Thomas Henry startet in Deutschland

Von Helmut Adam | August 30, 2010 um 16:18 | 6 Kommentare | Limonaden | Tags: , ,

Im Herbst 2010 soll eine neue Limonadenserie namens Thomas Henry mit den Sorten Tonic, Bitter Lemon, Ginger Beer, Ginger Ale und Soda auf den Markt kommen. Jan Berentzen ist Gesellschafter der neuen Firma.

Thomas Henry war ein Apotheker aus Manchester, der zu den Pionieren der Karbonisierung, das heißt der Anreicherung von Flüssigkeiten mit Kohlensäure gehörte. Er produzierte bereits in den späten 70er-Jahren des 17. Jahrhunderts Sodawasser in Fässern und angeblich auch in Glasflaschen.

Henry verkaufte auch Imitationen der damals begehrten natürlichen Mineralwässer Pyrmont und Seltzer. Für Sebastian Brack und Norman Sievert, die dem neuen deutschen Unternehmen Thomas Henry GmbH & Co. KG vorstehen, scheint vor allem die Tatsache wichtig zu sein, dass Thomas Henry früher als Jakob Schweppe in den Geschichtsbüchern und Enzyklopädien auftaucht. Letzterer startete erst Anfang der 80er-Jahre des 17. Jahrhunderts mit der seriellen Produktion von Sodas durch. 

Brack und Sievert wollen unter dem Namen des britischen Apothekers nun einen Platz im Markt der Longdrink-Limonaden erobern. Ihnen scheint nicht entgangen zu sein, dass sich hier seit Jahren ein Markt entwickelt, der nur unzureichend durch Importprodukte wie Fentiman’s und Fever Tree abgedeckt wird. Bisher hat kein Großunternehmen aus der Getränkebranche die Chance ergriffen, Alternativen zum Platzhirsch Schweppes anzubieten, die ein gewisses Image ausstrahlen, das über eine reine Me-Too-Mentalität hinausgeht. 

Laut Branchenblatt "Inside" ist neben Jan Berentzen auch Axel Schneider von Großhändler Thomax im Start-Up Thomas Henry involviert. Offensichtlich soll diese Partnerschaft gleich zu Beginn die Distribution sicherstellen. Ob Schneider auch Gesellschafter des Unternehmens ist, wollte uns Sebastian Brack auf Nachfrage nicht bestätigen. Im Bericht von Inside wird kommuniziert, dass Thomas Henry ausschließlich über den Getränkefachgroßhandel und die Gastronomie vertrieben werde.

Auf der Internetseite des Unternehmens heißt es jedoch, dass man sowohl kleine Glasgebinde im 20er-Kasten als auch 1-Liter-PET-Flaschen anbieten werde. Das widerspricht auf jeden Fall einer Premium-Stratregie, wie sie Marken wie Q Tonic, Fentiman’s und Fever Tree verfolgen, die aussschließlich in Glasgebinden und Portionsgröße abfüllen.

Preislich auf dem Niveau von Schweppes

Auf die Frage nach der preislichen Positionierung teilte uns Sebastian Brack mit, dass man sich "auf dem gleichen Preis-Level wie Schweppes bewegen" werde. Mit dem direkten Anfgriff auf Schweppes möchte man offenbar auf Anhieb einen größeren Marktanteil erobern. "Wir lassen für unsere Verhältnisse gleich recht viel abfüllen in der ersten Charge", bestätigt Brack. "Wir haben für Thomas Henry auch eine eigene Flasche produzieren lassen, die es sonst auf dem deutschen Markt nicht gibt." Die PET-Flaschen erklärt Brack, der früher für den Energie-Drink "Schwarze Dose" gearbeitet hat, damit, dass diese, aus seiner Erfahrung heraus, "als Auffüller in Clubs" benötigt werden. 

"Wir wollen eine kleine, feine Marke werden und speziell für Bars, Clubs und Hotels da sein." umschreibt er die Philosophie des Unternehmens. Hauptunterscheidungsmerkmal der Thomas-Henry-Linie im Vergleich zum Marktführer sind ein Tonic Wasser mit höherem Chinin-Gehalt und das erste tatsächlich in Deutschland produzierte Ginger Beer in kommerzieller Abfüllung, das wie alle Produkte auf einer speziell entwickelten, eigenen Rezeptur beruht. Die beiden Unternehmer haben im Vorfeld bereits viele Multiplikatoren in Deutschland mit Samples versorgt und um Feedback gebeten.

