Überblick über den fünften Bar Convent Berlin. Es gibt keinen Weg zurück.

Von Helmut Adam | Oktober 7, 2011 um 16:00 | Keine Kommentar | Veranstaltungen | Tags: , , , , , ,

Der Bar Convent Berlin feiert sein erstes Jubiläum. Die Bar- und Spirituosenmesse wird so groß wie nie. Im Umfeld finden immer mehr Veranstaltungen statt, die die Resonanz auf “Bartender’s Christmas” verstärken. Wir geben einen Überblick über die großen Bar-Tage in Berlin.

Das erste Jahr Bar Convent Berlin bleibt unvergesslich. Mit nur drei Monaten Vorlauf öffneten sich die Türen des Glashauses in der Berliner Arena. Und die Leute aus der Branche – Bartender, Barbetreiber, Händler und Produzenten – sie kamen! Das ist nicht selbstverständlich. Genau so wie die Eröffnung einer Bar nicht zwangsläufig ein Erfolg wird. Der Unterschied zwischen dem erstmaligen Veranstalten einer Messe und dem Eröffnen einer Bar ist der, dass man bei der Messe nicht mit einem “Soft Opening” beginnen kann. “It’s hit or miss!” wie die Amerikaner sagen. Entweder es klappt, oder man kann das Projekt wieder in die Schublade packen.

Ein weiterer Unterschied ist natürlich auch der Aufwand, der getrieben werden muss. Und damit ist jetzt nicht die Planung und Logistik der Messe gemeint. Ein Besucher gibt für einen Messebesuch weit mehr Geld aus, muss Urlaub beantragen, wenn er Angestellter ist, muss Flüge und Hotel buchen. Der Besuch muss sich lohnen, die Erwartungshaltung ist weit höher! Um so schöner war es zu sehen, dass 2007 Besucher aus allen Teilen Deutschlands, Österreich und der Schweiz, und sogar schon aus dem europäischen Ausland anreisten, um am Bar Convent Berlin teilzunehmen.

Der erste große Sprung

Das Glashaus beherbergte den Convent zwei Jahre lang. Im zweiten Jahr wurde der Platz, trotz zusätzlicher Räume, allerdings so eng, dass man um eine Vergrößerung nicht herumkam. Der Bar Convent Berlin zog um in den Postbahnhof am Ostbahnhof, was einen Quantensprung bedeutete. Auf zwei Ebenen und auf mittlerweile fünf Bühnen findet hier seit 2009 an zwei Tagen Bar in einer Dimension statt, die den Vergleich mit anderen internationalen Großveranstaltungen nicht scheuen muss. Das schöne an Berlin ist, dass die Stadt so viele umgenutzte Industriegebäude, sogenannte “Off-Locations” bietet. Der verwinkelte Postbahnhof, in dem früher die Stasi West-Pakete öffnen liess, ist keine große, blanke Messehalle, sondern aufgrund seiner verschachtelten Räumlichkeiten variabel nutzbar.

Das ist enorm wichtig, damit das “Convent-Gefühl” erhalten bleibt. Seit Gründung der Convent-Mischung aus Kongress und Messe treten Besucher und Aussteller an uns heran mit der Bitte: “Bitte verändert nichts, nicht größer werden! Dieses Jahr war perfekt.” Sie haben Angst vor einer zu starken “Kommerzialisierung” und dem Verlust des familiären Gefühls. Stehenbleiben kann man aber nicht. Und Leute von der Tür abweisen ebenso wenig. Und dass sich die Grundkosten bei gleicher Größe reduzieren, darf ins Reich der naiven Träume verwiesen werden. Wir haben daher jedes Jahr versucht, ein qualitatives Wachstum zu bewerkstelligen. Wichtig für uns ist, dass der Bar Convent Berlin, trotz zunehmender Größe, seine Seele behält. Wir, die Veranstalter, kommen alle aus der Bar. Und das muss auch weiterhin zu spüren sein.

