Die Trinkhalle ist tot. Von einer jesushaften Auferstehung, die doch keine ist.

Bars 18.1.2013

Die legendäre Münchner Bar „Trinkhalle“ ist wieder da! Aber nur vorübergehend. Das Buch Trinkhalle soll demnächst für immer geschlossen werden, auch wenn Oliver von Carnap es vorübergehend wieder aufschlägt und ein paar alte Gesichter aus der Trinkhalle um sich geschart hat. „Trinkhalle im Exil“ steht auf den Flyern. Das soll der letzte Auftritt unter dieser Flagge sein.

MIXOLOGY im Gespräch mit von Carnap, der im letzten Jahr in einige Projekte involviert war, die seiner Aussage nach teils großartig waren, für die er teils aber auch „böse Lehrgeld (habe) zahlen müssen“. Ganz sicher nicht für sein Engagement im „Hotel Lux“ oder bei seinem Gastspiel beim Londoner „Pret à Diner“, bei dem er zusammen mit Stephan Hinz die Gäste mit ungewöhnlichen Cocktailkreationen überraschte, beeilt er sich zu versichern.

Nun also die Bar, die in den Räumen des ehemaligen „Cord Club“ ein zu Hause bekommt. Mitten auf der Münchner Sonnenstraße, der Feiermeile der bayrischen Hauptstadt. Sorge, dass das Publikum das hier sonst unterwegs ist, seinem Konzept einen Strich durch die Rechnung machen könnte, hat von Carnap dabei nicht: „Man muss mit einem freundlichen Türsteher arbeiten, was ungewöhnlich ist für München. Einer, der dem Gast erklärt, dass es keine elektronische Musik geben wird, dafür aber Funk, Soul und R&B gepaart mit exklusiven Cocktails.“

Die Location hat etwas Einzigartiges. Mit einer großen Glasfront zur geschäftigen Sonnenstraße hin lässt sie das Gefühl von Großstadt erahnen. Und von Carnap schwärmt schon jetzt von dem Gedanken, einem Gast an der Bar einen Sazerac servieren zu können mit diesem großartigen Ausblick. Allerdings wird es bis zu diesem Augenblick noch eine Weile dauern.

Eine Bar ist eine Bar ist eine Bar

Neben Klassikern, die es natürlich geben wird, stehen eigene Kreationen und ungewöhnliche Cocktails im Fokus. „Theatre Style“ umschreibt es der Barchef. Die Zubereitung des Cocktails unter Hilfe besonderer Methoden, die Blicke auf sich ziehen und den Besuch zu einem Erlebnis machen. Dies erfordere aber noch einen detaillierten Umbau der gesamten Location. Hier befinde man sich derzeit auch in Gesprächen mit Architekten, um einen möglichst sinnvollen Bauablauf zu garantieren.

Deswegen hat die Bar momentan auch nur von Donnerstag bis Samstag geöffnet. An den anderen Tagen sollen Arbeiten erledigt werden, die man auch bei laufendem Betrieb durchführen kann. In der Übergangszeit heißt das Ganze auch schlicht und ergreifend „BAR“. Mit diesen drei einfachen Buchstaben soll signalisiert werden, um was es geht. Vor allem denjenigen, die unter der Adresse bisher nur den Club kannten.

„Natürlich freuen wir uns, wenn der Laden voll ist, gut getrunken wird und die Leute gute Laune haben“, so von Carnap im Gespräch. „Aber wir zielen auf ein etwas älteres Publikum ab als der Club vor uns. Und es wird keine House-Musik gespielt oder eine der verwandten elektronischen Arten. Davon gibt es in München schließlich genug.“

Das erste Wochenende war ein grandioser Erfolg. Bis in die frühen Morgenstunden wurde mit vielen bekannten Gesichtern aus Zeiten der Trinkhalle gefeiert. Ehemalige Kollegen servierten Drinks, überwiegend bekannt aus der alten Wirkungsstätte und zelebrierten mit Oliver von Carnap und Gästen den Neustart. Viele sprachen schon von der neuen Trinkhalle, die endlich wieder aufmachen würde.

Dem schiebt von Carnap aber direkt einen Riegel vor: „Die Trinkhalle ist tot. Und bis auf die paar Wochenenden jetzt wird sie das auch bleiben.“ Dafür ist die neue Location auch zu anders, zu groß. Dennoch sollen, wie damals, Maßstäbe gesetzt werden. „Es juckt mich schon in den Fingern, neue Cocktailtrends aufzugreifen.“ Und auch, wenn noch vieles nicht endgültig entschieden ist, so steht eines fest: Den neuen Mainstream wird er nicht mitgehen: „Auch wenn es unter der Woche keinen Türsteher gibt – klingeln muss niemand! Eine Bar ist schliesslich ein weitestgehend öffentlicher Raum!“ Und wie es sich für eine Bar gehört, verlangt man keinen Eintritt.

 

Nachtrag: Für diejenigen unserer Leser, die  „Die Trinkhalle“ nicht kennen: Oliver von Carnap gewann mit dieser Bar im Jahr 2009 den Award für das „Barteam des Jahres“. Heute residiert an selber Stelle die „Zephyr Bar“.

 

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Foto: Marco Beier

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