachglas einen individuellen Cocktailshaker zu machen. Nach nur vier Wochen waren bereits sagenhafte 75.000 US-Dollar eingesammelt und somit gleichzeitig auch eine anständige Menge an Shakern vorbestellt.

Die beiden ursprünglich aus Virginia stammenden Jungunternehmer wollten ihre Liebe zu Cocktails und ihrer Heimat, dem amerikanischen Süden, verbinden. Die „Mason Jars“, wie die amerikanischen Einmachgläser heißen, waren dafür die perfekte Verbindung. Noch dazu ist die Verwendung eines Einmachglases als primitivem Cocktailshaker durchaus populär in amerikanischen College-Kreisen. Für viele besteht also bereits eine Verbindung zwischen beidem.

Industriecharme in Großmutters Küche

Amerikanische Einmachgläser, zumindest die bekanntesten der Firmen Ball und Kerr, haben alle einen Schraubverschluss. Im Gegensatz zu den in Europa verwendeten, wird bei den amerikanischen Einmachgläsern lediglich ein Ring aufgeschraubt, der einen Deckel mit Gummidichtung auf dem Glas fixiert. Somit ist ein luftdichter Abschluss sichergestellt, der Schraubring lässt sich erneut verwenden und den Deckel entsorgt man nach Gebrauch.

Dieses Prinzip des Schraubrings lässt aber auch andere Varianten als Verschluss des Glases zu. Im Falle der zwei findigen Amerikaner eben die Verwendung als Cocktailshaker. Durch ein Sieb, das anstatt des Deckels aufgeschraubt wird und das selbstverständlich mit einem Deckel gesichert ist, wird aus einem einfachen Einmachglas ein funktionaler Shaker im Stile eines Cobbler Shakers.

Und nun, nach nur einem Jahr Firmengeschichte, lässt sich bereits ein achtbarer Erfolg erkennen. Im Gespräch mit dem Importeur für Deutschland, Erik Wunsch von der Style Supply GmbH, erklärt sich der Hintergrund für diesen ungewöhnlichen Ansatz: „In amerikanischen Haushalten sind die Mason Jars so verbreitet wie hierzulande die berühmten Weck-Gläser. In beinahe jedem Haushalt findet man diese Gläser und an vielen Universitäten behilft man sich mit Mason Jars, wenn es zu spontanen Cocktailpartys kommt.“

In diesem Kontext erklärt sich auch der schnelle Erfolg, den der Mason Shaker in Amerika hatte. Praktisch jeder kennt das Ausgangsprodukt. Allerdings nun endlich für eine neue Anwendung optimiert. Laut Wunsch ist mittlerweile die Produktion des 100.000sten Shakers in Sicht. Über diesen zusätzlich generierten Absatz freut sich natürlich auch die Firma Ball, die die Mason Jars produziert. Man steht laut Wunsch in engem Kontakt und ist erfreut über den Erfolg der Jungunternehmer.

„Derzeit sind wir froh den Shaker nach Deutschland bringen zu können und befinden uns sich noch auf der Suche nach Vertriebswegen abseits des Online-Handels“, sagt Erik Wunsch. Neben dem eigentlichen Shaker möchte man möglichst bald auch die gängigen Mason Jars importieren. Zum einen, um Ersatz anbieten zu können, sollte dem Kunden das Glas brechen. Zum anderen scheint es durchaus eine Nachfrage in Deutschland nach den markanten Gläsern zu geben, wenn man sich in gängigen Foren umschaut.

Wie funktioniert der Mason Shaker?

Der Shaker kommt im Pappkarton zum Test, ausgefüllt mit Strohwolle, um das Glasteil zu schützen. Neben dem Glasbecher sind Schraubring, Sieb und Deckel enthalten und als kleine Zugabe ein kleines Buch mit Cocktailrezepten, passend zu jeder Jahreszeit. Hier findet man passende Drinks mit frischen Zutaten, Marmeladen und Kräutern, die durchaus schlüssig klingen. Für dieses Gimmick gibt es also schon einmal Zusatzpunkte.

Der Shaker selbst ist mit seiner Füllmenge von beinahe einem Liter groß dimensioniert.  Er liegt aber gut in der Hand und auch der dreiteilige Deckel schließt hervorragend. Die aus gebürstetem Aluminium gefertigten „Sonderteile“, also Sieb und Deckel, wirken sehr elegant und machen einen wertigen Eindruck. Leider ist die Öffnung doch ein gutes Stück kleiner als ein normales Shakerglas, was beim Einfüllen von Eiswürfeln leicht hinderlich ist und auch das schnelle Spülen beeinträchtigt.

Ein großer Vorteil gegenüber anderen dreiteiligen Shakern ist hingegen das Sieb. Durch die großen Öffnungen gelangt der Inhalt sehr schnell ins Gästeglas und trotzdem haben kleine Eisbrocken keine Chance. Sehr gute Detailarbeit. Positiv aufgefallen beim Test ist auch die Tatsache, dass das Mason-Jar-Glas seitlich die Maßeinheiten Tassen, Unzen und Zentiliter eingearbeitet hat. Für den Laien, der das Mixen erlernt, eine gute Hilfe.

Kaufempfehlung für die Heimbar

In der Handhabung an der professionellen Bar ist der Mason Shaker allerdings durch das erforderliche An- und Abschrauben des Shake-Aufsatzes zu umständlich und mit rund 35 Euro Preis auch wahrlich nicht gerade günstig. Für die Home Bar des Cocktail-Liebhabers ist das Produkt aber ein Blickfang, der auch durch seinen simplen „Küchen-Charme“ die manchmal von außen sehr hoch erscheinende Eintrittsschwelle in die Mixwelt deutlich absenkt.

Wir können unseren Lesern daher durchaus empfehlen, sich diesen ausgefallenen Shaker einmal näher anzusehen. Neben dem Shaker gibt es beim Importeur noch den passenden Muddler, einen Jigger und Kühlsteine, die einen Bourbon kühlen, ohne ihn zu verwässern. Der Clou an den Kühlsteinen: Sie werden in einem kleinen Mason Jar geliefert und auf dieses wiederum passt der Mason Shaker-Aufsatz ebenfalls. Und schon hat man einen weiteren kleineren, handlichen Shaker.

Den Mason Shaker und weitere Utensilien kann man auf der Internetseite masonshaker.de bestellen. Der Shaker kostet in seiner einfachsten Ausführung 34,95 € (inkl. MwSt.) und beinhaltet das Mason Jar, den Shaker-Aufsatz und eine Broschüre mit Rezeptvorschlägen.

 

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Style Supply GmbH erhalten. Außer Flüssigkeiten durch den Shaker ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)

Ein Kommentar

  1. Le Bar le Wien

    Genial Einfach. Man muss nur wissen „wie“. Und 35euro „hier“ gegengerechnet zum amerikanischen Preis dort sind nicht viel. Wenn man heutzutage die US Gehälter betrachtet sind 40-50Dollar ja ein regelrechtes Schnäppchen.

    Mir gefällt die Idee, wobei ich das ganze jetzt am liebsten nachprobieren möchte, in der Bostenshaker-Variante. Schickes Glas suchen, Inhalt auslöffeln und dann Zutaten rein. Schraubverschluss rauf und shaken. Anschließend mit dem Strainer ins Glas.

    Simple und Genial! Sowas braucht die Barszene, klasse Ideen…die garnicht weit hergeholt sind…

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