Die Chapel Bar in Berlin-Friedrichshain.

Bars 23.8.2011 3 comments

Es ist noch nicht lange her, da hat sich MIXOLOGY ONLINE auf den Weg nach Friedrichshain gemacht, um sich von einer neu eröffneten Qualitätsbar – der Booze Bar Berlin – überzeugen zu lassen. Damals wurde zelebriert, dass in diesem vom Tourismus geschwängerten Kiez endlich eine Bar eröffnete, deren Konzept sich der Qualität verschrieben hat. Nun folgt die Chapel Bar, der ein guter Ruf vorauseilt.

„Ganz in der Nähe des Ostkreuzes, in der Sonntagsstraße 30, hebt sich eine Cocktailbar von ihrer Umgebung ab“, wurde gemunkelt. Also packte die Redaktion ihre sieben Sachen und pilgerte Richtung Kapelle.

Von außen ist der Unterschied zu den restlichen Trinkstätten dieser Straße nicht prägnant. Schwarze, schlichte Markisen überdachen die Außenbestuhlung. Runde Tischchen mit je zwei Stühlen sind für das gemütliche Beisammensein in enger Runde bereitgestellt. Auf der linken und rechten Seite ergänzen Vierertische aus Standard-Gartenmobiliar den Außenbereich. Obwohl kein Logo an der Wand prangt und sich das Außenleben nur mäßig von dem der Nachbarn unterscheidet, weiß man nach einem flüchtigen Blick ins Innere genau, dass das Ziel erreicht ist. Ein paar Kabel hängen lose und ohne Lichtkugel am Ende aus der Wand – die Betreiber sind noch am finalisieren, das wird auf den ersten Blick klar. Die sonst praktizierte Reizüberflutung in der Straße hält vor dieser Fassade kurz inne. Hier muss also mehr als nur Oberflächlichkeit geboten werden.

Moderne trifft auf 50er-Jahre Barock

Der Gast tritt ein und sieht sich um. Es ist still. Der Bartender nickt schweigend. Der Kopf braucht nicht gedreht zu werden, denn die Augen bleiben an der Bar hängen. Es ist nicht ein dominierendes Rückbuffet, das den Blick auf sich zieht, sondern die Gestaltung. Die Flaschen werden in einem in die Wand eingelassenen Kubus ausgestellt und mit weißem Licht illuminiert. Der Tresen wird durch eine orange Bodenbeleuchtung zum Schweben gebracht. Unter der Decke verläuft ein Vorsprung, auf dem sich noch weitere Elixiere, in Reih und Glied aufgestellt, dem Gast präsentieren. An dieser Bar soll der Durst gestillt werden. Doch dazu später mehr.

An der Fensterfront, die an diesem warmen Abend geöffnet ist, können sich die erschöpften Geister niederlassen. Auf dem holzigen Bord kommt der Gast zum Stillstand und streckt die Beine unter den Tisch. Für Raucher ist hier die Grenze. Eine Grauzone.

Während sich vis-à-vis des Tresens eine moderne, loungeähnliche Einrichtung präsentiert, bieten sich in der anderen Raumhälfte eher Wohnzimmermöbel aus zweiter Hand zur Erholung an. Die Wände sind hier mit dunklen und raumvertiefenden Malereien geschmückt, ein wunderschöner Kronleuchter taucht diesen Teil der Bar in ein mystisches Licht und lädt die Besucher ein, sich in den massiven Sesseln gehen zu lassen.

Ab Ende August wird ein zweiter Raum den Innenbereich der Chapel Bar um 70 qm erweitern. Dieser wird einerseits in den täglichen Barbetrieb als Raucherabteil integriert und steht andererseits für geschlossene Veranstaltungen zur Vermietung bereit. Letzteres löst ein weitverbreitetes Problem, das oft in kleineren, einräumigen Bars auftritt. Während die für den Betreiber durchaus lukrative geschlossene Gesellschaft die Bar belagert, bleibt den Stammkunden nur das Umsiedeln zu einer anderen Quelle.

Das Steckenpferd lässt sich blicken

Doch wir sind nicht da, um uns endlos mit der Innenarchitektur auseinanderzusetzen, sondern um unsere Stethoskope in die Gläser zu hängen, um die Qualität des Gerührten und Geschüttelten auf Herz und Nieren zu untersuchen.

Der Barchef Michael Blair lässt nicht lange auf sich warten und legt die schöne Barkarte geöffnet in unsere Hände – der Dame zuerst. Hier verrät sich die Schule des Gentlemans, der sich der Spiritus Rector der Kapelle, Smiley Baldwin, einer der höflichsten aber auch dezidiertesten Nachtwerker Berlins, verschrieben hat. Blair ist zwar erst seit einem Jahr in Berlin, doch ist er nicht minder pompös auf der Berliner Gastrobühne erschienen. Als Bartender der ersten Stunde im Szeneclubs Asphalt und der Catwalk Bar des Marriott Hotels hat der neue Kapellmeister eine ansehnliche Jahreskadenz.