Seele und Inspiration

Auch möchten wir Besucher und Aussteller zunehmend auffordern, das Selbstverständnis als Branche kritisch zu hinterfragen, sich intensiver mit der Bar als Lebenswelt zu beschäftigen. Wann ist der Zeitpunkt besser, als wenn sich die Branche an einem Ort versammelt? Dieses Jahr haben wir zum Beispiel den bekannten FAZ-Feulliton-Chef Peter Richter als Keynote-Sprecher eingeladen. Richter sorgte dieses Jahr mit seinem Buch “Über das Trinken” für Furore. Im ersten Vortrag des Bar Convent Berlin wird es also um das Trinken an sich gehen und nicht um in Fässern gereifte Cocktails oder die Veränderung der molekulare Struktur von Yuzu-Saft beim Tiger Hard Shake. Nicht falsch verstehen, das sind selbstverständlich auch interessante Themen. Aber der Ursprung allen Trinkens darf nicht aus den Augen verloren werden.

Im Erdgeschoss wiederum haben wir, trotz einer Warteliste von Firmen, die gerne auf dem Convent ausstellen würden und keinen Platz mehr bekamen, einen Ort für eine Installation freigehalten. Der Offenburger Künstler Stefan Strumbel, der dieses Jahr bereits ein Cover des Messe-Partner-Mediums MIXOLOGY gestaltete, wird dort die “Heilige Bar” installieren. Diese wird die Besucher einladen, sich kritisch-ironisch mit der Lebenswelt Bar auseinander zu setzen.

Eine weitere Investition des Bar Convent Berlin ist die “Bar Poland”. Dem Beispiel der Frankfurter Buchmesse folgend, haben wir erstmals ein Gastland auf dem Convent. Dieses präsentiert allerdings keine Bücher, sondern eine Bibliothek an flüssigem Wissen und Unterhaltung. Die Bar Poland versteht sich einerseits als Dankeschön an die große Gruppe polnischer Besuchern, die wir seit der ersten Messe in Berlin begrüßen durften. Darüber hinaus soll sie den heimischen Besuchern einen Einblick in die Spirituosenvielfalt der Nachbar-Nation ermöglichen. Den polnischen Herstellern wiederum soll die Kontaktaufnahme mit der deutschen Barszene ermöglicht werden. Wir freuen uns auch sehr darüber, dass Leszek Wiwala, der Präsident der Vereinigung Polski Przemysł Spirytusowy, in der die polnische Spirituosenindustrie organisiert ist, unser Vorhaben mit einem Vortrag unterstützt. Wiwala ist übrigens auch Vize-Präsident der CEPS, dem Zusammenschluss aller europäischen Spirituosenverbände auf europäischer Ebene.

Der Blick nach Außen

Ein zentrales Merkmal des Bar Convent Berlin war vom ersten Tag an die Internationalität. Rund 70% der Vorträge werden auf Englisch gehalten. Der Besucher-Mix wird ebenso immer bunter und internationaler. In diesem Jahr darf man unter anderem gespannt sein auf Dimitri Sokolov, der in sechs Moskauer Bars involviert ist. Der Mietpreis einer Bar in zentraler Lage in Moskau beträgt übrigens das zehnfache einer vergleichbaren Lokalität in Berlin! Und mit bürokratischen Kopfgeburten bei Abgaben und Auflagen hat man dort ebenso zu kämpfen wie hier. Der Vortrag dürfte sehr spannend werden. Ein weiteres Highlight ist natürlich auch Gary Regan, der erstmals nach Deutschland kommt. In einem Interview auf der Convent-Seite gab er bereits in gewohnter Manier Gutlauniges zu “Manhattans auf Eis” und Jägermeister-Shots zum Besten.

