david bandak widder garage

DAVID BANDAK WIDDERT IN DER GARAGE

Bars 27.2.2017

Die Widder Garage ist ein achtmonatiges Konzept während des Umbaus der Widder Bar. David Bandak tritt dort in die Fußstapfen seiner Vorgänger Markus Blattner und Dirk Hany. Mit Respekt, Freude und Wettkampfeifer lenkt er das neue Barkonzept, denn es soll heißen: Man geht nicht nur in die Widder Garage, sondern zu David und seinem Team. Wir haben das schon mal gemacht.

Vor zehn Jahren beginnt David Bandak nach einer Wintersaison in Arosa als Restaurantfachmann im Room Service des Züricher Widder Hotels. Der gebürtige Saarländer, der seine Ausbildung im Victor’s Seehotel Weingärtner in Bosen absolviert hat, sieht den damaligen Barchef Markus Blattner in der hoteleigenen Bar des Fünfsterntempels und ist sowohl fasziniert von der Arbeit hinter dem Tresen als auch von der Aura Blattners. Dieser erfüllt dem damals 21-Jährigen den Wunsch nach Mitarbeit.

„Das war sehr prägend für mich, an der Seite von Markus Blattner zu arbeiten“, erinnert sich der leidenschaftliche Radsportler mit Lizenz des Internationalen Radsportverbandes, der auch dreistündige Radtouren vor Dienstbeginn nicht scheut. Nach einer kurzen Probezeit ergänzt er als Bartender weitere drei Jahre das Blattner-Team, erfährt alles über Spirituosen, Bartending und den Umgang mit Gästen. Danach verschlägt es ihn zu Peter Roth in die Kronenhalle Bar, um 2014 ins Widder-Team unter der Ägide von Dirk Hany zurückzukehren.

Triumvirat des Wissens

Vergleichen will Bandak seine ehemaligen Vorgesetzten nicht. Peter Roth sei stets die Ruhe in Person, Dirk Hany äußerst kreativ und in Partylaune gewesen, aber Markus Blattner habe ihn mit seiner Autorität und seinem umfassenden Wissen am meisten geprägt. Nur in einer Sache kann er die Charakterköpfe vergleichen. „Alle drei sind einzigartige Fachmänner. Gemeinsam würden sie den perfekten Bartender ergeben“, sagt Bandak, der seit 10. Februar als Barchef der Widder Garage mit einem fünfköpfigen Mitarbeiterteam ein neues, temporäres Kapitel der vielfach ausgezeichneten Widder Bar bestreitet.

Diese wurde zu Jahresanfang wegen Renovierung geschlossen und soll Ende September 2017 wieder eröffnen. Dann soll sie zu einem integrierten Bestandteil eines Gesamtkonzepts auf zwei Hotel-Etagen werden, Bar und Restaurant eine interaktive Einheit bilden, ein offener Treppenaufgang aus der Bar im Erdgeschoß in das darüber liegende Restaurant in eine lukullische Erlebniswelt führen.

Bis dahin müssen sich von der Pianomusik verwöhnte Stammgäste der „alten Bar“ auf das hippe Pop-Up-Konzept von Sami Khouri im Augustinerhof einstellen. Eine Glitzerkugel beleuchtet Regale mit Schallplatten und Schallplattenspieler für Gäste als DJs, Teppiche befinden sich vor gemütlichen Ledersitzen abseits der Bar, Industrielampen versorgen den mit Klaviertastaturen untermauerten Bartresen mit Licht, nur die Widder-Figur aus Holz erinnert an die Hotelbar. DJs bei „After Shopping A Party“ (ASAP) oder „Out Of Office“ (OOO) erzeugen Club-Atmosphäre im sonst eher ruhigen Büroviertel und werden vor allem ein jüngeres Publikum bis drei Uhr morgens an den Wochenenden anziehen.

