Falco torini

Falco Torini – Kommunikation ist keine Einbahnstraße

Bars 18.9.2017

Zufälle, Neugierde und viel Fleiß ließen Falco Torini in knapp drei Jahren zum Bartender reifen. Zu Besuch beim Head-Bartender der Wiener Miranda Bar, der eher zufällig zum österreichischen Sieger der World Class avancierte.

Diese Geschichte beginnt zwar in der Küche, doch es wird keine Erzählung vom Aufstieg aus den heißen Prep-Räumen in den coolen Bar-Raum. Denn die ersten Schritte, die Falco Torini als 17-Jähriger unternimmt, sollen vor allem Taschengeld bringen. Zwar schnuppert er auch in die Bar hinein, doch erinnerlich ist ihm von dieser Zeit vor allem „der Team-Spirit, der hat mich fasziniert“. Mehr allerdings lockt nach dem freiwilligen Sozialjahr die Kommunikationswissenschaft. An der Uni Wien inskribiert Torini das Fach, das hier immer noch „Publizistik“ genannt wird. Gejobbt wird weiter, diesmal im Landstein im Dritten Bezirk. Und das Bar-Restaurant um die Ecke von Falcos Wohnung wird zum Grundstein einer flüssigen Karriere.

„Derjenige, der immer Weinschorle trank, sollte plötzlich Wein-Empfehlungen geben“ – was einfacher klingt, angesichts des riesigen Kellerbestands im Landstein, aber ein Grund dafür ist, was Falco Torini „reinfuchsen“ nennt. Kaum hat er das Weinkellner-Wissen intus, entschließen sich die Besitzer auch noch, die Spirituosen drastisch aufzustocken. Aktuell sind es 1.500, doch auch anno 2013 will es der Student nach den Proseminaren noch genau wissen, was da auf der Karte steht. „Ich wollte dem Gast etwas empfehlen können“, erinnert sich Torini, dessen Budget erst einmal für eine Bar-Bibliothek drauf geht.

Falco Torinis Trink-Privatissimum mit Ben und Mo

Den Theorie-Blöcken folgte ein Privatissimum bei Ben Koch und Mo Kaba. „Nächtelang bin ich in der Eberts Bar gesessen und habe den beiden ein Loch in den Bauch gefragt“, grinst Falco Torini. Der Bekanntschaft mit Koch verdankt sich auch die Initiation in die Wiener Bartender-Szene. „Er hat mich zu Tastings mitgenommen und Leuten vorgestellt.“

Es ist diese Mischung aus Arbeitsethos und Neugierde, die letzten Endes in einem Engagement in der Wiener Puff Bar mündet. Das ehemalige Etablissement wird für kurze Zeit die Wirkungsstätte des Siegeners, der aber eigentlich auf gepackten Koffern sitzt. Nach dem Bachelor soll es ins Ausland gehen, um dort weiter Kommunikation zu studieren. Allerdings eröffnet in dieser Zeit die Miranda Bar. Ein erstes Angebot schlägt Torini aus, der erste Besuch in der von der Architekten-Gruppe Tzou Lubroth geplanten Bar wirft die Studienpläne aber über den Haufen.

Gut fühlen im Gesamtkonzept

Denn Konzepte, Gesamtkunstwerke, sie faszinieren Falco Torini. „Wenn in einer Bar alles zusammenpasst“, lebt der 26-Jährige auf. Und die neue Stelle wird es auch sein, „die dann alles verändert hat“. Denn nachdem die neue Bar die Vorausscheidung zur World Class 2016 ausrichtet, soll auch ein Signature präsentiert werden. Er kommt von Torini. Und er kommt an. So gut, dass er eingereicht wird und den Westfalen in Wien ins Finale bringt. „Nach eineinhalb Jahren am Brett hat die Community quasi für mich entschieden, dass ich Bartender werde“, lacht Falco Torini bei einer Zigarette im Le Troquet. Die gechillte Franzosen-Bar im 7. Bezirk ist ein Ort, in dem er sich wohl fühlt. Denn privat geht der ehemalige Student auch gerne einmal auf ein Bier.

Gastgeber zu sein, versucht Falco Torini eine Definition seines Tuns, „bedeutet vor allem, die Gäste abzuholen und zu schauen, was sie mit Freude trinken wollen“. Hier helfen Kleinigkeiten, wenn es um das Beziehungs-Ohr, wie das Kommunikationstheorie-Klassiker Schulz von Thun wohl genannt hätte, geht: „Bei unseren Drinks ist immer ein Bild des Glases dabei. So gibt es keine Überraschungen, wenn eine Cocktailschale serviert wird.“ Denn die Miranda will nicht nur Trinkstätte sein, sondern vor allem Wohlfühl-Ort. Insofern legt Torini auch den Head Bartender als primus inter pares an. „Alle arbeiten an der Karte mit“, lautet etwa eine Maxime in der Wiener Bar. Fragen von neuen Mitarbeitern sind immer willkommen, denn am Kommunikationsort Bar sollte man schließlich auch die Antworten kennen, wenn der Gast sich für die Drinks interessiert.

FALCO TORINI IST KÖRPERSPRACHLER WIE WARENKUNDLER

Es mag angesichts des Bachelor-Studiums flach klingen: Doch Falco Torini versteht den Bar-Job in erster Linie als Kommunikationsberuf. Denn so fix er zu den Bargrößen an der Donau gehört, so kokettiert er damit, „später einmal meine beiden Leidenschaften zu vereinen“. Ambitionen auf Brand Ambassador sind nicht ausgeschlossen. Eine eigene „Falco“-Bar, in Wien dank des musikalischen Namensvetters ein Selbstläufer, hingegen schon. „Ich setze gerne etwas um oder bereite Ideen auf“, fasziniert Torini vor allem die täglich neue Interaktion mit dem Gast. Der wird zunächst einmal „gelesen“. Seine Körpersprache entscheidet darüber mit, „ob er zuerst ein Glas Wasser bekommt oder wir ihm die Karte reichen“. Wer mit einer Po-Backe noch im Meeting sitzt, das Ohr noch am Mobiltelefon hat, braucht schließlich keinen Vortrag über Signature Drinks.

Wie überhaupt der Ball etwas flacher gehalten werden kann in der Cocktailszene, wenn es nach dem 26-Jährigen geht. „Drei Komponenten reichen für einen guten Drink ja grundsätzlich.“ Allerdings sollte man – da sind wir wieder bei der Warenkunde – diese drei Ingredienzen auch kennen. Insofern stehen die schwarzen Kostgläser in der Esterházygasse immer in Griffweite. „Man sollte nicht glauben, wie wenige Leute Campari in so einem Glas nicht erkennen“, wundert sich Falco Torini. Aber erst wenn die Grundgeschmäcker „sitzen“, sollte man sich einen Twist auf die klassischen Rezepturen gönnen – als Gast wie als Bartender. Denn, um ein letztes Mal die Theorie zu bemühen: Kommunikation ist keine Einbahnstraße.

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