Zu Besuch bei der Botschafterin. Ein Gespräch mit Angela V. Weis.

Aktuelles 3.6.2013 2 comments

Da scheint alles abgedeckt – ein abgeschlossenes Germanistik- und Kunstgeschichte-Studium, den Job im Herzen des schwäbischen Alp-Idylls und eine flammende sowie gelebte Leidenschaft zum Whisky. Ein Porträt der ersten schwäbischen Whisky-Botschafterin, die sich in eine Männerdomäne einmischt.

Außer dass die Zahnbürste in einer Glenfiddich-Schatulle steht, die komplette Bücherfront mit Bernstein schimmernden Flaschen verdeckt ist und ein Schotte in der Wohnung sitzt, ist fast alles normal. Statt Bier trinken wir jetzt Whisky und das auch nicht mehr so lange wie früher, denn ein Sortiment aus 13 Brennereien wartet darauf, am nächsten Tag von einer Frau an den Mann gebracht zu werden.

Angela Weis ist die erste Schwäbische Whisky-Botschafterin und lädt MIXOLOGY ONLINE an ihren Arbeitsplatz ein – also an einen davon: für gewöhnlich steht oder sitzt sie hinterm Tresen oder im Schwäbischen Whisky-Büro der Silberburg – einem Slow Food Förderbetrieb für regionale Spezialitäten mit der größten Auswahl an Schwäbischem Whisky sowie Veranstalter des Schwäbischen Whisky Tages und des Schwäbischen Whisky Walks in Owen/Teck. Heute treffen wir uns in Unterjesingen bei Tübingen – dem Ort, an dem Hölderlin, Hegel und Schelling sich zur Trias des deutschen Idealismus formiert haben, gleichwohl bei Wein statt Whisky.

Kein Mensch nördlich von Stuttgart kennt Unterjesingen; was zur Hölle machst Du hier?

Wir befinden uns hier im Gasthof und Whisky Hotel Lamm, deren Whisky Black Horse ich in Tübingen im Laden verkaufe, auf dem Schwäbischen Whisky-Walk verköstige und auf Messen und Festivals vermarkte; heute Abend veranstalte ich hier ein Tasting..

..auf dem Du Dich dann von alten angeschwipsten Männern angraben lässt?

In der Tat besteht das Gros der Besucher aus Männern 40 plus, an denen fünf Whiskys nun einmal auch nicht unbemerkt vorbeigehen. Man merkt schon, dass die Männer nicht erwarten, dass ihnen plötzlich eine junge Frau etwas von Whisky erzählen will; da muss man sich mehr beweisen als die älteren Kollegen. Beim letzten Tasting meinte einer: „Als ich den weiblichen Namen gesehen habe, war ich mir sicher, da kommt eine sehr alte Frau.“ Letztlich bleibt das Ganze aber eine recht wissenschaftliche Veranstaltung, auf der ich Anleitungen zum „richtigen“ Verkosten gebe und erläutere, wo sich welches Aroma entwickelt, welche Gläser sich am Besten zum Verkosten eignen, warum dies so ist, usw.

Wird es da nicht auch mal unangenehm?

Nein, unangenehm nicht. Man sollte sich natürlich mit ein paar Witzchen rüsten und über die meisten Sprüche einfach lachen. Neulich fragte einer, ob er statt des Whiskys lieber mich auf seinem Schoß haben könnte. Da sagte ich nur „Chapeau, dass Sie sich das noch vor Ihrem ersten Whisky trauen“! Davon einmal abgesehen, sind auch häufig Paare da, das ist dann natürlich eine ganz andere Stimmung. Frauen sind oft mutiger zu beschreiben, was sie schmecken, wohingegen Männer meist Angst haben, dass sie etwas Falsches sagen.

Wieso nun genau Schwäbischer Whisky? Steigt Dir Dein Schotte zuhause nicht auf das Dach, wenn Du vom Neccarus Single Malt erzählst?

