AUF WIDDERSEHEN: DIRK HANY VERLÄSST ZÜRICH

Bars 29.11.2016

Die Gerüchteküche brodelte, nun ist die Katze aus dem Sack: Anfang Februar 2017 verlässt Dirk Hany die preisgekrönte Widder Bar. Den Schweizer verschlägt es als Prestige Manager zu Pernod Ricard, die Widder Bar selbst wird umgebaut und startet unter der Ägide seines bisherigen Stellvertreters David Bandak ein neunmonatiges Provisorium. Aber lassen wir den Noch-Bar-Chef am besten selbst erzählen.

„Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“, äußert sich Widder Bar-Chef Dirk Hany zu seiner „wohl überlegten, bewussten“ Entscheidung, sich von der Hotelbar des Fünfstern-Betriebs am zentralen Züricher Rennweg zu trennen und auch sein Leben hinter dem Tresen vorerst aufzugeben. Dennoch verlasse der 33-Jährige die 1995 eröffnete Widder Bar mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ein toller Arbeitsplatz mit einem tollen Arbeitgeber und einem super Team können den gebürtigen Südafrikaner mit Schweizer Pass nicht halten.

„In den vergangenen drei Jahren haben wir hart am Erfolg der Bar gearbeitet, sehr viel Kraft und Zeit investiert. Darauf bin ich sehr stolz“, schätzt Hany sich glücklich. Die zweimalige Auszeichnung zur besten Schweizer Bar bei den vergangenen beiden MIXOLOGY BAR AWARDS hat die Widder Bar Dirk Hany und seinem Team zu verdanken.

MEHR ZEIT FÜR PRIVATES

Nun beginne für den Zürcher ein neuer, ruhigerer Abschnitt, der mehr Zeit für seine Frau Meret sowie Freunde zulässt und die Familienplanung entsprechender gestalten lässt. Außerdem will Hany „sowohl beruflich als auch persönlich noch mehr erleben“, sucht und freut sich auf die neue Herausforderung bei einem früheren Arbeitgeber.

Dirk Hany kehrt „zurück zur Familie“ und wird ab Februar als Prestige Manager von Pernod Ricard die Fünfstern-Hotellerie und gehobene Bar-Szenerie in und rund um Luzern, Basel und Bern in Sachen Champagner und Prestige Selection mit seinem Know-How beraten. Somit bleibt er der Barkultur ein wenig erhalten. „Ich arbeite zwar nicht mehr hinter, dafür aber neben der Bar, unterrichte und bin gerne für andere da.“

Bevor Hany im Dezember 2013 in der Widder Bar begonnen hatte, agierte er mehr als vier Jahre lang als Brand Ambassador des französischen Spirituosengiganten für Marken wie Lillet oder Beefeater. Für seine neue berufliche Herausforderung verlassen er und Meret Stadt und Kanton Zürich, um für Hanys Zuständigkeitsbereich nach Luzern zu übersiedeln. „Wir haben beide dort studiert und uns auch dort kennengelernt“, ist Luzern für Dirk Hany kein Neuland.

Die Barkultur bleibe seine Leidenschaft. „Ich bin dafür geboren. Hinter dem Tresen, davor oder daneben“, ist sich der gelernte Koch mit dem Faible für die „flüssige Küche“ sicher. Wenn er seinen Arbeitsplatz nochmals hinter die Bar verlegen wird, dann muss sein Wunsch in Erfüllung gehen. „Die Traum-Bar steht noch aus“, sagt er und präzisiert: „Ein Boutique-Hotel mit Restaurant und Bar, das Meret und ich gemeinsam leiten und das Kontakt und Nähe zu den Gästen zulässt.“

MEER UND MOLESKINE

Wo sich ein solches befinden könnte, sei natürlich noch offen. Er könne sich aber vieles vorstellen: „Es gibt so viele schöne Plätze auf der Erde. Da ich aber in Südafrika aufgewachsen bin, wäre es für mich am Meer traumhaft!“ Ideen hält der Sammler und Träger von durchaus auch ausgefallenen Manschettenknöpfen wie Schreibmaschinentasten mit seinen Initialen in unzählbaren Moleskine-Büchern fest. „Ich versuche Geschmäcker, Konzepte und interessante Dinge so gut es geht aufzuzeichnen, mache Notizen oder klebe Bildausschnitte ein“, sagt der eidgenössisch geprüfte Hotelier.

