Der musikalische Kunstschmied an der Bar? Ein Portrait

Bars 6.7.2015

Vor zwei Wochen gewann Alexander Mayer für viele überraschend die Made in GSA Competition. Grund für einen Besuch in Freiburg.Liv Fleischhacker hat mit dem jungen Mann gesprochen, dessen Werdegang und Weg in die Bar alles andere als klassisch verlaufen ist.

 

Alexander Mayer, 26 Jahre alt, ist ursprünglich tatsächlich Kunstschmied. Daneben bezeichnet er sich selbst als „Geschichtsnerd“. Und dann ist da noch die andere große Leidenschaft — die Musik. Doch wie ging es eigentlich ein die Bar?

Das erste mal hinter dem Tresen stand der Freiburger 2011 im Picc, einer Punk-Kneipe im Stühlinger. In Freiburgs Hemingway Bar, einer regelrechten Talentschmiede, entwickelte er dann seine Liebe für die Bar und gemixte Drinks. Der junge Freiburger hat allerdings nicht nur eine Affinität für Cocktails, sondern pflegt auch eine besondere Vorliebe für Kaffee. Eine Woche lang arbeitete er im Kaffeehaus seines Onkels in Wien und belegte seitdem auch mehrere Barista-Kurse. Einem Kaffee-Cocktail steht somit nichts mehr im Weg. Im Jahr 2013 begann Mayer dann am Waldsee Freiburg zu arbeiten, einer klassischen Gastronomie- und Partylocation. Parallel dazu begann er im später im Jahr auch in ebenjener Hemingway Bar. Seit September 2014 ist er fest in der Passage46.

Trommeln und Gläser

Außerhalb der Bar findet man den bärtigen jungen Mann am Schlagzeug, das er schon seit 16 Jahren spielt. In seiner raren Freizeit ist der Bartender Mitglied einer Irish Rockband, den ‚Restless Feet‚. So ein Hobby ist — gerade als Schlagzeuger — mit viel Planungsaufwand verbunden und funktioniert mal mehr, mal weniger, aber, so gibt er lachend zu: „Das ist es auf jeden Fall wert!“

Für das Feierabendbier bietet Freiburg zu Alex’ Feierabendzeiten, die meist im Morgengrauen liegen, keine große Auswahl. Aber selbst wenn, würde es Alex wahrscheinlich trotzdem in die Hemingway Bar verschlagen. Das Gefühl von Heimat kommt halt nicht überall auf. Schön fand er es auch in Offenburgs Zauberflöte sowie im Hagestolz in Mannheim. Dort war er zwar erst einmal zu Besuch, blieb allerdings sofort die ganze Nacht. An freien Tagen erkundet er gerne das Umland, in der Gegend gibt es schließlich genug Gutes zu entdecken.

Von unbekannten Lieblingsdrinks und der Perfekten Mischung

Einen Lieblingsdrink hat Alex nicht, beziehungsweise: dieser ändert sich von Moment zu Moment, da er seine Drinks gerne anhand der Situation auswählt. Öfters kommen bei ihm jedoch Quitte-Tonic, ein Old Fashioned oder einfach nur ein guter Crémant auf den Tisch. Falls ihm nach der Schicht doch nach etwas Stärkerem ist, bekommt er gerne etwas von Boris Gröner gemixt. Dieser hat ihn bis jetzt noch nie enttäuscht. Im Gegenteil: Selbst wenn Alex nicht artikulieren kann, nach was ihm der Sinn steht, hat er es bis jetzt immer auf den Punkt gebracht und ihm den perfekten Drink serviert. Von Boris würde Alex sich blind einen Cocktail mixen lassen.

Vorbilder und Lehrer habe er viele. Bei seinem ersten Job im Picc wurde er von Adib Degh Degh viel unterstützt und im Waldsee haben ihm verschiedene Leute beigebracht, Verantwortung zu übernehmen, ein Team zu leiten und so simple Dinge wie Abrechnungen zu machen. Auch Boris Gröhler und Andreas Schöler schätzt er sehr. Dabei müssen Vorbilder nicht unbedingt älter sein als man selber. Große Bewunderung hegt Alex Mayer auch für seine Mitstreiter in der Made in GSA Competition. Für ihn ist es selbstverständlich, dass man sich auch von jungen Bartendern etwas abschauen oder sich inspirieren lassen kann. Auch die, die erst seit einem Jahr hinter dem Tresen stehen, haben ihn mit ihren Kreationen beim Wettbewerb vor zwei Wochen zutiefst beeindruckt.

Auf gehts nach Paris, London und Rom

Vorfreude herrscht bei Alex aktuell vor allem auf die Reise, die er durch seinen „Cowbell“-Cocktail im Made in GSA Wettbewerb gewonnen hat. Für eine Woche gilt es dann, die Barszene in Paris, London und Rom zu erforschen. Vor allem auf London ist er gespannt, da er die britische Metropole zwar schon besucht hat, aber bis jetzt keine Bar von innen gesehen hat. Zeit also, dass sich das ändert.

Spezialgebiet: Freigeistigkeit und Kreativität

Auf die Frage, worauf er sich spezialisiert hat, reagiert der Bartender perplex und mit einer ungewöhnlichen Antwort. „Ich versuche, mich darauf zu spezialisieren, immer wieder etwas Anderes zu machen und mich immer nach Neuem umzuschauen. Ich versuche, bei jedem Drink auf den Gast einzugehen und ich denke, dass man sich vielleicht erst nach 20 Jahren Beruf sich „spezialisiert“ sehen kann. Ich versuche momentan stark, an dem Umgang mit dem Gast und dem Gastgebertum zu arbeiten.“

Die Unsichere, jedoch spannende, Zukunft

Entspannt blickt er in die Zukunft, ohne große Pläne für das genaue „Wo“ und „Was“. Eines steht klar: Irgendwann mal möchte er Herr seines eigenen Ladens sein. Als er in der Gastronomie anfing, war es klar, dass er so viel lernen möchte wie nur möglich, um dann in der Zukunft sein eigenes Konzept auf die Beine zu bringen. An dem Plan hat sich seitdem nichts verändert. Wo genau es ihn hinzieht, weiß er noch nicht. Kleine Orte wie Freiburg haben von Vorteil, dass man mit einem hochwertigen Konzept in Sachen Qualität und Service nicht viel Konkurrenz hat. In großen Städten wie Berlin, Hamburg oder München nämlich, muss „man erstmal etwas Großes landen, um dort überhaupt mitspielen zu können“. Ihm gefällt der Gedanke, in einem kleinen Ort zu tätig zu sein und somit an der Szene mitzuarbeiten und sie, während man selbst etwas aufbaut, auch formen zu können. So bescheiden er heute noch redet, sind wir uns sicher, dass man in der Zukunft Großes von Alex Mayer erwarten kann. Und das ändert sich bestimmt allzu schnell auch nicht.

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