Bar Lugosi

Die Lugosi Bar in Berlin-Kreuzberg.

Bars 13.8.2011 2 comments

An der Ecke Reichenberger- und Manteuffelstraße befindet sich eine neue Oase. Zwischen Spätis und Pizzerien eröffnete vor einigen Wochen eine Trinkstätte mit einem interessanten Konzept. Die Lugosi Bar. Eine gute Ergänzung zum bestehenden Angebot im vitalen Bezirk Kreuzberg.

Von außen hebt sich die Bar noch nicht von der Umgebung ab. Gartenmöbel sind ordentlich unter mehreren Schirmen angeordnet. Der Außenbereich der sich im Eckhaus befindenden Bar bietet Platz für geschätzte 30 Personen.

Beim Eintreten spürt der Gast zunächst eine gewisse Kälte. Doch deren Ursprung ist nicht eine missgünstige Atmosphäre, die negativ auf dem Besucher wirkt, sondern sie wird durch die steinernen Wände erzeugt. Es ist innen einfach kühler als außen, was in der aktuellen Wettersituation in Berlin nicht unbedingt die Regel ist.

Beim Scannen der Räumlichkeit wird schnell klar, dass hier im Hintergrund eine Menge Arbeit investiert worden ist. So wie die aufwendigste Frisur diejenige ist, die nach 30 Minuten Werkeln so aussieht, als hätte man gar nicht in den Spiegel geschaut. Der Gast wird in diesem abgedunkelten Raum nicht von einem extravaganten Interieur abgelenkt, sondern er kann sich auf das konzentrieren, was die Intention seines Besuches ausmacht – trinken und sozialisieren. Purer Purismus.

Eine aus Gummi bestehende, mattenähnliche Getränkekarte geht mit der Idee des Einfachen, ja Spartanischen auf den Gast zu, ohne die Qualität außer Acht zu lassen. Gerundete Preise für einfach gute Getränke. Eine kleine Auswahl von Softdrinks, Bieren, Weinen und Spirituosen. Daneben eine Rubrik mit der Überschrift „Gerührt“. Wo in anderen Bars eine endlose Auswahl an Cocktails geboten wird, kann der Trinker hier nur zwischen wenigen Köstlichkeiten auswählen. Der Blick aufs Rückbuffet zeigt, dass dort das Konzept der durchdachten Reduktion konsequent verfolgt wird. „Wir wollen keine enorme Whiskyauswahl, die alle, außer dem Bartender und seinen Branchenkollegen, dumm aussehen lassen würde“, erkläret Behzad Karim Khani die Entscheidung für ein überschaubares Angebot. Holzkisten bieten den verschiedenen Spirituosenarten in der Backbar ein Heim. Beleuchtet werden die Alkoholika mit alten Nähmaschinenlampen, die so schwierig zu bekommen sind, dass noch einige Flaschen im Dunkeln stehen.

In den alten Räumen des „Café Effendi“, einer türkischen Teetrink- und Kartenspielerbude hat sich also eine neue Konzeptbar eingerichtet. Lugosi. Bela!

Die Ehe fängt mit der Scheidung an

Als MIXOLOGY ONLINE durch die Türe schritt, war der Raum noch menschenleer – wohl erst gerade geöffnet worden. Nur die beiden Betreiber, Behzad und Towi, standen am Tresen. Wir wurden sehr freundlich empfangen und sofort zu Tisch gebeten. Behzad setzte sich zu uns, während Towi die Bestellungen aufnahm.

Behzad erzählte die Geschichte der Bar – die Story von Towi und Behzad. Wie sie sich in der Küche des Fuchsbaus während 12-Stunden-Schichten kennen und schätzen lernten und wie sie auf die Idee kamen, diese Bar zu eröffnen. Die gastronomische Ehe der beiden fing mit einer Scheidung an. Pragmatisch haben die beiden Herren die Sache am Schopf gepackt und gingen als Erstes zum Anwalt, um diverse Exit-Strategien durchzudenken und rechtlich abzuklären. Was passiert wenn? Und was machen wir wenn nicht? Unangenehme Fragen, die sich so mache Partnerschaft zu spät gestellt hat, wurden bei ihnen vorab geklärt. Dadurch wurde ein klares Verhältnis geschaffen und die beiden können sich auf die Fehler konzentrieren, die sie sowieso machen müssen, um perfekt zu werden. Der Anfang wurde vom Ende her gedacht und entwickelt. Dann ging es los.