Die ersten Seiten werden von einer feinen Auswahl an Cocktails dekoriert. Eine Seite, eine Preisklasse – aufsteigend. In einer Rubrik „Walk of Shame“ findet der Suchende zwar fruchtig-saftige Cocktails, kann aber in Anbetracht des Titels, beim Bestellen nicht mit Anerkennung des Bartenders rechnen. In dieser Barkarte steht der Zeiger zwischen Klassik und Moderne.

Das Flüssige überzeugt

Die MIXOLOGY ONLINE Redaktion probierte mehrere dieser Angebote aus und wird durch die Bank überzeugt. Gin Smash, mit geschüttelter Minze, wird in einem gefrosteten Glas serviert, die Ingredienz umwässert einen Eiswürfel, mächtig wie ein Eisberg. Dadurch trügt der Schein der Quantität, dafür bleibt der Drink bis zum letzten Schluck eiskalt – dieses Opfer bringt man doch gerne. Die Minze steigt direkt in den Kopf und lässt den Durstigen für einen kurzen Moment glauben, etwas Gesundes zu trinken. Auch der Tequila Old Fashioned stößt beim Verkoster auf Begeisterung.

Beim Bestellen eines Tanqueray Ten Tonic, der bestimmt nicht als Flüssigcheck gedacht ist, trumpft der Tender mit Fachwissen auf. Obwohl wir eine Zitrone im Glas ordern, wird nach der überzeugenden Erklärung dem Bartender Vertrauen geschenkt und auf eine Grapefuitzeste umgeschwenkt. Zum Glück, denn es mundet, der herbe Bitterton wird vom Wachholder gleich ins Herz geschlossen. Auf neugierige Fragen folgen fachkundige Antworten. Den Geschmacksknospen wird auch bei den weiteren Bestellungen geschmeichelt. Die Konzepterklärung von Michael Blair „unser Steckenpferd sind die Cocktails“, war da schon fast überflüssig.

Die Chapel Bar lässt ihre Besucher auf eine angenehme Weise alleine. Man sitzt und genießt das Bestellte. Es steht kein gespieltes Unterhaltungsprogramm zur Verfügung. Entspannte Musik von Paul Kalkbrenners „Icke wieder“ umgibt die Gemüter und stimmt die Gäste auf eine noch folgende Party ein oder lockt mit Hingabe zum Schlummertrunk ein. Diese Bar ist Zwischenstopp und Endstation zugleich.

Noch scheint die Besucherfrequenz überschaubar, das kann nur daran liegen, dass sich die Menschen nicht trauen die Kirsche von der Torte zu picken. Dieser Zustand wird sich ändern, denn wer einmal da war, wird wieder kommen.

 

Chapel Bar

Sonntagstr. 30

10245 Berlin-Friedrichshain

Öffnungszeiten:

täglich von 18:00 Uhr

U/S  Bahn: Ostkreuz

 

Rauchen: Ja, Raucherbereich

chapelberlin.com

Facebook

 

3 comments

  1. Markus Lurch

    Also mal ehrlich.. der hintere Raum kann nicht genutzt werde (ich bin Raucher) weil angeblich die Nachbarn was dagegen haben weil es angeblich zu laut sei. Ansonsten, wenn man ins Netz schaut, findet man eine Seite „FIZZ“ wo die Bewertung nicht gerade gut aussieht für diese Bar.
    Desweiteren – schaut man in die benachbarten Bars etc. – die sind immer oder fast immer voll. Nur das Chapel kämpft um jeden einzelnen Gast.
    Die versprochenen Events und angebotenen Möglichkeiten für geschlossene Gesellschaften sind nicht gegeben – der Raucherbereich existiert nicht. Ansonsten sieht es da auch sehr düster aus vom Ambiente her. Da nutzt auch nicht der „Blinke“-Leuchter oder das der Tresen selbst was hermacht.

  2. Andreas

    Mal ein kurzes Statement von mir:
    Ich war vor gestern dabei als die Polizei anrückte weil die Musik zu laut war. Die Polizei kam nicht zu Unrecht und die Nachbarn haben sich nicht umsonst beschwert. Aber was dann abging war einfach nicht dem Ambiente, welches die Chapel-Bar vorgibt, würdig.

    Der Betreiber ist sowas von arrogant und uneinsichtig – hat die Polizei beschimpft und mit Anzeige gedroht. Nebenbei kam heraus, das der hintere Raum garnicht mehr ab 22 Uhr genutzt werden darf was der Betreiber ebenfalls nicht eingesehen hat. Auch hat der Betreiber auf´s übelste über die Nachbarn geschimpft das ich dachte ich bin im hinterletzten verdreckten Siffschuppen.

    Mich hat der Laden das letzte mal gesehen. Was da abgeht ist nicht mehr normal und mir tut nur der Barmann leid. Sein guter Ruf wird durch solche Aktionen ruiniert.

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