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Bar-Szene Miami: The Broken Shaker und seine Antwort auf Bling Bling

Bars 24.10.2017

Die amerikanische Bar-Szene bleibt die größte der Welt. Doch finden in ihr vermehrt individuelle Strömungen statt, wie am Beispiel Miami und dem The Broken Shaker zu sehen ist. In der sonnigen Metropole Floridas ist nämlich nicht alles nur Glitzer. Es gibt auch Substanz, wie Robert Schröter auf seinem USA-Trip feststellt.

Ob verdient oder nicht: US-Amerikanern wird gerne eine gewisse Oberflächlichkeit nachgesagt. Im Flyover wird alles frittiert, L.A ist ein einziger Parkplatz und New York schläft zwar nie, aber vor allem aufgrund der unbezahlbar hohen Mieten. Abseits zweier kleiner, an Kanada grenzender Areale fühlt sich der kulturbeflissene, europäische Snob hier unterfordert und öffnet gerne seine Stereotypenschublade mit der Aufschrift “Plastik”.

Es gibt Nord- und Südamerika – und dazwischen liegt Miami

Doch besuchen wir drei Jahre nach unserem letzten Abstecher gerne erneut Miami und müssen uns schon nach wenigen Tagen eingestehen, dass Florida nicht nur der Warteraum Gottes ist, sondern auch viel Kultur und gesunden Lebensgenuss zu bieten hat.

Die Metropolregion erfreut sich unterschiedlichster Einflüsse, was die Restaurant- und Bar-Szene stetig voran treibt. Und so trinken wir uns durch die eine oder andere weltbekannte Adresse in verspiegelten Wolkenkratzern, durch kubanischen Zigarrenrauch oder Art déco-Kulissen. Immer auf der Suche nach der neuen Bar-Szene Südfloridas.

Ein bisschen Gold und Silber, ein bisschen Glitzer Glitzer (Deichkind)

Miami und Miami Beach müssen – zum Verständnis – unterschieden werden. Es sind zwei separate Städte mit sehr unterschiedlichem Flair. Auf dem Festland gelegen, entspricht das eigentliche Miami dem amerikanischem Stereotyp des sich endlos ausbreitenden Suburbias. Der sehr kleine, nachts verwaiste Innenstadtkern versucht sich, aus Stahl und Glas in den Himmel reckend, Charakter zu verschaffen.

Miami Beach hingegen liegt auf einer Miami vorgelagerten Insel und läuft in die Florida Keys aus. Das überwiegend niedrig, im Art déco-Stil bebaute South Beach ist eng mit Restaurants, Cafés, Hotels und Bars bespickt. Durch die tropisch begrünten Straßen schleichen brummend unbezahlbare Sportwägen auf dem Weg zum nächsten Valet-Parking.

Durch dicken Zigarrenrauch kubanischen Kaffee genießend, bewundern wir die sich in den Himmel reckenden Finger aus Licht. Und hecken unsere Route durch die Tresen dieser Stadt aus. Miami-gemäß gleiten wir im Cabriolet deutscher Provenienz durch die Häuserschluchten, bewundern mutige Statik in luftigen Höhen und strömen über grell beleuchtete Magistralen mit zu hoher Geschwindigkeit dem Atlantik zu. Denn trotz jugendlichem Übermut in Wynwood und heißen Tänzen in Little Havana verströmt abseits vom hochwertigen Pawn Broker in Downtown Miami vor allem Miami Beach die größte Anziehungskraft auf Barflys…

Miami und seine Bars: Me and Charlie at the bar (Will Smith)

Regent Cocktail Club, Rose Bar oder The Living Room bieten alle von weltberühmten Designern ausgebaute Bars in Foyers, auf Dachterrassen oder den Pools der größten Hotels von Miami Beach. Dieser Stil und Anspruch steht für die althergebrachte Barkultur der Stadt. Um sich jedoch nicht in Details einer Bartour zu verlieren und den Makro-Trend zu verstehen, soll hier eher eine große Tendenz heraus gearbeitet werden, anstatt auf Bars en détail einzugehen. Denn selbst die Dependance des weltberühmten Employees Only wirkt unter Palmen eher wie eine Kulisse und sucht hier aufgrund zweier Umstände intensiv nach Kredibilität und Identität.

