Zum zweiten Mal nach 2009 traten die Besten der Bar-Branche zum globalen Finale der Diageo World Class Competition an. Der Sieg ging dieses Jahr an Erik Lorincz von der Connaught Bar in London. Die Teilnehmer aus den GSA-Ländern beeindruckten mit guten Platzierungen.
Unser Team bei Mixology nimmt in letzter Zeit kaum noch an Pressereisen teil. Zu wenig fokussiert die Veranstaltungen, zu breit die Streuung der Teilnehmer, zu viel Zeit, die man außerhalb des Büros verbringen muss, wo eine ganze Reihe spannende eigene Projekte warten. Es ist effektiver und sinnvoller auf die verschiedenen Messen zu fahren, wo man sich die Zeit und die Gespräche selbst einteilen kann. Eine Ausnahme stellt für uns die Diageo Reserve Brands World Class Competition dar.
Obwohl nun schon im achten Jahr weltweit mit unserem Medium im Barzirkus unterwegs, wo man manchmal meint, es könne einen nichts mehr in Erstaunen versetzen, macht einen die organisatorische und atmosphärische Größe des 2009 gestarteten jährlichen Wettbewerbs des Spirituosen-Multis immer wieder sprachlos.
Das von Spike Marchant entwickelte Konzept ist bis ins kleinste Detail durchdacht und auf den professionellen Bartender zugeschnitten. In insgesamt sechs Kategorien müssen sich die Teilnehmer erst einmal in ihrem Heimatmarkt durchsetzen, um sich für das weltweite Finale zu qualifizieren. Der Effekt des Wettbewerbs für Diageo ist, dass weltweit über 9000 Bartender (im Jahr 2010) im Umgang mit Reserve Brand Spirituosen geschult wurden.
Erstmals Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und Schweiz
Dieses Jahr nahmen zum ersten Mal alle drei GSA-Länder am Wettbewerb teil, nachdem 2009 Ricardo Albrecht von der Lebensstern Bar in Berlin aus der deutschen Tanqueray Gilde heraus nominiert worden war. Die nationalen Aussscheidungen der nordeuropäischen Länder wurden gebündelt im Frühjahr in Rotterdam abgehalten. In den Räumen der Ketel One Destillerie konnten sich für Deutschland schließlich Torsten Spuhn (Modern Masters, Erfurt), für Österreich Heinz Kaiser (Dino’s Bar, Wien) und für die Schweiz Thomas Huhn (Les Trois Rois, Basel) den Platz für das globale Finale sichern.
Das Finale in Athen nahm fast eine ganze Woche in Anspruch, was einen enormen Zeitaufwand für die Finalisten bedeutet, die zum Teil eigene Bars betreiben oder Bars als Manager beaufsichtigen. Trotzdem fehlte kein einziger der Bartender, was den Stellenwert ausdrückt, den die World Class Competition bereits im zweiten Jahr ihres Bestehens genießt. Für mich als Vertreter der schreibenden Kunst ist eine Woche Fehlzeit für einen Wettbewerb illusorisch. Ich beschränkte meine Teilnahme daher auf das Finale am Ende der Veranstaltungswoche.
Das Finale in Athen
Diageo hatte den zentralen Ausgangspunkt für die Competition im Gegensatz zum letzten Jahr, wo man direkt im Herzen von London an der Liverpool Street Station residierte, in ein Resort außerhalb der griechischen Hauptstadt verlegt. Als ich dort ankam, traute ich meinen Augen nicht. Am Pool mit Meerblick begrüßte mich die versammelte Benelux-Mannschaft, von Ketel One Vizepräsident Bob Nolet über Ricardo Sporkslede von den Fabulous Shakerboys bis zur Journalistin vom niederländischen Telegraaf in Flip Flops und Bade-Outfit.
"Das nennt ihr Arbeit?" heuchelte ich Schockiertsein. Tatsächlich nutzten alle nur ein paar Stunden Pause im dichtgestaffelten Programm für etwas Erfrischung am Meer. Torsten Spuhn, der mir ebenfalls über den Weg lief, und auch der brasilianische Teilnehmer Rafael Pizanti berichteten mir dann auch, dass sie pro Tag nur maximal zwei bis drei Stunden geschlafen hätten. Zu aufregend das Geschehen, zu anstrengend die Wettbewerbe. Die Motivierten unter den Finalisten werden sicher auf den Hotelzimmern in der freien Zeit noch einmal ihre Warenkundeunterlagen durchgegangen sein.
Die Sieger des Wettbewerbs
Wie schnitten nun unsere GSA-Vertreter ab? Von Torsten Spuhn zeigten sich viele der Anwesenden enorm beeindruckt. Er wurde zwischendurch auch als einer der Favoriten auf den Gesamtsieg gehandelt. Am Ende sollte es doch nicht ganz reichen. Torsten sicherte sich aber den Sieg in der Kategorie "Cocktail Mastery". Auch Heinz Kaiser von der Wiener Dino’s Bar zeigte sein Können. Er war trotz Handicap durch Gipsarm der Gewinner der Kategorie "Speed & Taste".
Wo ging nun aber der silberne Shaker hin, den der Gesamtsieger der Diageo World Class Reserve Brands Competition mit nach Hause nehmen darf? Wen kürte die Jury bestehend aus den Bar-Größen Gary Regan, Salvatore Calabrese, Peter Dorelli, Hidetsugu Ueno und Dale DeGroff zum Sieger?
