Angels' Share Basel

Die guten Geister des Angels‘ Share

Bars 13.11.2017 1 Kommentar

Die Schweizer Christoph Stamm und Roger Grüter sind wie viele ihrer Kollegen Quereinsteiger. Seit zwei Jahren betreiben die wettbewerbserfahrenen Whisky-Liebhaber das Angels‘ Share in Basel. Das Erfolgsrezept ihrer gediegenen Bar? Schlechter Humor und guter Whisky. Und natürlich ein wenig mehr. 

„Das war der beste Old Fashioned seit langer Zeit“, „Wenn ich bei euch bin, ist das Heimweh wie weggeblasen“ oder „Wenn man ins Angels‘ Share kommt, tritt man aus Basel heraus“. –  „Solche Komplimente bekommen wir sehr oft zu hören“, erzählt Christoph Stamm, der seit Kindheitstagen seinen Pfadfinder-Namen „Chutz“ trägt und beinahe ausschließlich unter diesem bekannt ist.

Die ruhige, gediegene Bar Angels‘ Share ist nicht nur eine weitere junge und bereits institutionalisierte Basler Trinkstätte auf hohem Niveau für die Nachbarschaft, Freunde und Liebhaber exzentrischer und klassischer Cocktails, sondern auch Heimathafen und Anlaufstelle für viele Expats, Touristen und selbstverständlich KollegInnen der lebendigen und „gut vernetzten“ Basler Bar-Szene. Daher darf man sich getrost über solche positive Anmerkungen auch von internationaler Seite freuen.

Reiches Whisky-Sortiment im Angels‘ Share

Einen „einfachen“ Manhattan findet man auf der Karte der kleinen Bar mit viel Holz und angenehmer Jazz- und Blues-Musik nicht. „Den gibt es nicht, außer ein Gast will ihn ganz klassisch, dann soll es selbstverständlich so sein. Wir orientieren uns zwar an klassischen Rezepturen, versuchen aber, Geschmackstrends einzuarbeiten oder Mischverhältnisse zu variieren“, erklärt der 37-jährige Chutz und präzisiert die leidenschaftliche Herangehensweise: „Wir vergreifen uns an allem“.

Weil es ihm und seinem Kollegen und Freund Roger Grüter Freude bereitet, ihre Gäste in Basel zu beraten, deren Genussspektrum zu erweitern und ihnen neue Geschmacksimprovisationen zu unterbreiten. Daher wird an Ort und Stelle mit Säuren experimentiert und mit Infusionen und infusioniertem Wermut gearbeitet, Sirups werden selbst hergestellt und Säfte frisch gepresst.

Auf der in jedem Monat neu gestalteten Karte finden sich stets zehn Signature Drinks auf Basis des in der Bar reichen Whisk(e)y- oder Rumsortiments, Gin, einem Vodka oder auch einer Agavenspirituose und jeweils zwei klassische Cocktails wie beispielsweise ein Old Cuban oder Vesper Martini. Der hauseigene Strawberry Daiquiri wird mit Strawberry infused Rum, ein Monaco Mule mit Vodka, Himbeeren, Thymianhonig, Limettensaft und Gingerbeer interpretiert, und in der herbstlichen November-Karte erstrahlt sogar der Harvest Moon mit Bourbon, natürlich selbstgemachtem Kürbis-Sirup, Zitrone und Ahornsirup.

Basel und die Mixologie aus dem Chemielabor

„Als Gastgeber ist es uns aber sehr wichtig, das Vertrauen der Gäste zu gewinnen und sie zu nichts zu überreden. Dabei dürfen wir uns selbst nicht zu ernst nehmen, nicht stolz oder belehrend wirken, denn niemand will im Ausgang belehrt sein. Wenn jemand eine direkte Empfehlung möchte, dann kriegt er sie sehr gerne. Will jemand ein Bier, dann kann man ihm unsere Palette erörtern, aber letztendlich entscheidet der Gast“, sagt Roger Grüter, der Christoph Stamms Anfrage, das Angels‘ Share gemeinsam zu betreiben, entschieden hat.

„Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich war noch nie so glücklich“, sagt Grüter, der sich zum damaligen Zeitpunkt als Barchef des Clubs Sud im Sudhaus der alten Brauerei auch eine Veränderung herbeigesehnt hat. Gerade bei der Kreation der Monatskarten kann der 34-jährige Wahlbaseler aus Luzern seine Leidenschaft als Mixologe vollends ausleben. „Kreativ zu sein ist der schönste Teil der Arbeit, und es ist ein Prozess, der nie aufhört“, weiß der ausgebildete und zuvor bei Novartis beschäftigte Chemielaborant, dessen Wissen um physikalische und chemische Prozesse bei seinem nunmehrigen Wirken von Vorteil ist.