Das ist ja das spannende am Whisky – jede einzelne Flasche hat ihre eigene Geschichte aus 100 Prozent regionalen Rohstoffen. Whisky ist ein ehrliches Produkt – jeder Tropfen ist die Erzählung seiner Herstellung, woher er kommt und wo er alt geworden ist. Dadurch, dass die Destillerien nur regionale Produkte verwenden, findet man bei schwäbischen Whiskys keine Torf- und Rauchnoten. Dazu kommt, dass man hier, im Gegensatz zu den schottischen Pot Stills, Obstbrenngerätschaften mit Kolonnen einsetzt – das so hergestellte Destillat ist viel reiner und sauberer. Der Whisky hat weniger phenolische Aromen, also die medizinischen, torfigen und rauchigen, stattdessen komplexe Fruchtnoten, wie Vanille, Holz und Honig. Und damit kennt sich der Schotte auch nicht besser aus als ich.

Deine Germanistik- und Kunstgeschichteprofessoren sicherlich auch nicht. Wie wird man mit so einem Studium Whisky-Botschafterin?

Also für Whisky interessiert habe ich mich eigentlich schon seit Studienbeginn. Ich erinnere mich da noch an ganz finstere Mischungen von Whisky on the Rocks und Gummibärchen, das dürfte ich heute gar nicht mehr erzählen. Das eigentliche Studium hatte mit dieser Arbeit wenig zu tun. Nur gejobbt habe ich hinterm Verkaufstresen der Silberburg schon während des Studiums – und das hat sich weiterentwickelt. Spirituosen mochte ich überdies schon immer lieber als Bier. Und Whisky – das ist eben was ganz besonderes – der Don Juan unter den Destillaten. Nicht umsonst gibt es so schöne Sprichwörter wie: Whisky is liquid sunshine, oder „Whisky birgt ein Geheimnis – den Zauber seines Ursprungsortes“.

In welcher Form am liebsten?

Pur – ohne Eis. Oder, wenn es denn ein Cocktail sein soll – Whisky Sour, am liebsten in der Bar in Stuttgart-West.

Und wie geht es nun weiter bei Dir? Lässt sich Dein diplomatischer Dienst im selben Atemzug mit Begriffen wie Perspektive nennen oder ist das eher Hobby denn Beruf?

Na beides! Wie hat ein Kunde neulich gesagt: Schwäbischer Whisky ist schwer im Kommen! Das glauben wir auch. Wir werden sicherlich noch ein paar schöne neue Projekte zum Thema Schwäbischer Whisky in’s Rollen bringen können, des Weiteren mache ich ab Herbst einen zusätzlichen Zertifikatslehrgang zum Edelbrandsommelier in Freiburg und werde dann weitersehen. Man wird in Dingen Whisky ja nie so richtig fertig – was ich auch sehr daran mag. Es gibt einfach so viele Whiskys und tausend verschiedene Anlässe für jeden davon. Mich interessiert Geschmack, Geschichte und auch das Vermarkten. Und als Frau hat man da natürlich einen Sonderposten in der Whisky-Branche; es schadet schließlich nie, weiblich und jung zu sein und obendrein präsentieren zu können.

Dann habe ich womöglich die nächste Whisky-Königin vor mir?

Um Gottes Willen, ich bin froh, dass ich nicht winkend im Kleid irgendwo sitzen und lächeln muss!

Im Anschluss werden wir durch Gasthof, Brennerei, und die Tasting-Stätte geführt, lerne den Brennmeister Volker Theurer kennen und werden in die Ursprünge des Schwäbischen Whiskys initiiert. Das schwäbische Owen befindet sich nämlich im größten Streuobstgürtel Europas! – darum auch all die Obst-Brennereien. Seit den 60er Jahren wird dort gebrannt, den ersten Whisky gab es 1989; aber das kann Angi auf ihren Whisky-Walks durch den einzigen Ort außerhalb Schottlands, an dem es drei Whiskybrenner gibt, viel schöner erzählen. So richtig leben können die meisten Destillerien vom Brennen nicht; manch einer, zum Beispiel Brenner Ziegler, hat den Erfolg seines „Esslinger Schurwaldwhiskys Nr.1“ derart unterschätzt, dass seine Fässer nun leer sind. Denn Kleinbrennereien haben ein Kontingent von 300 Liter reinem Alkohol im Jahr. Wenn das erschöpft ist, ist es weg! Ob das an Angi liegt? Nach ihrer Bekanntschaft mit Tullamore-Botschafter Mike Tobin und den ersten Bestellungen nach Schweden, sowie Tasting-Anfragen aus Amerika geht es für sie nun in die nächste Runde. Und das nicht nur beim Whisky-Walk.

