In Dresden wurde der zweite Wunderbar Cocktail Cup für Studenten ausgerichtet. Unter den Augen einer honorablen Jury, boten junge Studenten ihre Kreationen dar und hofften auf den von De Kuyper gesponserten Hauptgewinn. Die Wunderbar ist eine buchbare Dresdener Veranstaltertruppe, die ihre Vorliebe für Cuba Libre zu ihrem Motto „Cuba muss frei sein“ machte und sich mit dem studentischen Cocktail Cup hehre Ziele setzte. Ein Cup, der Interesse an Cocktails verbreiten und Bar-Nachwuchs fördern soll, teilweise noch in den Kinderschuhen steckt aber trotzdem Akzente setzt.

Herbert Rosendorfer schrieb in seinem Buch „Briefe in die chinesische Vergangenheit“ über einen chinesischen Mandarin, der mittels einer selbstentworfenen Zeitmaschine aus der Sung Dynastie des 9. Jahrhunderts in die Moderne reist. Um genau zu sein: ins München der Achtziger. Den völlig unbedarften Mandarin erwarten dort vielfältige Probleme. So zieht er, beim ersten Versuch sich zumindest äußerlich anzupassen, erstmal seine Socken über die Schuhe. Gut gemeinter, mutiger Schritt in eine unbekannte Welt, aber eben nicht stilsicher. Worin liegt sein Problem? Ihm fehlt erstens durch die vielfältigen Impressionen der Blick fürs Detail und zweitens hat es ihm schlichtweg niemand erklärt wie es richtig geht.
Ehrliches Engangement unterstützen
Ähnliche Probleme förderte auch der Dresdener Studentencup zutage. Mutig, aber auch teils gehörig unbedarft schritten die Studenten an ihre Shaker und wüteten. 11 Zweierteams traten im studentischen Club „Aquarium“ zum zweiten Dresdener Wunderbar-Studenten Cup an. Der verwinkelte kleine Club im Tiefparterre eines Dresdener Wohnheims entspricht durch seinen eigenwilligen Charme durchaus dem studentischen Klientel. Schon seit 27 Jahren existiert der ehrenamtlich betriebene Club, war erst auf dem Dach des Hauses und zog dann zur Jahrtausendwende in das deutlich tiefer gelegene Geschoss. Damit hätten die Betreiber wohl besser noch ein paar Jahre gewartet, denn 2002 machte der Club seinem Namen alle Ehre und versank in den Fluten des damaligen Hochwassers. Eine nahezu völlig entblößte Dame, die auf einem überdimensionierten Bild wie ein dem Tode naher Fisch unter Wasser liegt, ist das einzige, was heute noch unmittelbar an ein Aquarium erinnert. Die Wände sind studentisch bunt und auch das sonstige Interieur schmeichelt sicherlich nicht dem verwöhnten Liebhaber-Augen der modernen Barkultur.
Aber weder die hochkarätige Tasting-Jury,
- Caroline Krahmer, Salut Bar, Berlin
- Christina Schneider, Envy Bar, nhow Hotel, Berlin
- Micheal Meinke, TrioBar, Berlin
- Rene Förster, Twist Bar, Innside by Melia Hotel, Dresden
- Peter Schneider, Pinta, Dresden
Dresdens Technik-Jury,
- Stephan Gregor, Studiobar, Dresden
- Marcus Schindler, Bar Paradox, Dresden
noch Sachsens Bargröße Ulf Neuhaus verbrachten den ganzen Abend hier, um den immer mehr in die Höhe schießenden Cocktail-Ansprüchen an dieser Stelle einen drauf zu setzen. Einhellig waren alle sechs – ein Großteil davon selbst ehemaligen studentischen Kreisen zuzuordnen – von Anfang des Abends einig, dass auch die Basis für gute Bartender irgendwo gelegt werden muss und ehrliches Engagement allzeit unterstützenswert ist.