Der Sieger ist kein Unbekannter, regelmäßiger Besucher des Bar Convent und im ständigen Kontakt mit vielen deutschen und österreichischen Bartendern. Sieger des Jahres 2010 ist der Slowake Erik Lorincz aus der Connaught Bar im Connaught Hotel in London. Erik war bereits vor dem Wettbewerb durch sein einnehmendes Wesen und seine Professionalität ein Geheimtip in der Branche.
Bevor er nun von Vorjahresseiger Aristotelis Papadopoulos (Banquet Bar, Thessaloniki)
den Sieger-Shaker in Empfang nahm und den Thron des Siegers bestieg, bedankte er sich bei jedem einzelnen der anderen Finalisten für die gemeinsam verlebten Tage. Eine schöne Geste, die den Geist des Wettbewerbs widerspiegelt.
Der als irländischer Finalist angetretene italienische Bartender und Blogger Massimo La Rocca legte ebenfalls eine beeindruckende Performance hin. Er wurde hinter Erik Lorincz und Do-Hwan Eom aus Korea dritter des Wettbewerbs. Hier noch einmal die Übersicht über die einzelnen Kategorien und ihre Gewinner:
Gesamtsieger: Erik Lorincz, Connaught Bar, Connaught Hotel, London (Großbritannien)
Sieger der einzelnen Kategorien:
1) ‘Gastronomy’ Challenge – Canapé Matching
Gewinner: Jordi Otero, Mandarin Oriental, Barcelona (Spanien)
2) ‘Architecture’ Challenge – Market Challenge
Winner: Do-Hwan Eom, The Ritz Bar, The Ritz-Carlton, Seoul (Korea)
’3) Theatre’ Challenge – Ritual & Cocktail Theatre
Gewinner: Maxime Hoerth, Four Seasons Hotel, George V, Paris (Frankreich)
4) ‘Art’ Challenge – Speed & Taste
Gewinner: Heinz Kaiser, Dino’s American Bar, Wien (Österreich)
5) ‘History’ Challenge – Classic Cocktails
Gewinner: Timo Janse, Door 74, Amsterdam (Niederlande)
6) ‘Philosophy’ Challenge – Cocktail Mastery
Gewinner: Torsten Spuhn, Modern Master Bar and Lounge, Erfurt (Deutschland)
Diageo World Class Competition als inoffizielle Weltmeisterschaft
Man kann spätestens nach dem Finale diesen Jahres mit Fug und Recht behaupten, dass dieser Wettbewerb mit 24 teilnehmenden Nationen (eine Zahl die sich 2011 noch erhöhen wird) den Status einer inoffiziellen Weltmeisterschaft einnimmt. Es sind fast alle am weitesten entwickelten Märkte und Barszenen der Welt vertreten. Teilnehmer und Jury bestehen aus dem Who-is-Who der Branche.
Hier treten jährlich wirklich die Besten der Branche gegeneinander an und zelebriert wird Bar auf einem Niveau, das beweist, dass Barkultur heute auf Augenhöhe mit den besten Michelin-Restaurants der Welt angelangt ist. Das globale Finale wird im nächsten Jahr wahrscheinlich in einem der für Diageo immer wichtiger werdenden Märkte Asiens stattfinden, wie mir von verschiedenen Seiten angedeutet wurde.
Die drei GSA-Teilnehmer Thomas Huhn (Les Trois Rois, Basel), Heinz Kaiser (Dino’s Bar, Wien) und Torsten Spuhn (Modern Masters, Erfurt) äußerten sich überwältigt von der Professionalität und Größe der Veranstaltung. "Mir wird diese Woche ewig im Gedächtnis bleiben. Es sind vor allem auch die neu geknüpften Kontakte zu den Kollegen aus aller Welt, die Diageo World Class zu einem unvergesslichen Erlebnis machen", beschrieb uns Thomas Huhn seine Erlebnisse.
Heinz Kaiser, der, wie oben bereits erwähnt, mit einem Gips nach Athen angereist war, da er sich vor ein paar Tagen unglücklich einen Finger gebrochen hatte, nutzte die Gelegenheit, Unterschriften von allen Bar-Promis einzusammeln. "Den werde ich mir in die Bar hängen, wenn der Finger ausgeheilt ist", erklärte er mit einem Augenzwinkern.
Was hat das mit den Blumen auf sich?
Ein Erlebnis des Kurztrips nach Athen sollte sich mir allerdings nicht ganz erschließen. Jury und Bartender wurden nach der Verleihung in einen griechischen In-Club geschleust. Dort saßen an langen Tischen vor einer Bühne, auf der eine Sängerin Balladen von sich gab, Männer und Frauen jeweils in Gruppen getrennt, und bewarfen sich gegenseitig mit Blumen, die von bunt gekleideten Kellnerinnen gereicht wurden. Ich beschloss, das Konzept nicht weiter zu erforschen und nahm, mit Blick auf meinen frühen Flug, den Bus zurück zum Hotel. Vielleicht kann einer unserer griechischstämmigen Abonnenten erklären, was es damit auf sich hat?
Link: www.weareworldclass.com
Weitere Beiträge zum Thema:
1) Shaken and Stirred (bbc.co.uk)
2) Diageo lädt zu World Class ein (mixology.eu)
3) World Class Finale 2009 Teil 1 (mixology.eu)
4) World Class Finale 2009 Teil 2 (mixology.eu)