Umstand Nummer eins ist die seit wenigen Jahren extrem beschleunigte Bar-Szene von Miami Beach. Was direkt auf Umstand Nummer zwei zurückzuführen ist: Die Eröffnung und der kometenhafte Aufstieg des The Broken Shaker. Denn bevor Gabe Orta und Elad Zvi ihr Bar Lab und damit die The Broken Shaker Pop-up-Bar eröffneten, war Miami eher bekannt für Flying Kangaroos, goldfischglasgroße Cocktailgläser und hohe Preise. Es ist ihnen zu verdanken, dass die Cocktail-Renaissance auch in Miami Einzug hielt. Und Bars in dieser Stadt zwar nicht unbedingt aus den Hotels auszogen, sich aber deutlich veränderten seit 2014.

The Broken Shaker zieht nach Mid Beach

Denn seit jeher findet die Cocktail-Szene von Miami Beach in den großen Hotels statt – primär direkt am Strand. Zwar griffen Orta und Zvi dies auf, doch begaben sie sich nicht in eines der teuren Hochglanzhotels in South Beach. Vielmehr wagten sie es, auf dem eher mittelmäßig populären Mid Beach in ein Hostel zu ziehen; sicherlich ein sehr angesagtes und fast luxuriöses Hostel. Doch nichtsdestotrotz sorgte neben fairen Preisen, innovativen Drinks und in der Stadt ungekannter Cocktail-Qualität auch dieser deutliche Bruch mit altbekanntem für Anerkennung und Kredibilität.

In Verbindung mit einer bereits reichen Karriere der Gründer in der Stadt, ihrer Begeisterungsfähigkeit und ihren Marketing-Qualitäten vor allem an der nördlichen Ostküste sah man bald einen regen Zustrom feierwilliger New Yorker mit tiefen Taschen. Und so nutzte das The Broken Shaker aktuelle Techniken und Rezepte von außerhalb, um Miami aus dem Cocktail-Dornröschenschlaf zu küssen. Auch auf der Tiki-Welle schwamm man ganz vorne weg, um schnell die richtigen Leute auf sich aufmerksam zu machen. Vielleicht bedienten sie zusätzlich noch den Wunsch, dass die USA sich nicht nur auf drei oder vier Drink-Metropolen stützen wollte – und konnten auf die Marketingkraft des ebenso den Freehand-Eignern gehörende The NoMad Bar New York zurück greifen. Denn überraschend schnell wurde diese 20qm-Tiki-Hostelbar schon nach zwei Jahren in die Liste der World’s 50 Best Bars der Welt gewählt.

Had a million dollar vibe and a bottle to go (Flo Rida)

In der Bugwelle dieses Erfolges wurde die gesamte Bar-Szene hier umgekrempelt, seit mindestens zwei Jahren gibt es sehr viel Bewegung. Elder Statesmen wie Julio Cabrera verließen etablierte Bars und lösten einen Exodus aus teils angestaubten Hotelbars aus. Zum ersten mal werden auch kleine, unabhängige Bars außerhalb von Hotels eröffnet, was man bisher maximal aus Wynwood oder Little Havanna auf der Festlandseite kannte.

Diese neue Presse lockt natürlich allerhand Barflys aus Häuserschluchten nördlicher Metropolen an den Strand und lässt den Durst nach hochwertigem Hochprozentigem anschwellen. Und so konnte sich Miami Beach auch noch eine weitere Facette des Cocktailgenusses erschließen.

Es geht nicht mehr nur um groß, teuer und männlich. Innovativ, aromatisch und trotzdem durch und durch sommerlich könnte man diese neue Strömung bezeichnen. Und definitiv nicht standardisierbar, wie man an der Abkehr von klassisch-trockenen Hotelbars oder des nicht einfach auf den Strand kopierbaren Erfolgs des New Yorker Employees Only erkennt.

But there’s no place like Miami (U2)

Unterm Strich kann man also folgendes fest halten: Die kreative Bugwelle des The Broken Shaker brachte vor allem etablierte Trends in das auf Getränkeseite noch unterentwickelte Miami Beach und löste einen großen Aufschwung in dieser sonst so affluenten und lebensbejahenden Stadt aus.

Andererseits entstanden auch durch im The Broken Shaker ausgebildeten Bartender neue, lokal verankerte und innovative Restaurant-Bars wie das Beaker & Gray, welche sich mit ihren unabhängigen Standorten und Getränkekarten ungewöhnlich konkret von den Hotels lossagten.

So empfiehlt sich eine neuerliche Reise nach Miami allemal auch für Cocktail-Enthusiasten. Denn sowohl der Preis, als auch die Qualität stimmen aktuell überein, und zu danken haben wir dafür den die Fahne lange hochhaltenden Hotelbars genau so sehr wie dem Katalysator The Broken Shaker mit seinen innovativen Besitzern und Barchefs.

Photo credit: Artikelbild via Shutterstock. Fotos in Bildserie via Adrian Gaut.

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