alex ruas

Way up north, Behind the Bars: Alex Ruas

Bars 31.10.2016

Zumeist ist es seine Kollegin Monica Berg, die mit der Osloer Tüftlerstube Himkok verbunden wird. Alex Ruas ist das mehr als Recht. Der Portugiese im hohen Norden brütet lieber im Stillen vor sich hin. Und drückt der Szene trotzdem seinen Stempel auf.

Drink up baby, stay up all night/ With the things you could do/ You won’t but you might/ The potential you’ll be that you’ll never see/…“ Ein Text, der geläufiger kaum sein könnte: „Between the Bars“ von Elliot Smith..

Besungen wird ein Leben am Tresen, „zwischen den Bars“, das nicht umsonst dem Polysem „hinter Gittern“ dient – einem Leben, das durch Alkohol und Depression an sich selbst scheitert, an den eigenen Träumen und Möglichkeiten. Es gehört nicht nur zu den meist gecoverten Liedern überhaupt, sondern spricht auch über ein nicht allzu seltenes Phänomen: der Verwechslung von Kunst und Überlebenskunst, von der Arbeit mit Alkohol und dem Abarbeiten an all dem, was er auszulösen vermag.

Überhaupt ist die Wahl der Profession mit der Promille nichts, wofür Eltern intuitiv zu applaudieren beginnen. Nicht alle Eltern bringen jedoch einen Lissaboner Bartender zur Welt, der so dann die Oslos Barkultur reformiert. Drum verweilt Alex Ruas auch nicht zwischen den Bars – er steht hinter ihnen.

Kein Alltag für Alex

Bloß, weil man spät arbeitet und viel mit Schnaps zu tun hat, heißt das noch lange nicht, dass man ansonsten nichts hinbekommt. Dennoch ist der Barberuf hinreichend einnehmend, so dass nicht alles nebenbei möglich ist. Googelt man Alex Ruas, so stößt man da auf einen MMA-Artist, auf einen Bartender, einen Mathematikprofessor, einen Jiu-Jitsu-Meister, einen Unternehmensgründer, einen Bacardi-Trade Ambassador und einen Autor. Bei all dem, was Alex bislang gemacht hat, hätte man ihm zumindest den Jiu Jitsu-Meister auch noch zugetraut. Und vielleicht sogar die Mathesache.

Aber nein, Alex ist „nur“ Bartender und Unternehmer, er ist ehemaliger Trade Ambassador und Autor. Reicht auch. Wenn man Alex fragt, wie ein gewöhnlicher Tag bei ihm aussieht, muss er überlegen: „Ich glaube, den gibt es nicht.“ Ist von der Osloer Bar Himkok die Rede, so spricht man meist über Monica Berg. Alex ist das ganz und gar nicht unrecht: „Monica steht im Vordergrund und das kann sie ausgezeichnet. Ich tüftle viel lieber im Stillen vor mich hin.“

Diese Tüftelei äußert sich beispielsweise in einem Projekt namens Behind Bars Consulting. Gemeinsam mit seinem Kollegen Sam Millin hat Alex im Jahr 2014 das Unternehmen gegründet und berät seither Bars dabei, ihre Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Dabei geht es um Design und Darbietung, aber auch um zukunftsfähiges und vor allem um zielgerichtetes Vorgehen. Alex geht es nämlich nicht darum, Bars zu sagen, was sie tun und lassen sollen. Sondern darum, ihnen zu helfen, ihre eigenen Vorstellungen umzusetzen – und zwar bestenfalls so, dass möglichst lange maximal viele Beteiligte Freude daran haben: Eine Bar muss rentabel sein und ein Ort zum Wohlfühlen. Das klingt plausibel, auch für Eltern. Wenn man so will, ist Alex genau das Gegenteil von Elliot.

Whiskey Sour vom Fass

The promises you’ll only make/ Drink up with me now/ And forget all about the pressure of days/ Do what I say and I’ll make you okay/ And drive them away/ The images stuck in your head.“ Alex macht nicht nur Versprechen. Und es bleiben auch keine Bilder im Kopf stecken. Weil Alex so lange an ihnen arbeitet, bis er die Umsetzung eines Projekts vor sich sieht. „Das sind die Momente, in denen ich weiß, warum ich all das mache. Wenn da etwas so entsteht, wie man es sich ausgemalt und erarbeitet hat, erfüllt mich das.“

Ein präpositionaler Unterschied, der von großer Bedeutung ist: Man hängt nicht zwischen den Dingen, sondern steht hinter ihnen. Zum Beispiel hinter seinen „Taptails“ – einem Projekt, das er als Tochterfirma von Behind Bars in diesem Jahr umgesetzt hat. Menschen trinken gerne Cocktails und Cocktails müssen zubereitet werden. Je besser ein Cocktail zubereitet wird, desto mehr freut sich der Mensch – in der Regel. Allerdings dauert das ein klein wenig und in dieser Zeit könnte man genauso gut Menschen beraten, so dass sie genau den Cocktail bekommen, den sie mögen.

Also hat Alex sich überlegt, die Zeit für den Cocktail bereits aufzuwenden, bevor der Gast kommt, und ihn in seiner frischesten Form in Fässer zu füllen und frisch zu zapfen. Whiskey Sour, zum Beispiel. Das macht sich hervorragend auf Festivals, und so hatten keine geringeren als Bacardi sowie das größte skandinavische Musikfestival bei Behind Bars nach deren Craft Cocktails angefragt. Mehr als 23.000 davon wurden diesen Sommer an durstige Festivalgäste verteilt. Derzeit arbeitet Alex an der Eröffnung einer neuen Bar. Der Rest ist allerdings noch streng geheim.

Auf dem Nordweg

Ganz und gar nicht geheim ist allerdings alles, was Alex in dem Online Magazin „Rosemary and the deerhunters“ als Autor zum Besten gibt – und das ist eine ganze Menge. Er erzählt dort, wie furchtbar sein erster Drink, den er als Bartender gemixt hat – eine Piña Colada mit dunklem Rum – war, und über seinen Signature Drink „Way up north“. (Rezeptur siehe unten) Letzterer muss Alex keineswegs mehr so beschämen wie seine Piña Colada, denn der Way up north schmeckt ganz ausgezeichnet und macht Lust, sich tatsächlich einmal auf den Weg gen Norden zu machen, wo sich hinter Haar- und Schönheitssalon die Speakeasy-Bar und Mikrodestillerie für Aquavit, Gin und Vodka auftut.

Überhaupt, wer es auf Aquavit-Drinks abgesehen hat, möge sich aufmachen an den Ort, an dem nicht nur Destillat und Rezept entstanden sind, wo Barkultur nicht nur gelebt, sondern auch gedacht wird. So gedacht, dass selbst ein Elliot eigentlich auf erbaulichere Gedanken hätte kommen können vor lauter detailverliebter Dosierung und den richtigen Dingen am rechten Fleck. Und das gilt für Form und für Farbe, für Material und Mixtur, für pedantische Kalkulation einerseits und progressiver Kunst andererseits.

Noch gibt Alex nicht zu, dass er auch Matheprofessor und Jiu-Jitsu-Meister ist – aber wir warten ab.

Way up north

Alex Ruas / Himkok, Oslo

Rezept

4 cl Aquavit
2 cl Aquavit Likør
1,5 cl Zuckersirup
3 cl Zitronensaft

Zubereitung

Alle Zutaten im Shaker auf Eiswürfel 10 - 15 mal kräftig schütteln und doppelt ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas

Coupette

Garnitur

Zitronenzeste

Photo credit: Bild via Birte Filmer.

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