Einen im Kahn. Im Fasan.

Bars 2.8.2013

Seit November 2012 nimmt ein stolzer Vogel die Bremer Nordlichter unter seine Fittiche. Im „Blauen Fasan“ können die Hanseaten klassische Cocktails und Eigenkreationen genießen. Das Team um Inhaber Marius Stolz bietet für jede Gemütslage etwas, ohne dabei willkürlich zu wirken.

Träge fließt die mächtige Weser in Richtung Norden. Von ihrem Uferdeich schickt die Becks-Brauerei warme Dämpfe von Malz und Gerste über die Stadtdächer. In Bremen, weltweit bekannt für das Importbier in der grünen Flasche, wird natürlich auch etwas anderes getrunken. Eine wirklich lebhafte Cocktail-Kultur gibt es aber bislang kaum. Haben es zu wenige Gastronomen richtig probiert, ist die gemütliche Hansestadt einfach noch nicht auf den Geschmack gekommen, oder funktioniert der gehobene Cocktail-Genuss hier einfach nicht?

Marius Stolz wollte es ausprobieren. Der Inhaber des Blauen Fasan in der Langenstraße, einen Steinwurf vom nördlichen Weserufer der Bremer Innenstadt entfernt, führt schon seit über sechs Jahren seine eigene Eventagentur. Das Gespür für gute Zutaten und die Lust zum Experimentieren hatte er als leidenschaftlicher Hobby-Koch schon gelebt und auch hinter der Bar hatte er schon Erfahrung. Zum Mixen war er wie viele über Umwege gekommen. Bei der Vorbereitung einer großen Weihnachtsfeier in einem Gasthof in dem er jobbte bekam er zufällig die Gelegenheit, einen Cocktailstand samt Karte zu konzipieren. „Ein Gast hatte nachgefragt, ob es denn auch Cocktails geben werde,“ erzählt Marius. Seine Kreationen kamen so gut an, dass das Konzept auch nach ihm weitergeführt wird – im Nachhinein eine gelungene Generalprobe für den eigenen Laden.

Stolz und seine Partner Tim Lüllmann und Daniel Schnadt haben sich für ihr Projekt einen kleinen Gastraum in einem anno 1737 erbauten Eckhaus ausgesucht. Runde steinerne Fensterbögen und eiserne Laternen am Eingang lassen eher deftige Speisen und kühle Blonde, als Highballs und Strainer im Innern vermuten.

„Blauer Fasan“ –auch der Name klingt nach Tradition. „Wir wollten einen deutschen Namen, der Gastlichkeit und Stil ausstrahlt“, so Marius.

Die hufeisenförmige, dunkle Theke bildet das kommunikative Zentrum der Bar. Die Gäste sollen sich in die Augen sehen können, auch wenn sie sich noch nicht kennen. Über dem Tresen hängt, kopfüber, der namensgebende Vogel. Dunkelblau-goldene Wände schimmern im Kerzenlicht.

Fasanenblut und Speck-Vodka

Pouring-Verträge kamen für das Fasan-Team von Anfang an nicht in Frage. Auf der ausführlichen aber nicht überfrachteten Karte findet man Klassiker der American Bar und hauseigene Kreationen. Für den Signature Drink „Fasanenblut“, ein tief-nachhallender und gleichzeitig leichter Cocktail, kommen Absolut Mandarin Vodka, Blutorangenlikör, Kvai Feh Lycheelikör, Lillet, Wermut und frischer Orangensaft ins Glas. Auch beim „Blood and Sand“ wechseln sich fruchtig-leichte und herbe Aromen spielerisch ab. Der zurzeit schwer angesagte Moscow Mule wird im Fasan in einem vorgekühlten ayurvedischen Kupferbecher serviert und mit einer Gurkenzeste garniert, die sich sanft durch den Becher schlängelt.

Nachdem sich der Blaue Fasan seit November in Bremen seine „Daseinsberechtigung verdient“ hat, wie Marius sich ausdrückt, wird jetzt die Karte um die höherpreisigen Champagner-Cocktails erweitert. Unter „Bartender’s Choice“ stellt künftig jeder Bartender eine spezielle Kreation vor. „Kein Bremer gibt 10 Euro für einen Cocktail aus. Aber das Vertrauen ist jetzt da.“

In seinen Drinks verwendet das Bar-Team um die einzige gelernte „Cocktailverrückte“ Sarah Deuss, die für die Zusammenarbeit extra aus dem Süden nach Bremen zog,auch eigene Infusionen. Für den mit Walnüssen angesetzten Bourbon werden die Nüsse vorm einlegen in der Pfanne in Puderzucker geröstet. Einen eigenen Rosmarin Gin gibt es, und auch echte Liebhaber-Experimente, wie den Bacon-infusionierten Vodka.

Wirtzbolde aus Bremen

Natürlich will man im Fasan auch Neulinge von Cocktails überzeugen. Der Service ist dennoch bewusst dezent, keiner wird überrumpelt. Erst nachdem er ein Gefühl für den Gast entwickelt hat, an seinem speziellen Interesse, bietet Marius Stolz eine intensive Beratung an. Solche Gäste bekommen auch mal einen Shot aus dem Shaker zum Probieren. Bei einer Empfehlung, die dem Gast nicht gefällt wird er vom Fasan auf den betreffenden Drink eingeladen. „Ich empfehle immer das, was mich zu der Zeit gerade richtig begeistert.“ sagt Marius, „das macht für mich die Seele eines Bartenders aus.“

Sogar die Bild-Zeitung hat sich schon für den Blauen Fasan interessiert. Anlass waren in diesem Fallnicht die Cocktails, sondern die Werbetafel vor der Tür der Bar, die mal lakonisch, mal albern, mal tagesaktuell-bissig auf die Vorzüge des Alkoholgenusses hinweist. Den, Achtung!, Zitat: „Wirtzbolden“ vom Fasan soll es recht sein.

Im Moment ist der Fasan nur von Donnerstag bis einschließlich Samstag geöffnet. Wenn es wieder klamm, kalt und windig wird in Bremen, ist ein vierter Öffnungstag geplant. Es wird wohl der Sonntag werden. Damit die Gastronomen in der Nachbarschaft auch mal vorbeikommen können.

Blauer Fasan

Langenstr. 81, 28195 Bremen

Kontakt: +49 (0) 421 4089 6781 / info@blauerfasan.de

Do – Sa: 19:00 – mind. 2:00 / open end

Kartenzahlung: Nein

Rauchen: Nein

blauerfasan.de

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