Die Bar am Steinplatz in Berlin

Bars 7.3.2014 4 comments

Berlins alte City-West rings um den Kurfürstendamm und die Gedächtniskirche erlebt aktuell eine rasante Wieder- und Neubelebung, die selbst in der Hauptstadt ihresgleichen sucht. Ein neuer Geheimtipp für Übernachtung, Speis und Trank öffnete nun seine Pforten einen Steinwurf von der Gedächtniskirche entfernt: Das Hotel am Steinplatz.

Meister Endell. So lautet der Name eines der spannendsten Cocktails des abwechslungsreichen Barmenüs und setzt dem Bauherrn des ehrwürdigen Baudenkmals mit der markanten Jugendstilfassade, August Endell, ein flüssiges Denkmal.

Experimentell und regional

Jeder Berlin-Besucher landet früher oder später in dem bekanntesten Projekt des Architekten, den Hackeschen Höfen und bewundert die prägnanten Kacheln und verschlungenen Formen. Auch das Haus am Steinplatz bietet dem Betrachter eine Fülle von bizarren Muschel-, Farn- und Fledermausmotiven, die dafür sorgten, dass der experimentelle Baumeister zur Kaiserzeit von den Zeitgenossen gerne als Enfant terrible angesehen wurde. Als experimentell dürfen auch einige der Cocktailkreationen des Teams um Barmanager Christian Gentemann angesehen werden. Der dem Baumeister gewidmete Drink bezaubert mit Vodka, einer dezenten Süße, frischem Himbeerpüree und einer spannenden Säure, für die ein Johannisbeer-Fruchtessig aus der Wustermark sorgt. Jene Gemeinde aus dem brandenburgischen Havelland mag als Verweis auf das kulinarische Konzept des Hauses gelten: Regionalität. Produkte aus Deutschland, aber vor allem aus Berlin und Brandenburg. Adler, Siedler, Mampe. Asbach, Monkey 47, Duke. Sie alle bilden bevorzugte Bestandteile der Getränkekreationen.

Volle Pulle mit Mata Hari

Die Bestellung von Neunzehnhundertdreizehn bedeutet, die Lippe in einem Schaum aus Apfel und Buttermilch zu versenken, um darunter hausgemachten Bratapfelvodka mit karamellisierten Walnüssen und Apfellikör zu wittern. Gleichzeitig erfährt der Gast das Jahr, in dem sich erstmals Übernachtungsgäste in dem ursprünglichen Hotel einfanden. Unter ihnen hätte die Dame sein können, deren Bild am Eingang die Gäste begrüßt. Eine begabte Nackttänzerin und dilettantische Spionin, Mata Hari. Ihr geheimnisvolles Lächeln weist den Weg in die moderne Bar, die kühle und warme Farben und Materialien miteinander verbindet. Das Stein-Design des Tresens und der Marmorboden treffen auf elegantes Leder in Orange und weiche Wandüberzüge am Ende des loungigen Sitzbereiches. Eine bemerkenswerte Vielfalt von ungewöhnlichen Beleuchtungselementen betonen den individuellen Design-Schwerpunkt des Autograph Collection Hotels, das zur Marriott Gruppe zählt. Eine akustische Abrundung bietet das gelungene Musikkonzept, für dessen Zusammenstellung Club-Legende Cookie verantwortlich zeichnet.

Eine Durchreiche verbindet die Bar mit dem angeschlossenen Restaurant, welches die Grundidee aus regionalen Produkten und Berliner Klassikern, neu interpretiert und fortsetzt. Sternekoch Stefan Hartmann und Küchenchef Marcus Zimmer entwarfen im Rahmen des Speisenkonzepts ein Barfood-Programm, das der Gast der Bar sich nicht entgehen lassen sollte. Köstliche Stärkung versprechen die Eisbeinkroketten mit Spitzkohlsalat und Apfelsenf, oder die Wildbratwurst mit Apfel-Curry-Tomaten-Sauce und Pommes Frites. Passend dazu kommt eine prächtige Auswahl an Bieren vom Hahn und aus der Flasche. Rollberger Hell vom Fass, oder aus der Flasche Alpirsbacher Weizenbier, Schönramer Pils und Pale Ale oder das Crew Republic Drunken Sailor IPA aus München. Ein wechselndes Saisonbier fließt aus der zweiten Zapfstation, derzeit ein Winterbock vom Rollberg. Zurück zu den Cocktails, die preislich im Bereich von 11 bis 16 Euro liegen: Eine Mint Julep Variation könnte nun womöglich als dessertgleicher Abschluss dienen. „Volle Pulle“ versteckt im Silberbecher einen gereiften Weinbrand, dunkle Schokolade, Nusssirup, Haselnussgeist und frische Minze. Oben drauf noch Schokoladenerde. Der Name enthält erneut einen historischen Verweis. Diesmal auf die frühere Künstlerkneipe im Keller des Hauses, die in den 1950er Jahren ein illustres Publikum um Heinrich Böll, Romy Schneider und Brigitte Bardot empfing.

Nun darf man gespannt sein, welches Publikum heute den Tresen und die Lounge füllen wird und welche Überraschungen das Barteam in den Drinks für die neue Saisonkarte parat hält.

Bar am Steinplatz - Im Hotel am Steinplatz

Steinplatz 4, 10623 Berlin

U Zoologischer Garten

Kontakt: 030 5544440

Kartenzahlung: Nein

Rauchen: Ja

marriott.de

Photo credit: Bar am Steinplatz

4 comments

  1. Klaus Boose

    Wer kennt von der alten „Vollen Pulle “ aus den Jahren 1959-1962 noch die charmante Empfangsdame Frau Schmitt oder den an der Garderobe arbeitenden Studenten Hanne Westphal??
    Bitte melden.

    Klaus Boose ( ehemals befreundet mit „Hanne“)

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