Daten und Fakten:

Whisky-Walk: mindestens jeden Samstag in Owen/Teck (Termine unter whisky-walk.de)

Whisky-Tag: 5. Oktober in Tübingen, 100 Aussteller, 13 Destillen, 3 Pauschalpakete

Tastings: buchbar unter www.schwaebischer-shop.de oder auf Anfrage

Tipp der Botschafterin: Apple Crumble mit Whisky statt Rum

Rezept für Apple-Whisky-Crumble

Zutaten:

500g Äpfel (geschält und in Spalten geschnitten)

100g Butter

100g Zucker

175g Mehl

Zimt, nach Geschmack

Saft einer Zitrone

3-4 EL Whisky (nicht torfig)

Zubereitung:

Apfelspalten mit Zitronensaft und Whisky beträufeln, so dass diese rundum befeuchtet sind und in eine gefettete Auflaufform geben.
Aus Butter, Zucker, Mehl und etwas Zimtpulver einen Streuselteig bereiten und auf den Äpfeln verteilen.
Bei 200 Grad im vorgeheizten Ofen ca. 30 Minuten backen.
Mit warmem, noch flüssigen (gelingt, wenn man mehr Milch als gewöhnlich verwendet, dann bleibt er länger flüssig) Vanillepudding servieren.

Infos: schwaebischer-whisky.com

2 comments

  1. Alex

    Kein Torf, kein Rauch, keine Phenole? Das heißt, schwäbischer Whisky ist eher so was wie ein Cognac, aber nicht aus Wein, sondern aus Gerstenmaische gebrannt? Und wie lange bleibt der dann so durchschnittlich im Fass? Da es sich hier um einen recht neuen Trend handelt wird es wohl noch keine besonders alten Abfüllungen geben, oder?

    Ich habe ja, ehrlich gesagt, das Gefühl, dass schwäbischer Whisky nicht viel mehr als der verzweifelte Versuch einiger Brennereien ist, Schnaps an eine jüngere Zielgruppe zu vermarkten. Whisky ist nämlich auch in der Generation 20 bis 40 recht beliebt, während Obstbrände – ihrem Image nach – was für Opas sind.

  2. Angela V. Weis

    Hallo Alex,

    Torfnoten, bzw. Torf-Rauch-Noten, wie man sie vom Scotch kennt findet man im schwäbischen Whisky nicht, das ist richtig. Rauchnoten kann so ein Whisky schon haben, das Malz wird dann aber in diesem Fall über einem Buchenholz-Feuer getrocknet (kein Torffeuer).
    Die phenolischen Aromen sind etwas geringer ausgeprägt, als man das von so manchem Schotten kennt, aber das ist nur ein Versuch der Allgemeinerung. Es gibt bei den Schwäbischen Whiskys ganz unterschiedliche Vertreter, die sich schwer über einen Kamm scheren lassen.
    Das ist aber ja genau das Spannende am Whisky, er ist eben ein 100 Prozent regionales Produkt und das schmeckt man auch!

    Der älteste Schwäbische Whisky, den es momentan auf dem Markt gibt, ist 13 Jahre alt. In der Regel bewegen sich die meisten Schwaben altersmäßig etwa bei 7-8 Jahren.

    Mit modernen und innovativen Lagermethoden und moderner Brenngerätschaft lässt sich aber heute ein Whisky auch schon in jüngeren Jahren intensiv und vollmundig im Geschmack an.
    Das übrigens auch in Schottland mit ein Grund, warum mittlerweile viele Whisky-Editionen nur noch unter einem „Namen“, aber „ohne Altersangabe“ auf den Markt kommen.
    Aber keine Frage, ein Whisky, auf dessen Etikett 18 Jahre steht, verkauft sich natürlich deutlich besser, als einer auf dem „5 Jahre“ steht.

    Vielleicht solltest Du es mal auf einen Versuch/ Blindverkostung ankommen lassen 😉

    Viele Grüße aus dem Ländle,

    die Schwäbische Whisky Botschafterin

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