Clandestine Bar. Ein charmantes Versteck in Berlin-Steglitz.

Bars 14.12.2012 4 comments

Heimlich und geheim. Die alten Römer sprachen ´clandestinus´ für ihre Geheimnisse. Mysteriöse Schlapphüte planten klandestine Geheimdienstoperationen und cocktailbegeisterte Steglitzer legen womöglich Wert darauf, die Existenz ihres Bar-Kleinods nicht allzu laut auszuposaunen.

So sei dieser Bericht also geflüstert: Gleich hinter dem Rathaus Steglitz, unweit von Kreisel, Einkaufsmeile und Bahnhof, verbirgt sich das kuschelig-elegante Getränkerefugium der Clandestine Bar und beweist, dass ein guter Drink auch außerhalb des S-Bahnrings möglich ist.

Warme Rottöne an den Wänden, dunkles Holz und Leder, zwei Sofas und fünf Plätze am Tresen und im Kerzenschein erlauben ungefähr 35 Gästen, Zuflucht vis á vis vom begrünten Carmer Platz zu finden.

Mit geschickten Handgriffen, aufmerksamem Service und kenntnisreicher Beratung beweist Bardame und Betreiberin Tamara Simunovic, dass sie die Rolle der Gastgeberin und der Bartenderin souverän beherrscht. So erhält derjenige, der unter dem Tresen vergeblich nach Haken sucht, sofort einen mobilen Haken gereicht, an den dann diverse Utensilien angehängt werden können.

Seit anderthalb Jahren existiert die Bar im südlichsten Teil der City-West. Warum ausgerechnet Steglitz möchte der Betrachter erfragen und erhält souveräne Auskunft von Tamara Simunovic: „Ich stamme von hier und liebe meinen Bezirk. Steglitz verändert sich, verjüngt sich. Angenehme Menschen bevölkern diesen Teil der Stadt und sie haben einen guten Drink verdient.“

Der Whiskey Sour kommt in einen schönen Tumbler serviert und weist eine ideale Balance von Süße und Säure auf. Zuvor erkundigte die Bardame nach dem bevorzugten Whiskey und ob Eiweiß im Drink willkommen wäre.

Die Auswahl der Drinks auf der abwechslungsreichen Karte ist vielfältig und bietet von Aviation über Bahama Mama bis Blood & Sand für jeden Gast den geeigneten Einstieg. Zahlreiche Eigenkreationen sorgen für Abwechslung und zeigen, dass Schauspiel und Film in der Biografie der Betreiberin eine relevante Rolle spielen.

Muskatnuss, Herr Müller!

Cocktailkreationen wie “Stage Monster“, „Final Curtain“ oder „Brazilian Starlet“ stammen aus eigener Feder. Genau wie „Muskatnuss, Herr Müller!“ Inspiriert von dem Louis de Funes Film „Le Grand Restaurant“ aus dem Jahr 1966, in dem der cholerische Komiker einem Gast ein Rezept erklärt und dabei durch Schattenspiele eine unheimliche Wandlung vom Restaurantleiter zum Führer erfährt. Der Cocktail erhält seine Wandlungsfähigkeit durch Rum, DiSaronno, Vodka, Sahne, Muskat, Chili und Ananassaft.

Die aktuelle Tagesempfehlung lautete „Physco“ und verwendet mit Pisco eine Spirituose, die Tamara Simunovic derzeit intensiv beschäftigt. Die Mixtur aus Physalis, Lime, Zucker, Zitrone und Pisco war eher aus der Not geboren. Der Einkaufsauftrag, Kumquats zu besorgen, endete mit der freudestrahlenden Übergabe einer Portion Physalis. Also improvisiert, experimentiert und schon war ein neuer, leckerer Cocktail kreiert.

Um die sieben Euro kosten die Drinks, auch wechselnde Speisen bereitet die Küche zu. Hochwertige Weine stehen bereit und Bierfreunde dürfen beispielsweise auf Flensburger oder Eichhofener Pils zurückgreifen. An den Wänden präsentieren Künstler zuweilen ihre Werke und am jeweils letzten Sonntag im Monat wandelt sich die Bar zum Tangoparkett und es darf zu passenden Rhythmen und Getränken getanzt werden.

In einem kleinen Schränkchen stehen die Spirituosen-Schätze der Bar versteckt. Darunter ein bemerkenswerter 17-jähriger Sliwowitz. Aber das muss nun wirklich nicht jeder erfahren: Pssst!

Clandestine Bar

Berlinickestraße 1a (Eingang Rugestraße), 12165 Berlin-Steglitz

S + U-Bahnhof Rathaus Steglitz

Kontakt: +49 (0)30 470 126 83

Täglich (außer Montag) 18 bis 01 Uhr
Fr & Sa 18 Uhr bis open end






Kartenzahlung: Nein

Rauchen: Nein

clandestine-berlin.de

4 comments

  1. Simon

    Ich war dort und kann alles nur bestätigen. Klasse, dass es noch solche wunderbaren Schätze in der Metropole zu entdecken gibt. Unbedingt empfehlenswert. Persönlicher und angenehmer geht’s nicht.

  2. Andreas

    Physalis und Pisco ist eine in Peru schon lange bekannte Mischung. Physalis heisst dort Aguaymanto und der „Aguaymanto Sour“ findet sich dort auf fast jeder Cocktailkarte.

    Aber es ist immer schön, wenn es Bars bei uns gibt, die Pisco verwenden, und ich hoffe nur, es handelt sich dabei um das peruanische Original.

  3. Björn

    Ist echt eine in dieser Gegend gar nicht erwartete aber dann doch gefundenen Perle. Sehr, sehr empfehlenswert; aber natürlich nur flüsternd weitersagen…

  4. Floh

    Nö, bleibt mal lieber alle weg, sonst wirds da nur ungemütlich. Das Clandestine ist ganz furchtbar und überhaupt nicht toll. Also echt jetzt! 😉

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