Die Idee für eine eigene Bar kam Christoph Stamm zu Umbauzeiten der rockig-wilden Irrsinn Bar, in der er als Barchef Besuchern aus der Rock- und Metal-Szene nicht nur reinen Wein und Bier eingeschenkt, sondern auch die Cocktail-Kultur näher gebracht hat. „Aber nach fünf Jahren wollte ich ruhiger werden und mich mehr auf die Mixologen-Schiene verlagern. Es wäre blöd gewesen, eine Bar wie das Irrsinn verändern zu wollen“, denkt der aus dem Fricktal im Schweizer Kanton Aargau stammende Wahlbasler zurück, der innerhalb von zwei Wochen sein für Konzept und Größe geeignetes Lokal in der Feldbergstraße 51 und mit Roger Grüter an seiner Seite den perfekten Partner gefunden hat.

Touchdowns im Angels‘ Share

Auf Arbeitshierarchien wollen der ehemalige Chemielaborant Grüter und der vor seinem Einstieg in das Bar-Metier als Tierpfleger aktive Stamm verzichten. Nur an den Wochenenden und sonntags bei regelmäßigen American Football-Übertragungen arbeiten die gleichrangigen Chefs, die „mal good cop und mal bad cop“ in abwechselnder Regie sind, gemeinsam im Angels‘ Share. An Wochentagen, oder falls einer von beiden auf einem Wettbewerb sein sollte, werden der Bar-Betrieb und die Zuständigkeiten für Einkauf, Service oder für Auftritte in sozialen Foren aufgeteilt.

Einander bekannt waren die beiden Bar-Autodidakten bereits vor ihrer gemeinsamen Geschäftstätigkeit im Angels‘ Share. Seither sind sie dicke Freunde und ein eingespieltes Arbeitsteam. „Schon während des Umbaus waren wir erstaunt über unsere gleichen Interessen und Vorlieben für Musik und natürlich Whisk(e)y“. Ihre geteilte Leidenschaft für diese Spirituose – Grüter ist eher Bourbon, Stamm mehr dem Single Malt zugetan – vermitteln die beiden Hausherren auch ihren Gästen. Den Schwerpunkt der rund 170 Whisk(e)ys bestücken schottische Exemplare und Raritäten, grundsätzlich sind aber alle Whisk(e)y-Nationen, auch Asien oder Tasmanien, vertreten.

„Wir verstehen uns so gut, weil wir beide den gleich schlechten Humor haben“, scherzt Stamm – der „Mann hinter Chloé“: Mit seinem Hanami Cocktail aus Revolte Rum mit 4,5 cl Humbel No. 22 Brenzer Hochstamm Kirsch belegte der Bartender aus Basel bei der diesjährigen Made in GSA-Competition den zweiten Platz und platziert sich hinter der Gewinnerin Chloé Merz. Bei der ersten Basel Bartender Cocktail Competition im Mai dieses Jahres erreichte Stamm den dritten Rang – hinter Chloé Merz’ zweitem Platz, aber vor seinem Mitstreiter Roger Grüter.

Zwei Jahre Angels‘ Share

Als Sieger des Aspiranten Clubs im Rahmen der Schweizer Cocktailmeisterschaften geht es für Chutz im nächsten Jahr nach Estland zum IBA European Training Center.

Roger Grüter hat es beim Vorentscheid in Schottland zum internationalen Finale der Chivas Masters 2017 in Tokio und dort unter die besten Fünf geschafft. Seither fungiert er hochmotiviert und vielerorts als Guest Bartender oder in Workshops: „Die Arbeit außerhalb der eigenen Bar und der Austausch mit Kollegen ist enorm wichtig, lehrreich und inspirierend. Man darf nicht stagnieren und sollte immer versuchen, innovativ zu bleiben“.

Das Jubiläum des Angels‘ Share jährt sich Ende November zum zweiten Male. 2015 haben Christoph Stamm und Roger Grüter die Räumlichkeiten der ehemaligen Agora Bar übernommen und nach zweimonatigen Umbauarbeiten neue gestalterische und trinktechnische Akzente gesetzt. „Wir wollten eine Bar wie vor der Prohibition mit dunklem Holz und ruhiger Musik schaffen, wo Geschmacks- und Geruchssinn im Vordergrund stehen, der Genuss von klassischer Cocktail-Kultur in Basel gewürdigt wird“, erklärt Stamm die Philosophie des Hauses – das bei den MIXOLOGY BAR AWARDS 2017 auch nicht von ungefähr auf der Short List als „Bar des Jahres, Schweiz“ nominiert war.

Angels' Share

Feldbergstr. 51, 4057 Basel

Straßenbahn & Bus / Station "Feldbergstrasse"

Kontakt: info@angelsshare.bar

Montag bis Samstag je 19:00 bis 2:30 Uhr

Kartenzahlung: Ja

Rauchen: Nein

angelsshare.bar

Photo credit: Angels' Share

Ein Kommentar

  1. unkenruf

    Korrektur: Basler, nicht -baseler.

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