KTV Bar in Berlin

Berlin bekommt eine neue Feieradresse. KTV Bar eröffnet in der Chausseestrasse.

Bars 3.7.2011 3 comments

Unter der Regie von Mario Grünenfelder und Till Harter eröffnet die Tage in der Chausseestrasse die neue Club-Bar KTV. Im letzten unsanierten Gebäude des Straßenzugs wird künftig mit Blick auf die Fassade des Bundesnachrichtendienstes gefeiert.

Da, wo Berlin-Mitte langsam in den Wedding übergeht, hat die Nacht keine Chance. Zumindest bisher nicht. Der Großteil der Coffee Shops, Restaurants und Geschäfte an der Chausseestrasse beschränkt sich auf das Tagesgeschäft und macht um 18 Uhr die Pforten dicht. Lange vorbei die Zeiten, in denen das legendäre Rio die Feierdurstigen in seinen feuchte-maroden Gängen willkommen hieß. Die Hausnummer 106, in der man früher einen zugestellten Hof und eine harte Tür zu überwinden hatte, beherbergt heute ein hermetisch abgeriegeltes schickes Immobilienprojekt. Einzig die Hafenbar lädt ein paar Häuser weiter nach wie vor Stadtrandpublikum zu ihren Schlagerpartys und Karaoke-Nächten.

Seit der Bundesnachrichtendienst die große Brache zwischen Habersaath- und Boyenstraße mit seinen volumigen Klötzen zusetzt, ist allerdings ordentlich Bewegung in diesen Stadtteil gekommen, bei dem nie ganz klar wurde, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Anwohner finden derzeit des öfteren dubiose Handzettel von Immobilienfirmen in ihren Briefkästen. Wohnungskauf wird angeboten. Offenbar sehen hier einige den Boden zukünftig vergoldet durch die Ansiedlung der Schlapphüte aus dem beschaulichen Pullach.

Das ist in Berlin in der Regel kein Indiz für eine aufstrebende Gastronomieszene. Diese war in anderen Stadtteilen lange vor den Investmentfonds am Start und hat die Lagen erst attraktiv gemacht. So ist es nur konsequent, dass jetzt direkt gegenüber des neuen BND-Gebäudes eine neue Club-Adresse einen lässigen Kontrapunkt setzt. Das neue KTV (sprich: „kei-ti-wi“) bietet einen goldlackierten Keller, in dem an Samstagen bekannte Electro-Größen zwischen zwei Boxentürmen mit satten 1800 Watt auflegen werden. In den Katakomben des KTV, wo zu DDR-Zeiten angeblich bereits Jazz gespielt wurde, sollen darüber hinaus auch Konzerte stattfinden. Im Erdgeschoss des ehemaligen Texmex-Lokals verspricht eine Tanzfläche mit angrenzender Champagner Bar und einer in die Decke eingelassenen überdimensionierten Diskokugel skurrile nächtliche Szenen. Über zwei von Strumbel-Kunstwerken illuminierte Longdrink-Tresen  sollen wiederum rockige Getränke und Longdrinks an die feiernden Massen ausgegeben werden.

Schnelle, erdige Drinks für poröse Nächte

Ausgefeilte Cocktailkultur ist hier nicht angedacht, sondern der schnelle, erdige Drink, den man zum Feiern braucht. „Es ist ein Spaßprojekt für uns“, erklärt Grünenfelder das Konzept. „KTV soll wieder etwas mehr Rock’n Roll transportieren.“ Über die letzten Jahre sei die Gastronomie in Mitte immer seriöser und anspruchsvoller geworden. Dass sei aber auch keine Entwicklung, die es zu verdammen gelte, beeilt er sich zu sagen. Grünenfelder und Harter waren bekanntlich mit dem Tausend und dem Überraschungserfolg Amano Bar selbst Teil dieses Trends. Im KTV sollen jetzt aber die Club-Wurzeln der beiden Entrepreneure wieder mehr zum Tragen kommen.

Nach dem Kingsize von Grill Royal-Impresario Boris Radczun und dem Trust von Heinz „Cookie“ Gindullis und Marcus Trojan ist das KTV bereits die dritte Feieradresse in Mitte, die wieder Bezug auf das nächtliche Berlin der 90er-Jahre nimmt. Das einem Pariser Investor gehörende Gebäude an der Chausseestrasse 36 bietet auch von seinem Bauzustand her den perfekten Rahmen dafür. Es ist praktisch das letzte unsanierte Haus des Straßenzugs. An den Wänden im Hauseingang klebten bei der ersten Besichtigung sogar noch Plakate der alten DDR-Bürgerrechtsbewegung „Bündnis 90“.

Die Club-Bar KTV soll hier übrigens nur den Anfang machen. Später, so die Pläne von Investor und Betreibern, folgen in den ehemaligen Wohnungen im ersten Stock von einem Kunstverein organisierte Dinner und Veranstaltungen. Im zweiten Stock des Vorderhauses ist, mit perfektem Blick auf das BND-Portal, eine Galerie geplant. Langfristig schwebt dem Eigentümer des Hauses eine Art urbane Insel für Kreative mit Wohnungen, Kolonialwarenladen und traditionellem Handwerk vor.

Bleibt abschließend noch die Frage nach dem Karaoke in der KTV Bar, in der es laut Betreibern personell kaum Überschneidungen  zu den andern Lokalen des Harter-Grünenfelder-Imperiums geben wird. Denn der Taufname der neuen Underground-Lokals ist der chinesische Begriff für Karaoke Bars, wie sie in Asien zum Teil sehr nah am Rotlichtmilieu angesiedelt sind. An die Bedeutung des Namens fühlt sich Grünenfelder nicht so stark gebunden: „Karaoke werden wir machen, aber nicht wöchentlich.“

 

KTV Berlin

Chausseestrasse 36

10115 Berlin

Öffnungszeiten: vorraussichtlich Fr & Sa ab 23 Uhr

U Bahn: U6 Naturkundemuseum

 

www.ktv-berlin.com

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  1. Pingback: Bar on fire. Das Rocco & Sanny liegt schon vor Eröffnung in Schutt und Asche.

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