Preis für Bartender’s Choice 2012 bei den Mixology Bar Awards: Bollinger Champagner.

Von Peter Eichhorn | Februar 2, 2012 um 16:00 | Keine Kommentar | Wettbewerbe | Tags: , , , , ,

Die Auszeichnung für den Bartender´s Choice stellt eine besondere Anforderung an jede Jury. Welches Utensil unterstützt ideal den Arbeitsalltag? Was hilft, dem Gast ungeahnte Glücksmomente zu bescheren? Und was macht letztendlich den Bartender selbst glücklich? Nach einigem Ringen urteilte die Jury: In diesem Jahr darf es mit dem Hause Bollinger ruhig einmal die Perlage eines royalen Champagners sein!

Gegründet im Jahre 1829 von zwei Weinvertretern und einem Admiral, blieb das Unternehmen bis heute in Familienbesitz. Die ursprüngliche Firma Bollinger Renaudien & Cie. blieb stets dem Familienanwesen im französischen Örtchen Ay treu. Die Nachfahren der Gründer heiraten untereinander und festigen somit die Familienbande und ließ die Fläche der Weinberge auf stattliche 163 Hektar anwachsen.

1884 erhielt das Maison Bollinger von der britischen Königin Victoria ein Royal Warrant, die Berufung der Marke zum Hoflieferanten des Vereinigten Königreichs. Dieser Status blieb über die Jahre unverändert und so flossen Ströme des feinen Schaumweines beispielsweise anlässlich der Hochzeit von Lady Diana Spencer mit dem Thronfolger Prince Charles. Mehr als 150 Jahre arbeitet Bollinger bereits mit dem gleichen britischen Weinimporteur zusammen, dessen feine Ware die Engländer dazu bewog, die guten Tropfen mit dem Kosenamen „Bolly“ zu versehen. So blieb Bollinger der britischste unter den französischen Champagnern. Zuletzt, bei der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton, wählte man jedoch erstmals die Lieblingsmarke von Winston Churchill und schenkte Pol Roger aus.

James, Gregor und Lily gehen der Agraffe an den Kragen

Von derartigen Sperenzchen bei Hofe lässt sich einer ganz gewiss nicht beirren. James Bond bleibt im Geheimdienst seiner Majestät und lässt als Champagner ausschließlich die großen Jahrgänge aus dem Hauser Bollinger gelten. Bereits in einem Dutzend der Filme griff der elegante Agent stets zur selben Marke. Zuerst 1973 in „Leben und Sterben lassen“. Zuletzt kam 2008 in „Ein Quantum Trost“, der Bollinger La Grande Année 99 in die Gläser.

Im Vorfeld der Mixology Bar Awards setzte sich der Bollinger Champagner gegen eine hohe Zahl an Mitbewerbern durch. Zu den 11 Nominierten gehörten beispielsweise Angostura Bitters, Hoshizaki Eismaschinen oder das bewährte Feierabendbier.

Laudator und Jurymitglied Gregor Scholl, Betreiber der Bar Rum Trader in Berlin, war froh und zufrieden, dass er nicht den Kronkorken-Kapselheber ansetzen musste, sondern dass ihm vergönnt war, die Agraffe zu lösen, also jenes Drahtgeflecht, welches den Korken auf der Champagnerflasche hält. „Der heimliche König unter den Champagnern, die vollkommene Verwirklichung eines Vin de Champagne. Bollinger inspiriert in seiner Vielschichtigkeit und hohen Qualität die Arbeit an der Bar“, begründete Scholl den Beschluss der Jury.

Nicht selten sind es Witwen, die sich um den Erfolg diverser Champagnerhäuser verdient gemacht haben. 1941 starb Jacques Bollinger, der die Geschicke der Firma seit 1918 gelenkt hatte. Seine Witwe, Elisabeth de Lauriston-Boubers, von allen nur „Tante Lily“ gerufen, übernahm die Zügel und machte die Marke endgültig zur Legende. Ihre Entschlossenheit und ihr Tatendrang führten Bollinger durch die harte Zeit des Zweiten Weltkriegs, als die Wehrmacht den Bestand von 180.000 Flaschen beschlagnahmte. Ihr gelang es in den 1960er Jahren, den Umsatz zu verdoppeln und übergab ihrem Neffen, Claude d’Hautefeuille, 1971 ein florierendes Unternehmen.

Madame Lily Bollinger verdanken wir die klügste aller Gebrauchsanleitungen für den Umgang mit ihrem Lieblingsgetränk: “Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin, und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich alleine bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe.”

Diese Worte sollten auch künftig beherzigt werden, dann erblicken wir auch weiterhin das genussfreudigste Lächeln auf den Lippen des Gastes – und auf denen der Bartender.

In Deutschland wird Bollinger Champagner durch den Importeur Grand Cru Select vetrieben.

bollinger.fr

Der Autor

Peter Eichhorn

Peter Eichhorn joggt nie, er würde sonst seinen Martini verschütten. Er lebt und liebt Berlin als Autor, kulinarischer Berichterstatter und Stadtführer.

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