Spannend werden dürfte auch der Vortrag von Steve Olson, der in den Vereinigten Staaten viel für die Popularität von Mezcal getan hat. Spannend und amüsant dürfte auch der Vortrag von Don Lee am Dienstag, den 11. Oktober, werden. Er wird auf dem MIXOLOGY Main Stage urbane Legenden aus der Barwelt entzaubern. Nur eines von vielen Highlights, die an zwei Tagen im Postbahnhof über die Bühne gehen. Wer das Programm noch nicht in Print-Form vorliegen hat, kann es auf der Convent-Seite herunterladen: www.barconvent.de/programm

Nachtrag: Ein paar kleinere Änderungen der letzten Minute bei Programm und Ausstellern seien an dieser Stelle auch bekannt gegeben:

1) Montag 11. Oktober 2011: Mixology Main Stage “Cocktail Apps in The Drinks Business” beginnt um 17:15 Uhr  (und nicht um 18:30 Uhr)
2) Montag 11. Oktober 2011: Taste Forum Vermouth beginnt um 18:30 Uhr (und nicht um 18 Uhr)
3) Montag 11. Oktober 2011: Demo Bar B, Monkey 47 Slot: Neuer Titel: “Monkey 47 Distiller’s Cut – A whole different animal”
4) Dienstag 12. Oktober 2011: Demo Bar A at um 12 Uhr: Merlet Sidecar Competition – The Final
5) Stand E24 im Erdgeschoss: Banks Rum (und nicht Tabu Absinth)

Das Umfeld explodiert

Was im fünften Jahr des Bar Convent Berlin ebenfalls einen gigantischen Sprung nach oben gemacht hat, ist die Anzahl der Seitenveranstaltungen im Rahmen des Bar Convents. Jede Menge Cocktailwettbewerbe finden am Vorabend oder nach Torschluss des Convents statt. Firmen laden zu Partys und Tastings in Bars und Restaurants, die zu diesem Zweck gebucht werden. Mancher nutzt auch den Buzz rund um den Bar Convent Berlin zur Neueröffnung. Hier nur ein paar Beispiele: Barmuda2011 in der Brunnenstraße, Eröffnung der Marques Bar und die Sierra Margarita Competition.

Die größte Veranstaltung, die das Umfeld nutzt, ist definitiv das von Dirk Becker organisierte Rum Festival. Es findet kommenden Samstag und Sonntag in der Station statt und wird sicher eine große Zahl an Spirituoseninteressierten willkommen heißen.

Offizielle Bar Convent Berlin Veranstaltungen

Vom Bar Convent Berlin aus gibt es drei offizielle Veranstaltungen dieses Jahr. Im Rum Trader veranstaltet Betreiber Gregor Scholl gemeinsam mit Stefan Gabanyi am Sonntagabend ein Soirée zu Eröffnung des großen Branchentreffs. Wer nicht so weit in den Westen der Stadt reisen will, findet am Sonntagabend einen Anlaufpunkt bei den Traveling Mixologist, die sich in der Amano Bar die Ehre geben.

Den Schlusspunkt setzt am Dienstagabend die Verleihung der Mixology Bar Awards. Verliehen werden dieses Jahr Awards in insgesamt 10 Kategorien. Erwartet werden über 1’000 Gäste. Die Awards gibt es dieses Jahr auch erstmals zum Nachhause-Nehmen. Nach Verleihung der Awards erscheint der Mixology Bar Guide 2012 in den 300 Bars aus Deutschland, Wien und Zürich sowie alle diesjährigen Sieger intergriert wurden.

 

Weitere Informationen: barconvent.de

 

(Offenlegung: MIXOLOGY und MIXOLOGY ONLINE sind offizielle Partner-Medien des Bar Convent Berlin. Mixology-Herausgeber Helmut Adam ist Mitgründer und einer der Geschäftsführer der Bar Convent GmbH.)

Der Autor

Helmut Adam

Helmut Adam ist Herausgeber von Mixology, Magazin für Barkultur, trinkt gerne Negronis, Tequila und den einen oder anderen Gin & Tonic. Bevor er sich zum Bar Manager an der Mixology Bar aufschwang, arbeitete er als Bartender in Zürich, Wien, Berlin und London.

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