Eule_Münster

Notizen aus der Provinz Part VI. Von Katzen und Eulen.

Bars 31.3.2012 8 comments

MIXOLOGY ONLINE hat sich in die Wiedertäufer- und Studentenstadt Münster begeben auf der Suche nach dem Cocktail. Im Rauch der Smoke Gun der Tide Bar wird man fündig. Und ein Studenten-Club voller Tiere macht wieder gut, was eine Spelunke zerstört.

Rund 290.000 Einwohner zählt Münster, die Stadt der Wiedertäufer, großzügigen Fahrradspuren. Und die Stadt der Studenten, die zu Semesterzeiten satte 16 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Es ist das erste Mal, dass MIXOLOGY ONLINE sich in diese Stadt aufmacht. So trifft es sich, dass man zwei bewährte Gaumen aus der Region an der Seite hat. Zum einen Marius Kleiner, Gewinner der Amarula Competition im Jahr 2009 in der Kategorie Connaisseur, und Daniel Biernatwoski, ehemaliger Barchef des Westspiel Casino Duisburg, mittlerweile selbstständig als Berater, außerdem Betreiber des Blogs Mischerei und neuerdings auch Macher des Honiglikörs Beezkiz.

In dieser Begleitung machen einem auch die eisigen Temperaturen nichts aus, die in der Stadt vorherrschen beim Besuch Anfang Februar. Der Koffer wird im Hotelzimmer geparkt und auf geht’s in die Münsteraner Nacht, den Notizblock mit einer Liste recherchierter Bars in der Hand.

Tide Bar, Tide Bar, Tide Bar. Die Empfehlungen unserer Leser auf der MIXOLOGY Facebook-Seite waren eindeutig gewesen. Seit 2008 verfügt Münster über ein Design-Hotel, das durchaus stolze Preise aufruft, betrachtet man die nicht sehr zentrale Lage. Das Factory hat sich am sogenannten Germania Campus angesiedelt. Die Cocktails, die auf der Internetseite des Hotels vorgeführt werden, hatten skeptisch gemacht. Doch vor Ort überrascht die Tide Bar mit einem völlig anderen Angebot, dem aktuelle und moderne Einflüsse anzumerken sind.

Jungbrunnen Tide Bar

Ein junger Tender managt souverän den Tresen, fragt eifrig nach der präferierten Marke, als einer der Begleiter einen Martini Cocktail ordert. Gelungen ist auch die Fusion der Neo-Klassiker Bramble und Gin Basil Smash, die den Testern vorgesetzt wird. Während wir an den Drinks nippen und das Interieur betrachten, das ein wenig an ein Schwimmbad aus den 70er-Jahren erinnert, hantiert der Barmann mit einer Smoking Gun. Hier segelt man hart am Puls der Bar-Zeit. Und das in einer sonst studentisch geprägten Stadt? Chapeau!

Das motiviert. Weiter geht’s in Richtung Innenstadt im Bewusstsein, dass man vermutlich schon den Höhepunkt des Abends erlebt hat. Im Besitos, so hatte eine Leserin geschrieben, gäbe es alles an Spirituosen, was das Herz begehrt. Wir steuern den langen Tresen des Restaurants an, in dem ein lauter Tisch spanischer Touristen die Stimmung macht. Der freundliche Tender rührt uns die Drinks an. Der georderte Daiquiri kommt mit Pampero Anejo zum Gast.

Der Diageo-Außendienst hat hier in Münster ganze Arbeit geleistet, wie wir auch noch an anderen Tresen feststellen konnten. Aber geschmacklich schwingt man mit diesem gereiften Rum eindeutig zu weit weg von der Frische des Original-Cocktails. Mehr als einen Schluck mag der Tester nicht trinken. Die Tresen-Nachbarn sind ebenfalls nicht begeistert von ihren Getränken, aber stellen fair fest, dass der Mann an den Flaschen auf jeden Fall die Süß-Sauer-Basis beherrscht. Und das ist im Mainstream-Cocktail-Deutschland definitiv schon 2. Bundesliga.

Protziges Rückbufett ohne Bezug zum Konzept

Der Blick wandert zu den Flaschen. Ja, das Besitos hat ordentlich investiert in sein Rückbuffet. Von Yamazaki Whiskys über rare Gins wie Monkey 47 bis zu einem Edeltropfen wie Glenmorangie Signet ist hier alles vertreten. Allerdings darf man bezweifeln, dass sich der Barmann mit den Spirituosen in seiner Obhut auskennt. Nahezu alle Flaschen sind ungeöffnet. Ein Show-Rückbüfett. Wir sind “underhwelmed”, wie man in England so schön sagt. Hier stehen ein paar protzige Tausender im Regal, die mit dem Konzept des Lokals so gut wie nichts zu tun haben. Wieso nicht eine ordentliche Brandy-Range? Oder ein Sherry-Portfolio? Oder eine ordentliche Gin- und Tonic-Sammlung, zumindest aber eine mediterrane Ausrichtung?

8 comments

  1. Mareile

    Wie konntet ihr denn an einem Montag Abend bzw. Nacht (den an einem solcheN Tag müsst ihr unterwegs gewesen sein, wenn ihr im Enchilada Cocktails erwürfelt habt) noch in die Eule gehen, wenn die doch Montags (laut eurer eigenen Öffnungszeitenangaben) gar nicht geöffnet ist? Ominös..

  2. Marius

    Es war ein anderer Wochentag. Im Enchilada war kein Cocktail Casino – dies war lediglich Gesprächsthema an der Theke. Grüße MArius

  3. Marie

    Hey! Schön, das ihr in der Tide wart, für mich die beste Cocktail Bar Münsters! Vielleicht kommt ihr ja nochmal vorbei?! Im Mai öffnet das Rotkehlchen seine Pforten .Würde ich sehr freuen euch dort , bei guten Essen und kreativen Drinks begrüßen zu dürfen! Bis dahin Cheers!

  4. Ly

    Hi,

    danke für das Schamckhaftmachen des Tides. Da schau ich dann das nächste mal in Münster auch vorbei. Eine Frage hab ich aber noch: Wofür genau ist die Smocking Gun jetzt brauchbar? Ich hab mir den Link von euch angeschaut, weiß aber immer noch nicht wofür man das eigentlich braucht. Macht das was mit dem Geschmack des Drinks oder ist es eigentlich nur ein Schirmchen in einem Cocktail?

    Danke im Voraus

  5. Kyo

    Schade :( nun war Team-MIXOLOGY in Münster und haben glatt das “Royals & Rice” mit Ihrer netten Shochu oder auch Soju Bar verpasst.

    Beim nächsten mal ;)

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