Wenn Dirk Hany im Februar Zürich verlassen wird, übernimmt sein bisheriger Stellvertreter David Bandak das Bar-Ruder. Bestimmt in gewohnter, bester Manier, allerdings zu Beginn nicht im Stammhaus in der Altstadt, denn die Widder Bar wird zwecks Renovierung geschlossen. Während dieser geplanten neun Monate wird sie mit ihrer gesamten „flüssigen Bibliothek“ mit mehr als 400 Whiskys in ein Provisorium in der Nähe übersiedeln. Das provisorische Bar-Konzept erhält einen eigenen Namen, Logo und Branding und soll dann öffnen, wenn die Widder Bar am 9. Januar 2017 schließen wird.

Das Provisorium befinde sich „gleich um’s Eck. Eigentlich muss man nur einmal umfallen, und man ist schon dort“, sagt Rene Bruggraber, Marketingmanager im Widder Hotel. Der Gerüchteküche zufolge könne sich diese Barinstitution in der haus- und hoteleigenen Party- und Veranstaltungsgarage befinden. Doch vorerst muss es bei diesem und anderen Gerüchten bleiben. Denn bezüglich der Standortwahl hält sich das Widder Hotel zum jetzigen Zeitpunkt noch bedeckt und möchte außer der Nähe zur bisherigen Bar noch keine weiteren Informationen preisgeben. Erst in Kürze werde das Konzept vorgestellt. Mit Sicherheit sei noch verraten, dass es sich in keinem Falle um irgendeine Container-Kneipe handelt, „sondern wir mit diesem Projekt den hohen Ansprüchen unserer Kunden gerecht werden“, so René Bruggraber.

EINE NEUE ERLEBNISWELT

Mitte September nächsten Jahres soll sich das liquide Antiquariat der Widder Bar mit sämtlichen Neuerscheinungen und umfangreichem Spirituosenangebot wieder in gewohnter, restaurierter Umgebung befinden. Die dann 22 Jahre alte Bar soll nach der Neugestaltung mit einem innovativen Raumkonzept eröffnen. Die Wand, die sich gegenüber der „Spirits Library“ befindet und deren Sitzbank zur Gänze und durchgehend in rotes Leder gehüllt ist, soll abgetragen werden. Nur wenige unter Denkmalschutz stehende Deckenelemente im Hause der ehemaligen Metzgerzunft sollen dem Deckengefüge entnommen werden. „Wir werden die Welt nicht neu erfinden“, meint Rene Bruggraber.

„Aber Bar und Restaurant werden, wie man es beispielsweise aus London oder New York kennt, auch durch das Schaffen von Sichtelementen zu dem darüber gelegenen Restaurant miteinander verbunden sein, sollen eine Einheit bilden“, skizziert Dirk Hany ein noch nicht präsentiertes Gesamtkonzept.

Ein verlängerter Bar-Tresen, mehr Plätze, ein Licht-, Musik- und Food-Konzept als Bestandteile einer neuen Widder-Erlebniswelt. Und die Arbeit an der Bar selbst soll durch eine hochprofessionelle, technische Neuausstattung dementsprechend von der Hand gehen. Vielleicht ist es so, „dass die Widder Bar dann als Newcomer des Jahres nominiert wird“, sagt Dirk Hany, der bis zu seinem Wechsel ins ruhigere Fach noch am Rennweg anzutreffen sein wird. Schließlich muss der Chef seine Schäfchen noch ins (hoffentlich nicht allzu) Trockene bringen.

Photo credit: Foto via Widder Bar.

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