Behzad und Towi sind beide Künstler. Beide Schreiben. Der eine ein Buch, das in Kürze in Spanien veröffentlicht wird, der andere Drehbücher. Beide haben eine Schwäche für alte Filme. Behzad – übrigens ein Urgestein der legendären Bar 25 – erzählt uns, dass der Schwarzweißfilmstar aus den 20er und 30er Jahren, Bela Lugosi, der Bar den Namen gab. Lugosi, der als Graf Dracula 1931 seinen Durchbruch hatte, spielte in unzähligen Horrorfilmen mit und genießt heute, obwohl arm und vereinsamt gestorben, Kultstatus. Seine Art die Vampire als gut gekleideten Gentleman darzustellen findet man auch heute noch in anderen Gruselstreifen. Eine Persönlichkeit, die beide Betreiber fasziniert. Dazu war Lugosi ein dem Exzess in hingebungsvoller Leidenschaft verfallener Bargänger.

In der Gemütlichkeit verliert man die Haltung

Doch welches Gästesegment trifft man im Hause Lugosi an? Aufgrund der zu früher Stunde nur tröpfchenweise eintreffenden Gäste ist kein Besuchermuster zu erkennen. Eine Frau sitzt mürrisch in der Ecke und schlürft Kaffee. Ein anderer Gasts, ziemlich speziell gekleidet und mit Fächer ausgerüstet, flirtet mit dem Hund des Betreibers. Eine Gruppe Mädchen amüsiert sich im Außenbereich. Kein Muster erkennbar, wir müssen nachfragen. „Den Schneeball, den wir ins Rollen gebracht haben, war schon ziemlich groß.“ Von den Gästen zählen viele zum Bekanntenkreis der Betreiber, doch weitet sich die Kundschaft immer weiter aus. „Zwar langsam, aber dafür ehrlich“, beschreibt Behzad die Entwicklung der Kundschaft.

„Wir sind keine Studentenbar und auch keine Chillout-Bar. Denn in der Gemütlichkeit verliert man die Haltung!“ Eine klare Ansage. Die Tische und Stühle sind zwar bequem, doch es wird nicht gelounched. Keine Sofas, die zum Rumträumen dastehen, keine inflationäre und langweilige Sperrmüllatmosphäre, die man sonst so häufig antrifft. Die Gäste sitzen sich an Tischen gegenüber und sprechen miteinander. Dazu wird getrunken. Kein Wireless oder sonstiger Schnickschnack. So muss es in einer Bar sein.

An den Wochenendtagen wird vom Tresen aus aufgelegt. Es wird lauter und wilder. Keine peinlichen Tresentänze, aber durchaus amüsant für alle Anwesenden.

In einem weiteren Raum wird noch gearbeitet. Es soll eine Küche entstehen in der Gästeköche für ein eingeladenes Publikum kochen – eine Art Showroom und Experimentierfeld. Ob das eine Geburtstagsfeier oder ein Familientreffen ist, spielt in diesem Fall keine Rolle und ist auch noch nicht definiert. Klar ist: Die Lugosi Bar möchte nicht in die Liga der Restaurants einsteigen, die ein regelmäßiges Menu anbieten.

Die im Juni eröffnete Bar füllt eine Angebotslücke in der Umgebung. Mit dem kompetenten Betreiberduo wird sie es wahrscheinlich auch weit bringen. Die Lugosi Bar hat ein Konzept. Wem das nicht zusagt, wird nicht lange verweilen. Doch wer den unkomplizierten Charakter zu schätzen weiß, wird wiederkommen, um sich in einer Bar die nur Bar sein will, gehen zu lassen.

 

Lugosi Bar

Reichenberger Straße 152

10999 Berlin

Öffnungszeiten:

täglich von 18:00 bis 03:00

U Bahn: U12 Görlitzerbahnhof

 

Rauchen: Ja

 

2 comments

  1. franz

    schönes handy-foto! ;-) ich kann leider nicht genau erkennen, wo die bar anfängt und wo sie wieder aufhört, aber ist bestimmt gemütlich da.

  2. Ich

    Die angegebene PLZ ist falsch. Das ist in 10999, wenn ich mich nicht irre.

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