David Bandak: Darauf vorbereitet, schnell zu agieren

„Die Renovierung war notwendig, die Leute sollen den neuen Schritt des Widder sehen“, sagt David Bandak, der in seiner Funktion als Barchef gleich mal die in Schallplatten-Cover eingefassten und daher jeweils unikaten Barkarten mit Platz für Gästekommentare den „abgefahrenen“ Umständen angepasst hat. Selbstredend sei, die bisherige Qualität auf allen Ebenen zu halten. „Wir sind immer noch die Widder Bar und darauf vorbereitet, schnell zu agieren“, sagt er stolz.

Neben dem nahezu kompletten Whisky- und Single Malt-Kapitel führt die Karte die eigens kreierte Garagen-Bowle aus Rum, Früchten und Champagner, sowie Cocktails, Gin-,  Vodka-, Cognac- und eine kleine Snack-Selektion, Turicum Gin hat eine auf 200 Stück limitierte Jazz Infused Gin-Sonderedition beigesteuert. „Neu ist aber ein entworfenes Highball-Konzept“, erklärt der experimentierfreudige Schöpfer eines Widder Inferno oder Ramon’s Highball.

Lediglich Vintage-Gläser favorisiert er noch für seine Bar. Bandak hat nicht vor, wie bisher in der Widder Bar geschehen, die Karte monatlich zu wechseln. „Das finde ich auch für Gäste schwierig, wenn sie wiederkehren und ihren Drink nicht mehr auf der Karte finden“, erklärt er das Vorhaben, erst wieder im Frühjahr neue Cocktails zu kreieren, wenn sich „Chef-Position“ und Teamarbeit eingespielt haben und Stamm- sowie andere Gäste sich eingefunden haben.

Offene Option

„Prinzipiell soll sich aber jeder Gast bei uns wohlfühlen. Es soll nicht nur heißen, man geht in die Widder Garage, sondern zu David und seinem Team“, betont der Neo-Barchef die Bedeutung des Gastgeberdaseins. Nach Möglichkeit solle ein Gast bekommen, was er sich wünscht. „Wir sind der Philosophie des Fünfsternhotels entsprechend darauf vorbereitet, alles zu machen“, sagt der Wahlschweizer, der sich in der kleinen, gut vernetzten Bartender-Community der Limmatstadt wohlfühlt.

Unterstützt wird er als Gastgeber von Raphael Vasquez, der kürzlich das Schweiz-Finale des Diplomático World Tournament gewonnen hat. Bandak, selbst ehemaliger World Class- und Bacardi Legacy-Finalist der Schweiz, findet keine Zeit mehr für Wettbewerbe, wohl aber Unterstützung für sein Team. „Mein Wettbewerb findet in der Garage statt“, begegnet er seiner neuen Herausforderung respektvoll, und will zeigen, „dass ich es kann.“ Sein Ansporn: Jeden Gast glücklich zu machen.

In acht Monaten könnten die in der umfunktionierten Garage zuvor geparkten Gäste-Limousinen wieder einziehen, denn das Projekt Widder Garage ist auf Zeit, nämlich bis zur Wiedereröffnung der Bar im Herbst 2017, angelegt. „Wir behalten uns aber die Option offen, die Garage als Bar oder Event-Location weiterzuführen“, verrät Direktor Jan E. Brucker. Trotzdem heißt es dann für David Bandak wieder aus- und einräumen, wenn die Bar Rennweg 7 bezieht.

Auf lange Sicht

Aber dieses Erfordernis hat er bereits gemeistert. „Das Umräumen – mein erstes Mal – und Koordinieren aller Abläufe waren nicht ganz einfach, und ich hatte auch davor großen Respekt“, resümiert Bandak. Diesen wird der Fan von Klößen mit Specksauce, „die am besten bei Mama schmecken“, auch beim geplanten Neubezug der Widder Bar wahren, denn aus heutiger Sicht sieht er sich auch in zehn Jahren noch dort – und hat seinen Vorgängern eines voraus: „Weder Markus noch Dirk haben jemals die gesamte Bar aus- und wieder eingeräumt.“

Photo credit: Foto via Widder Bar

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