Preis für das Lebenswerk bei den Mixology Bar Awards 2012: Joe Gilmore, London.

Von Peter Eichhorn | Januar 26, 2012 um 16:00 | Keine Kommentar | Wettbewerbe | Tags: , , , , , ,

Generationen von Bartendern halten ehrfurchtsvoll inne, wenn die Sprache auf die American Bar im legendären Savoy Hotel unweit der Themse im Londoner Stadtteil Westminster kommt. Joe Gilmore, der im Mai 2012 seinen 90sten Geburtstag feiert, leuchtet bis heute als Vorbild für den perfekten Gastgeber der Getränkekultur. Als solcher begeisterte er Charlie Chaplin, Agatha Christie, Ernest Hemingway, die Familie Windsor und diverse US-Präsidenten. Die Gala der Mixology Bar Awards bot den würdigen Rahmen, sich vor diesem Mann zu verneigen.

Der Vorsitzende der Jury, Gregor Scholl, ehrte Joe Gilmore als leuchtendes Vorbild, das moderne und traditionelle Barkultur miteinander verbindet: „Unser Preisträger steht für die große Hotelbar-Tradition des Savoy nach Craddock und weist mit seiner Cocktailstilistik gleichzeitig den Weg für die nachfolgende Generation“.

Das Savoy Cocktail Book von Harry Craddock, der 1930 erstmals die Rezepte des ehrwürdigen Hauses zusammenfasste, inspiriert noch heute findige Mixologen, Kreationen der Prohibitionszeit wiederzuentdecken, oder neu abzuwandeln. Es war zudem das Lehrbuch für einen späteren Head-Bartender, der die Bar des Savoy begleitete und prägte, wie kein anderer: Der Ire Joe Gilmore, dem die Auszeichnung für sein Lebenswerk im Rahmen der Mixology Bar Awards 2012 zuerkannt wurde. Geboren 1922 in Belfast, stand er erstmals 1940 hinter dem Bartresen im Savoy und erlernte erste Handgriffe mit Shaker und Strainer. Geschick, Talent und Persönlichkeit ließen ihn 1955 zum Barchef aufsteigen. Eine Funktion, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1976 ausübte. Stets freundlich, charmant und diskret, trägt dieser Mann gleichsam Barkultur und Weltgeschichte im Herzen und in der Erinnerung. So bemixte er so manches Mal Winston Churchill und widmete dem begeisterten Savoy-Barfly diverse Eigenkreationen, beispielsweise The Blenheim, anlässlich Churchills 90stem Geburtstag. Zum 80sten hatte sich Gilmore bereits den Four Score einfallen lassen. Und welcher Bartender hätte nicht gerne die Gelegenheit gehabt, Grace Kelly, Judy Garland und Ingrid Bergman mit betörenden Drinks zu verführen.

Joe Gilmore macht den Moonwalk

Leider konnte der Preisträger zu der Gala im Oktober nicht persönlich anreisen und so trugen die Kollegen von BarLifeUK die Auszeichnung von Berlin nach London. Die Übergabe durfte selbstverständlich nirgendwo anders erfolgen, als in ebenjener American Bar des Savoy. Der derzeitige Barchef, Erik Lorincz, versammelte zu dem feierlichen Anlass Bartender aus fünf Generationen Savoy-Historie. Ein bewegendes Familientreffen, zu dem es sich Joe Gilmore nicht nehmen ließ, seinen altbewährten Platz hinter dem Tresen einzunehmen und mit spitzbübischem Grinsen der Runde einen Moonwalk zu kredenzen. Nun dürfen wir uns nicht vorstellen, dass der alte Herr mit beweglicher Beinjonglage einen Michael-Jackson-Auftritt vollführt. Joe Gilmores Moonwalk ist seine vermutlich bekannteste Kreation. Er wählte Grand Manier, Rosewater, Grapefruitsaft und Champagner, um 1969 die Helden der ersten Mondlandung zu feiern. Tatsächlich bekamen die Astronauten nach ihrer Rückkehr aus dem Weltall, als Erstes jene Erfrischung gereicht. Zu dem herzlichen Dankesschreiben von Neil Armstrong an Joe Gilmore gesellt sich nun die Auszeichnung der Mixology Bar Awards. „Ich nehme diesen schönen Shaker mit nach Hause und werde ihm einen besonderen Ehrenplatz einräumen“, bedankt sich der Altmeister für die Würdigung, die beileibe nicht die Erste ist, die ihm widerfährt. Welcher Barmann kann schon von sich behaupten, dass Frank Sinatra ihm eine Liedzeile widmete. In „One for my Baby“ ist Joe Gilmore der Mann am Tresen, wenn es heißt: „It´s quarter to three, there’s no one in the place except you and me. So set ´em up Joe, I got a little story I think you oughta know. We´re drinking, my friend.”

Und mit den leisen Piano-Klängen im Ohr, einem Prince of Wales in der Hand – einer weiteren Kreation des Altmeisters – erheben wir das Glas und wünschen Joe Gilmore viele weitere glückliche Jahre.

Der Autor

Peter Eichhorn

Peter Eichhorn joggt nie, er würde sonst seinen Martini verschütten. Er lebt und liebt Berlin als Autor, kulinarischer Berichterstatter und Stadtführer.

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