Was tatsächlich drin ist in Thomas Henry, wird man allerdings erst im Oktober oder November sehen. Zu diesem Zeitpunkt hoffen die Macher der Marke aufgestellt zu sein: "Erwachsen, intensiv und gutaussehend." Das versprechen zumindest drei immer wiederkehrende Schlagwörter auf der Internetseite. Warten wirs ab. 

 

Link: www.thomas-henry.de

Der Autor

Helmut Adam

Helmut Adam ist Herausgeber von Mixology, Magazin für Barkultur, trinkt gerne Negronis, Tequila und den einen oder anderen Gin & Tonic. Bevor er sich zum Bar Manager an der Mixology Bar aufschwang, arbeitete er als Bartender in Zürich, Wien, Berlin und London.

6 Kommentare

  1. Dominik.mj (1 year ago)

    Da gab es doch vor einiger Zeit den Versuch Kinley von Coca Cola in Deutschland einzuführen.
    War nicht sehr erfolgreich [soweit ich mich erinnern kann, lag es nicht am Geschmack].

    Ein Tonic auf den Markt zu bringen verstehe ich ja – für mich ist jedoch unverständlicher, warum es auch Bitter Lemon, Soda, Ginger Ale… sein muss. Laut Information ist die Qualität auch nicht deutlich überlegen [wäre ja genannt worden, wenn es Bio oder nur Zucker wäre].

    Bin de eher skeptisch…

    http://www.opinionated-alchemist.com

  2. Helmut Adam (1 year ago)

    Nein, Bio ist nicht drin. Habe ich abgefragt im Gespräch. Das Tonic hat laut Produktbeschreibung kein synthetisches Chinin, was bei vielen anderen Mixern mittlerweile der Fall sein soll. Generell ist die Produktinformation, was die Zutaten angeht, etwas dürftig. Aber dann ist das Produkt auch wiederum noch nicht auf dem Markt.

    Obwohl, ich korrigiere mich:

    "Natürliches Mineralwasser, Zucker, Kohlensäure, Säuerungsmittel Citronensäure, natürliches Aroma, Aroma Chinin."

    Werd noch mal nachhaken. Oder liest hier ein Lebensmittelanalyst mit? Scheint doch Chinin zu sein laut dieser Quelle:

    http://www.vis.bayern.de/ernaehrung/lebensmittel/gruppen/chinin_getraenke.htm#gekennzeichnet

     

  3. Robin (1 year ago)

    Es geht das Gerücht, dass bei der Rezepturen- bzw. Geschmacksfindung
    Mixology Mitarbeiter involviert waren.
    Das wäre ja schön, stimmt es denn auch?

  4. Redaktion (1 year ago)

    Wer streut das? Meines Wissens hat einzig Barworkz zwei Mal Samples bekommen. Ich persönlich bin mit dem Produkt nicht in Berührung gekommen. Wenn Mixology mit dem Produkt etwas zu tun hätte, wäre es oben im Text bereits als Disclosure gestanden. Es besteht und bestand aber kein geschäftliche Beziehung zwischen der Thomas Henry GmbH und Mixology. HA

    Nachtrag: Wie mir gerade mitgeteilt wurde, waren Sigrid Bachert (http://www.projekt-bachert.de) und Sebastian Brack waren vor ein paar Monaten im Mixology Office die Marke vorstellen. Dabei präsentierten sie zwei verschiedene Tonic-Versionen und baten um Feedback. Von Mixology aus nahm Jens Hasenbein an dem Treffen teil. Das wars. Falls das jemand "aus der Branche" in ein Testimonial ummünzen will, ist das auf jeden Fall nicht nachhaltig gedacht. ;) Die oben getätigte Aussage bleibt bestehen.  

  5. sanjaych (1 year ago)

    Um die vorige Post im Namen von Barworkz zu ergänzen:
    - an besagtem Treffen war auch ich vertreten
    - bei einem weiteren Termin präsentierten Sebastian mit seinem Compagnon uns, Bastian Heuser und mir, ihr Ginger Beer, dass sie auf unsere Empfehlung hin zur Ergänzung der Produktrange entwickelt hatten.

  6. Robin (1 year ago)

    Damit ist meine Frage erschöpfend beantwortet, wie gewohnt.
    Vielen Dank an alle.

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