Und an Engagement mangelte es wahrlich nicht. Besonders Jens Kerger, Gründer des Cups, der auch dieses Jahr Hauptorganisator und Verantwortlicher war, mühte sich nicht nur durch den Gewinn der professionellen Jury der Veranstaltung einen gewissen Glanz zu verleihen. Seinem Ziel, „Cocktails in studentischen Kreisen weiter zu verbreiten und Studenten einen besseren Zugang zu Cocktails zu verschaffen“, rückte er ohne Zweifel etwas näher. Welcher Veranstalter in welcher Stadt kann sonst von sich behaupten, 11 studentische Clubs dazu bewegt zu haben, sich mit Teams in einem Cocktailwettbewerb zu messen?
Wettbewerbsverlauf und Siegerehrung
Der Wettbewerb sollte um 19 Uhr beginnen. Studentisches cum tempore setzte sich dann erstmal aus technischen Gründen von alleine an, was aber nun wirklich niemand störte. Nach den ersten zwei Verkostungsrunden war den Tasting-Juroren anzumerken, dass sie sich langsam aber sicher auf einen eigenwilligen Abend einstellten. Der Kreativität der Teilnehmer wurden keine Grenzen gesetzt, was sich definitiv nicht positiv auf die Qualität der Drinks auswirkte. Verschiedenste Liqueure und diverse Sirupsorten wurden inflationär benutzt, der Griff zur Saftpresse wurde bei vielen Kreationen schmerzlich vermisst und das Eis um die Bostonshaker adäquat zu befüllen war nicht beliebt oder vielleicht Mangelware. Nichtsdestotrotz alles kein Beinbruch. Die Jury testete sich vorbildlich ernsthaft durch die Drinks und konnte schlussendlich für den Abend einen relativ deutlichen Sieger ausfindig machen.

Ulf Neuhaus erläuterte über den ganzen Abend mit dem jungen Kollegen der Wunderbar-Crew Anatol Ulrich die Handgriffe, Spirituosen und sonstige Zutaten. Anatol bombadierte die Gäste zu jeder möglichen Gelegenheit mit Fragen rund um das Thema Bar. Jeder der eine Frage beantworten konnte, wurde mit einem Shot belohnt, was bei einigen den Pegel schnell steigen lies. Ab 22.30 Uhr wurden die allgemeinen Hintergrundgespräche leider derart laut, dass ein Großteil der Moderation in manchen Ecken des Raumes unterging.
Der Wettbewerb jedoch lief davon unbeeindruckt weiter. Gegen 24 Uhr, wurden die glücklichen Sieger gekürt. Bettina Habelt und Tobias Nicolai, angetreten für Club Gag18, nahmen glücklich ihre verdiente Prämie entgegen: einen gravierten Boston-Shaker und den Gutschein für eine dreitägige Reise nach Rotterdam, zu einem De Kuyper Cocktaillehrgang inklusive Flug und Unterkunft.
Der von der Promotionsstudentin der naturwissenschaftlichen Fakultät Dresden in ihrer Hausbar kreierte Drink Devil’s Mistress, im Martini-Chiller serviert und mit Teufelshörnern aus Peperoni garniert, überzeugte besonders durch seine auffallende visuelle Kreativität und war auch geschmacklich abgerundet. „Die Geschichte des Drinks war vor dem Drink da und das Bild habe ich sowieso schon länger im Kopf gehabt,“ strahlte Bettina und verwies damit auf den Zusammenhang des Drinks mit ihrer Musikvorliebe und dem Club Gag18, indem sie „eigentlich erst seit ein paar Monaten arbeite.“ In Zukunft möchte sie sich, nach ihrem ersten Erfolg, intensiver mit Cocktails beschäftigen.
