Die Bar Marqués. Ein Stück Exklusivität in Kreuzberg.

Bars 23.10.2011 4 comments

Der Ruf der Marqués Bar hat sich aus der Bartender Szene seinen Weg in die Mixology Redaktion gebahnt. Das spanischen Marqués Restaurant wurde um eine Bar erweitert. Unterhalb der Tapas rührt Marcus Wolff seit Kurzem Klassiker der Cocktailgeschichte. MIXOLOGY ONLINE besuchte den edlen Fleck, der in der Mitte des Kreuzberger Kiezes gelegen ist und sprach mit dem Barchef über das Konzept.

Zwischen U-Bahnhof Schönleinstraße und Kottbusser Tor hat sich eine kleine feine  Bar im Kolonialstil angesiedelt. Nach einem kurzen Fußweg vom Kottbusser Tor über eine Brücke des Landwehrkanals biegen wir in die Graefestraße ein und befinden uns in einer typischen Kreuzberger Kiezgegend. Als Erstes strahlt einem die gelbe Leuchtreklame eines Discounters entgegen, die einem förmlich den Weg zum Spanier illuminiert. Neben einem Burgerladen und umgeben von Ramschgeschäften hat sich das Restaurant, das sich auf Tapas spezialisiert hat, mit einer gehobenen Küche niedergelassen und ist aus dem Kiez nicht mehr wegzudenken.

Aber wo soll hier das Barkonzept sein?

Die Bar kann man förmlich nur erahnen und findet sie nur auf Anhieb, wenn man weiß, wo sie sich befindet. Auf sich aufmerksam macht der Trinktempel nur durch ein rotes Licht im Schaufester des Restaurants. Wenn man sich also auf den Weg macht, sollte man die Augen lieber nach der gleichnamigen Gaststätte offenhalten. Betritt man nun diese und fragt nach der Bar,  wird man von freundlichem Servicepersonal in den Keller geschickt. Also machen wir uns auf den Weg, vorbei an einer Wand aus Flaschen über eine kleine Treppe in das Untergeschoss.

Uns erwartet ein kleiner Raum mit niedriger Deckenhöhe, von dem Barmann werden wir freundlich begrüßt.  Das Interieur erinnert an die englische Kolonialzeit. Große Sessel mit Samt bezogen, die das mattgrün der Wand widerspiegeln, dazu kleine antike Tischchen mit dünnen Füßen, die durch Kerzen in Glasflakons in Szene gesetzt werden. Überall Gemälde, ein großes Piano und ein Kamin zieren den Raum. Man könnte denken, dass man sich in einer anderen Zeit befindet. Wir lassen unsere Blicke nach der Bar schweifen und werden in dem übersichtlichen Raum schnell fündig. Ein kurzer Tresen beherbergt eine Stufenbackbar mit allerlei Köstlichkeiten. Hier durfte Barchef Wolff nach eigenen Angaben seinem Gusto freien Lauf lassen und sich eine exklusive Auswahl zusammenstellen.

Wir lassen uns in die Sessel fallen, die extra für uns durch geschickte und freundliche Umplatzierung eines  Pärchens durch den Barchef freigemacht wurden. Wir bekommen als Erstes ein Glas Wasser vorgesetzt, um unsere trockenen Kehlen zu befeuchten und werden von Wolff kompetent mit seiner Expertise zur Wahl der Getränke beraten. Daraufhin finden sich ein Rum Smash, ein Vodkamartini, ein altbewährter Gin&Tonic, ein Negroni und ein süffiges Bier aus Braunschweig auf unserem Tisch wieder. Alle sind glücklich oder doch nicht. Der Martini würde nicht wie bestellt mit Vodka, sondern mit Gin zubereitet. Ein kleiner Fauxpas, der sofort behoben wird. Hier kam wohl die unverrückbare Liebe der Bartender zum Wachholderdestillat automatisch zum Tragen. Die Drinks sind ausgewogen und werden zum Teil auf riesigen Eiswürfeln oder auch Eisbällen serviert. Gerade dieser weckt den Spieltrieb bei der weiblichen Begleitung. Zufrieden mit den Köstlichkeiten kommt ein schönes Gespräch auf und alle fühlen sich wohl. Diese traute Runde muss ich leider verlassen, denn ich will mit Marcus Wolff über das Konzept und die Geschichte hinter diesem Kleinod sprechen.

Aus einem Gerümpelkeller entsteht die Oase.

Nach Angaben des Bartenders ist die Marqués Bar der zweite Anlauf des Besitzers Rene Maschkiwitz eine Bar in Kreuzberg nach seiner Vorstellung zu etablieren. Ungefähr ein dreiviertel Jahr war Maschkiwitz schon Chef der nicht weit entfernten Bar in der Mariannenstraße, hat diese aber wieder abgeben, da sie nicht seinen Visionen entsprach. Dies lag nach eigenen Angaben vor allem am Publikum, das ihm zu kiezig war. Nun hat er sich also seinen Wunsch, sein Restaurant um diese kleine feine Bar zu erweitern verwirklicht und dafür seinen Keller entrümpelt. Damit will er genauso wie mit seinem Restaurant nicht das kieztypische Klientel ansprechen. „Wir wollen Publikum, das einen guten Drink schätzt und auch bereit ist diesen angemessen zu bezahlen“, so Wolff.

Dieses Konzept spiegelt sich auch in der Karte wieder. Shortdrinks, also starke Cocktails mit wenig Saft prägen die Auswahl. Ein Highlight sind die verschiedenen Martinivariationen, die angeboten werden. Dafür hat sich der Barchef auch eine eigene antike Station eingerichtet, wo dieser Klassiker gerührt wird. Besonders stolz ist Wolff auch auf seine drei offenen Champagners, die dem Gast zur Wahl stehen. Natürlich muss er für diese exklusive Auswahl, die für Kreuzberg wahrlich unüblich ist, auch kiezuntypische Preise zahlen. Cocktails beginnen bei 10 Euro und Longdrinks sind ab 9 Euro zu haben. Die Preise sind aber angemessen, da exzellente Spirituosen verwendet werden und das ganze Programm von vorne bis hinten stimmt.

Wie sieht die Zukunft aus?

Wolff zeigt sich sehr zufrieden mit der Entwicklung bisher. „Mein Netzwerk hat funktioniert und viele Bartender waren  schon zu Besuch. Vor allem das Digestif-Geschäft ist schon sehr gut angelaufen.“ Für die Zukunft ist auch geplant an starken Tagen einen Pianospieler zu engagieren, der den Raum in einen Klangteppich einwickeln soll. In ferner Zukunft ist auch noch eine räumliche Erweiterung geplant, dazu soll der Keller noch weiter ausgebaut werden.

„Wir wollen unter die 10 besten Bars in Berlin kommen  und uns mit dem Rum Trader oder dem Lebensstern messen lassen“, so Wolff. Ob dies erreicht werden kann, wird die Zeit zeigen, das Potenzial dafür ist vorhanden und zudem ist so ein Ranking oft auch sehr subjektiv und kommt auf die Stimmung an. Eine Reise in den Kreuzberger Keller mit Britischem Kolonienzeiten Flair ist aber auf jeden Fall zu empfehlen.

 

Bar Marqués

Graefestraße 92

10967 Berlin(Kreuzberg)

Öffnungszeiten: Di-Sa ab 19 Uhr

 

U-Bahn: Schönleinstraße

Rauchen: ja

EC- und Kreditkarte: nein

 

Essen:  Restaurant über der Bar.

facebook

4 comments

  1. Pingback: The Marques |

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Ähnliche Artikel