Verkostet! Fräulein Brösels Haselnussgeist.

Aktuelles 23.10.2013 1 Kommentar

Obstbrände und Geiste sind Spirituosen für die Deutschland, Österreich und die Schweiz eine gewisse Bekanntheit erlangt haben. Und auch wenn viele Brenner sich mittlerweile in beinahe jeder Spirituosenkategorie versuchen, findet man bei diesen Klassikern immer wieder neue Produkte die etwas Aufmerksamkeit verdienen.

Fräulein Brösel ist der Künstlername unter dem die Wahlberlinerin Stefanie Drobits die Brände aus ihrer Heimat, der Steiermark, vertreibt. Man wird sich am selbst gesteckten Ziel messen lassen müssen, eine Alternative zu den „alkoholischen Industriebränden“ zu bieten, wie man es in der eigenen Produktinfo betitelt. Man möchte „die Frucht erklären, die im Schnaps nie verloren geht“.

Vom Roman zum Geist

Ganz und gar nicht trist scheint der Ursprung der Zutaten für den Haselnussgeist zu sein. In der östlichen Steiermark, dem Grenzgebiet von Österreich, Slowenien und Ungarn, werden die Haselnüsse für Fräulein Brösels Haselnussgeist gesammelt. Die speziellen klimatischen Bedingungen der Region, das pannonische Klima mit vielen Sonnentagen im Sommer und entsprechender Hitze, sorgt für vollreife und aromatische Nüsse, die dann in der Steiermark zu einem Geist gebrannt werden. Laut Stefanie Drobits stecken in einem Liter fertigem Haselnussgeist bis zu 300 Gramm Haselnüsse.

Ungewöhnlich für diese Spirituosenkategorie ist der Alkoholgehalt. Wo andere Brände gern einmal 40% oder mehr aufweisen, hat der Haselnussgeist von Fräulein Brösel lediglich 33%. Dies soll eine weibliche Seite symbolisieren und zugleich geringe Aggressivität und hohe Bekömmlichkeit vermitteln. Die Verkostung soll zeigen, wie weich und mild der Geist denn wirklich ist.

Trockene Gefälligkeit

Im Glas, wie erwartet, eine klare Flüssigkeit. Keine Trübungen keine sichtbaren Feststoffe. Der Geist zieht lange Fenster im Glas und verströmt ein Aroma, das Räume füllt. Wagt man sich mit seiner Nase näher an das Glas, werden die Nuancen deutlicher und klar erkennbar. Haselnuss sticht deutlich hervor. Man erinnert sich an Brotaufstrich, aber nicht unbedingt den, für den die deutsche Fußballnationalmannschaft sich regelmäßig lächerlich macht. Weniger schwere Süße und Kakao werden ausgeglichen mit Noten von weißer Schokolade und Bittermandel. Würde man nicht irgendwann verdursten, man könnte ewig an diesem Glas schnuppern.

Aber ich gehorche lieber dem Volksmund, der empfiehlt: „Schnaps ist zum Trinken da.“

Und dieser Schnaps unterstreicht diese Weisheit einmal mehr. Sehr weich entfaltet sich der Geist am Gaumen. Nach und nach entwickelt sich die Haselnuss, sehr langsam, dafür aber immer intensiver. Keinerlei alkoholische Schärfe und kein brennender Abgang.

Dafür präsentieren sich alle Aromen die man zuvor in der Nase hatte noch einmal sehr schön am Gaumen. Mandel und weisse Schokolade unterstreichen hierbei allerdings dezent die Haselnussnote, die sehr dominant im Vordergrund steht. Das soll sie auch bei einem Haselnussgeist.

Ein typischer Geist eben. Die Frucht, in diesem Fall die Haselnuss, wird in hochprozentigen Alkohol eingelegt und für ungefähr zwei Wochen mazeriert, bevor in nur einem Brennvorgang aus dem Mazerat der Geist destilliert wird. Außer Wasser, das zur Reduzierung auf Trinkstärke genutzt wird, wird dem Geist danach nichts mehr hinzugefügt. Daher schmeckt man auch keine übertünchende Süße, wie sie sonst oft mit Haselnusslikören oder -spirituosen auftritt. Regelrecht trocken ist dieser Geist ein Genuss, wenn man ihn pur trinkt und eine Einladung, damit zu spielen.

Der obligatorische „Hazelnut Gimlet“, also die kaltgerührte Mixtur aus Haselnussgeist und Rose’s Lime Juice, weiss zu überzeugen und auch in Kombination mit einem frischen Espresso und einem Schuss Zucker in Anlehnung an den Espresso Martini spielen die Nussaromen gekonnt mit den Noten des Kaffees.

Fräulein Brösels Haselnuss

Preis: ca. 30 Euro

Vertrieb: Fräulein Brösels Schnapserwachen

Herkunft: Österreich

Füllmenge: 0,5 l

Alkoholgehalt: 33 Vol. %

schnapserwachen.com

 

Bildquelle: Squirrel eating Hazelnuts via Shutterstock

 

Nachtrag: Wie unser Leser Ars bereits anmerkte ist die Definition von Geist unter anderem ein Mindestalkoholanteil von wenigstens 37,5%. Die vorliegende Spirituose ist somit kein Geist per Definition, auch wenn die Methode der Herstellung der eines Geistes entspricht.

Ein Kommentar

  1. Mike Wood

    Guten Tag!

    Selber aus einerBrenner-Familie kommend, möchte und muss ich leider energisch widersprechen:
    Diese Hasenuss ist sicher eine sympathische Geschäftsidee, aber ganz sicher nicht ohne weitere „Zutaten“ verabeitet worden. Diese Produkt ist dermaßen mit Zucker und weiteren Aromen aufpoliert worden, das es jedem Brenner, der mit Haselnuss arbeitet, die Tränen in die Augen treibt…

    Sicherlich gibt es für diese gewollte Stilistik genügend Kundschaft, darüber hinaus hat das Produkt nichts, aber auch rein gar nichts mit z. B. den reinen Haselnuss-Destillaten aus Franken, Baden oder Norditalien und Ostfrankreich zu tun. Wer einmal eine hausgeröstete, puristische Hanselnuss, ungeschönt und ungesüsst, bei einem kundigen Brennmeister verkostet hat, lässt sich danach nie wieder aufs Glatteis führen.

    Bitte nicht falsch verstehen, es gibt etliche weitere, auch namhafte Brennereien, die eine Haselnuss „aufsüssen“, oder für eine kleine Nougat- und/oder Schoko-Impfung sorgen – wie gesagt, das mag wohl manch eine/r. Es ist aber eine eigene und ganz andere Produktkategorie.
    Keinesfalls eine reine, pure Haselnuss, nicht in der Nase und nicht am Gaumen.

    Also bleibt das hier beschriebene Getränk eine moderne Szene- und Lifestyle-Interpretation, was sicher nett ist. Es stellt aber die Welt der alten, ehrbaren Brennkunst ganz sicher nicht auf en Kopf.
    Im Gegenteil.

    Mfg M. Wood

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