Und die Moral von der Geschicht‘
An dieser Stelle noch einmal zurück zum chinesischen Mandarin. Beim Lesen von Rosendorfs gelungenem Buch belächeln die meisten Leser erstmals die unbeholfenen Schritte des Zeitversetzten. Dann stellt sich aber schnell heraus mit welcher Leidenschaft der Mandarin begreift und bald seine Umgebung an Auffassung und Detailliebe weit überflügelt. Am Ende des Buches kann sich der Leser nur schwerlich den Respektgefühlen gegenüber dem Protagonisten entziehen. Denn selbst wenn die ersten Schritte manchmal noch so klein sind, sind sie schwer und jeder sollte dies ernst nehmen. Eine Veranstaltung wie der Wunderbar-Cup ist vielleicht noch nicht perfekt, aber definitiv einzigartig.
Die Zunft wird immer Nachwuchs brauchen und sollte alles erdenkliche dafür tun, diesen auch zu fördern. Der Cup in Dresden wies einen nachahmenswerten Weg der sicher auch in anderen Städten Deutschlands seine Unterstützer finden würde. Bestimmt findet sich auch jederzeit jemand, der gewillt ist, den Kontrahenten das nächste Mal einige Mix-Basics in einer Art Vorabtreffen zu erläutern und die gröbsten Fehler im Nachhinein mit den einzelnen anzusprechen, damit auch der Lerneffekt nicht ausbleibt. Vielleicht ist sogar die Anzahl der Zutaten limitiert, wie René Förster den gestrigen Veranstaltern gerne vorab geraten hätte oder gar die darzubietende Kreation schon etwas genauer umrissen. Und falls es niemand im Laufe des Jahres außerhalb von Dresden auf die Beine stellt, dürfen sich die Augen im Januar 2012 wieder auf die Perle Sachsens richten, dann da wurde uns schon der 3. Wunderbar Studenten Cup in Aussicht gestellt.
Die drei Erstplatzierten des Wunderbar Cocktail Cup:
Platz 1
Bettina Habelt und Tobias Nicolai vom Kellerclub Gag18
“Devil’s Mistress”:
1cl Myer’s Dark Rum
2cl Mozart Dry
1cl De Kuyper Creme de Cacao Dark
2cl Frangelico
2cl Amaretto
1/2 bs Chili-Soße
8cl Sexergy
Zutaten, bis auf Sexergy, shaken und in Martinischale abseihen. Mit Sexergy auffüllen
Deko: 2 Chili-Schoten als Teufelshörner
Platz 2
Christoph Hösch und Matthias Müller von Dresdens 1. virtuellen Studentenclub eXmatrikulationsamt.de
“Rubi auf Schienen”
2cl Rubi Himbeerlikör
2cl Kastaniensirup
3cl Sandeman Sherry Medium Dry
1cl Captain Morgan Spiced Rum
1cl Zitronensaft
8cl Tonic Water
Zutaten, bis auf Tonic Water, shaken und in Martinischale abseihen. Mit Tonic Water auffüllen
Deko: 3 in Eiswürfel gefrorene Himbeeren
Platz 3
Nicole Nagy und Hannes Grusla vom Club 11
“Red Planet”:
1/2 frische Limette
1/8 frische Orange
1cl Frangelico
1cl Cointreau
1cl Grenadine Sirup
2cl Galliano Vanilla (bzw. Licör 43)
2cl Roses Lime Juice
5cl Havana Club 3 Jahre
Limette und Orange im Casablanca Glas muddlen und die restlichen Zutaten über Eis hinzugeben, umrühren
wunderbar (1 year ago)
Vielen Dank für den ausführlichen und tollen Artikel und auch für die ehrliche Kritik – kann uns nur zu gute kommen. Der Abend hat gut gezeigt woran wir bei der Veranstaltung noch feilen müssen und hat uns viel neues Input gebracht, das war sehr gut. Mit tollen Partnern werden wir das nächste Jahr angreifen und probieren nochmals neue Ufer zu erreichen. Ich denke es ist nicht zuviel gesagt, wenn ich meine: “Man darf gespannt sein”.
Cheers, Jens
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