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Der Penicillin Cocktail. Die Geschichte von köstlicher Medizin.

Aktuelles 14.5.2013 4 comments

Bei einem Besuch in der „Preußischen Spirituosen Manufaktur“ in der vergangenen Woche kamen wir in den Genuss den dort produzierten Galgant-Likör probieren zu dürfen. Abgesehen davon, dass er sehr gut pur zu verköstigen ist, und als Ingwerlikör im Trend für den diesjährigen Sommer liegen dürfte, verriet uns Gerald Schroff, Geschäftsführer der Preußischen Spirituosen Manufaktur, dass Oliver Ebert ihm regelmäßig alle Vorräte wegkauft und im Becketts Kopf vermixt.

Da stellt sich uns natürlich die Frage, was macht der Mixologe des Jahres 2013 mit dem Galgant-Likör der Spirituosen Manufaktur? Die Antwort kam schnell und scheint sehr schlüssig. Einen Cocktail. Mehrere Cocktails aber im Speziellen den „Penicillin Cocktail“. Eine abgewandelte Version des Drinks, der im New Yorker Milk & Honey von Sam Ross erfunden wurde und bereits in einigen Blogs zum Thema wurde.

Problemfall Scotch und Trendaroma Ingwer

Die angebliche Problematik, die immer wieder auftaucht, wenn es darum geht, schottischen Whisky in Cocktails zu verarbeiten sei hiermit ad acta gelegt. Für viele scheint es wirklich die Hemmschwelle zu sein, Scotch anders als pur zu genießen. Diese Schwelle hinter uns gelassen, wollen wir hier die Variante eines Sour präsentieren. Die Zutatenliste liest sich wie Hausmittelchen, der Name Penicillin scheint also gerechtfertigt. Mit Limette für die Vitamine, Honig, welcher nachweislich medizinische Wirkung bei Wundheilung und Fieber hat und abschließend Ingwer, dem schmerzlindernde und magenberuhigende Wirkung zugesprochen werden, ist schon ein Arsenal an Hausmitteln vorhanden. Abgerundet mit schottischem Whiskey der, so versicherte mir einmal ein Allgemeinmediziner, bei richtiger Dosierung beinahe alle Wehwehchen lindern würde.

Und selten hat Medizin so gut geschmeckt. Sam Ross vereint in seiner Idee des Penicillin Cocktails einen eher milden Blended Scotch mit Limettensaft und einem Honig-Ingwer-Sirup und bereichert die Aromen durch einen Hauch rauchigen Islay Malt.

Extreme Abwandlung

Oliver Ebert steigert seine Version hingegen in ein Extrem. Aromatisch unterscheidet er sich deutlich vom Original, dennoch hat man am Namen festgehalten. Zum einen um Sam Ross und seine Kreation zu ehren und zum anderen beschreibt der medizinische Name das aromatische Profil perfekt. In Olivers Augen ist der Penicillin der Gegenentwurf zum Gin & Tonic, den er einmal als „Drink für Menschen die nicht wissen was sie wollen“ bezeichnete. Sehr fordernd und komplex sei der Drink. Dies sieht Oliver aber auch als einen der Gründe, wieso er so oft bestellt wird. „Ein auf ungewöhnliche Weise erfrischender Drink“, so beschreibt er ihn. Und damit hat er Recht.

Penicillin (adaptiert von Oliver Ebert, Becketts Kopf, Berlin)

5,5 cl Islay Malt

1 cl Galgant

1 cl Waldhonig

1,5cl Limettensaft

Glas: Tumbler

Garnitur: eine Prise Szechuan Pfeffer

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eiswürfeln im Shaker kräftig shaken und in das vorgekühlte Gästeglas auf Eiswürfel abseihen. Pfeffer frisch über den Drink mahlen.

Galgant ist übrigens eine Unterform des allgemein bekannten Ingwers. Während sich beide Knollen äußerlich und in ihrer Wirkungsweise recht ähnlich sind, gilt der Galgant als die edlere Version. Ein feinerer, leicht blumiger Geschmack mit etwas weniger Schärfe als gewöhnlicher Ingwer zeichnet ihn aus.

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Bildquelle: aboutpixel.deaspirin © dommy.de

4 comments

  1. Ruben

    Darf man fragen, zu welchem Islay Scotch Herr Ebert greift?

  2. oliver ebert

    Man darf und bekommt zur Antwort: Finlaggan Reserve. Aber jetzt bitte nicht alle Vorräte wegkaufen. Übrigens: Wir benutzen auch den Holunderblütenlikör der Preußischen Spirituosen Manufaktur. Weitaus feiner, natürlicher und eleganter als der Aromabolzen von Saint Germain. Ich habe läuten hören, dass wir von dem auch noch etwas übrig gelassen haben.

  3. Jean-Pierre Ebert

    Beziehend auf „Drink für Menschen, die nicht wissen was sie wollen“: Beiße nicht in die Hand, die Dich füttert. Gilt das nicht auch heute noch? Alkohol wird aus vielen Gründen konsumiert, insofern bin ich mir sicher, das Gin Tonic – Trinker genau wissen, was sie wollen.

    Übrigens, ich kann diesem Sprachgestelze nichts abgewinnen. Es wirkt ziemlich unintellektuell.

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