Ferhat Akbiyik im Gespräch

Bars 18.5.2015

Der gebürtige Türke Ferhat Akbiyik kam durch die Hotelfachschule zur Bar und merkte schnell, dass er hinter dem Tresen zu Hause ist. Nach verschiedenen Stationen in Istanbul und Berlin ist er inzwischen stolzer Besitzer seiner eigenen Bar in Kreuzberg. Liv Fleischhacker hat mit ihm gesprochen.

An einem frühen Montagnachmittag schlummert Kreuzbergs Prinzipal im spärlichen Sonnenlicht, und alle drei Geschäftspartner sind dabei, die Bar für den heutigen Tag aufzuräumen. Beim Betreten fällt einem sofort das dunkle Ambiente auf, die leichten Gerüche von Rauch und frischen Blumen, die sich in der Luft vermischen und der Glitzer, welcher sich nach einer vermutlich ausgelassenen Feier auf dem Fußboden verteilt hat. Relikte vom vergangenen Wochenende.

Flair, Grill Royal, Soho House und

Ferhat Akbiyik ist nach mehreren Jahren als Barchef in Istanbuls Reina 2004 der Liebe wegen nach Berlin gezogen. Hier arbeitete der gelernte Hotelfachmann bei Events als Flair Bartender und machte sich im Grill Royal und Soho House einen Namen. Zu seiner großen Überraschung war er in den ersten paar Jahren über die Amateurhaftigkeit der Berliner Bars erstaunt. Man muss bedenken, wie anders Berlins Cocktailwelt noch vor zehn Jahren aussah. Ihm fiel auf, wie viel es noch zu optimieren gab. Ambitioniert schmiss er sich, mit vielen Zeitgenossen zusammen, in die Arbeit, um eine Getränkekultur aufzubauen, mit der Berlin prahlen können sollte.

die eigene Bar

Mitte 2013 begannen die Arbeiten an seiner eigenen Bar: das Prinzipal in der Oranienstraße. Nachdem er und seine zwei Geschäftspartner mehrere Enttäuschungen erfuhren und Pläne für Räumlichkeiten dreimal platzten, hat die Bar am Kottbusser Tor endlich ihr Zuhause gefunden und Anfang 2014 die Türen öffnen können. Der auserkorene Kiez für das Prinzipal stand von Anfang an fest. Dem „Kotti“ hat lange eine charmante, stylische Bar mit Herz gefehlt und genau diese Lücke galt es zu füllen.

Der charmante Mann vom Bosporus hat eine Vorliebe für Samt, satte Farben und, dem Prinzipal nach zu urteilen, geschmackvollen Prunk. Gerne spielt er mit verschiedenen Geschmäckern: „Wenn ich Klassiker zubereite, dann beinhalten sie oft die gleichen Spirituosen, die andere Bartender vielleicht auch benutzen, aber ich variiere sie mit verschiedenen Bitters und Likören.“ So entstehen neue Klassiker, wie der „Date with Dita“, der auf Bourbon basiert und mit Grapefruit, Zitrone, Datteln und Bitters gemixt wird. Auf die Frage, was er besonders gut könne, antwortet Akbiyik nicht mit einem Drink oder einem beeindruckendem Flair-Trick, sondern einfacher: „Ich habe gute Menschenkenntnis. Ich denke, da bin ich nicht allein, aber ich habe durch die Jahre hinter der Bar gelernt, Menschen lesen zu können und das kommt mir in meinem Beruf oft zu Gute.“

Ich mag es, Menschen glücklich zu machen

In der Zukunft wird Akbiyik sich außerdem auf das Bar Consulting konzentrieren. Vom Design bis hin zum Lichtkonzept, der Inneneinrichtung und der Barkarte. Momentan arbeitet er an zwei großen Projekten in Berlin, wobei er Details noch nicht verraten darf. Wenn er nicht hinter dem Tresen steht oder als Consultant arbeitet, führt es ihn gerne in die Bars seiner Kollegen: die Schwarze Traube, der Würgeengel oder das Buck and Breck. In allen findet man solide Klassiker und Akbiyik spricht in hohen Tönen von der Arbeit, die dort geleistet wird. Das Feierabendbier kommt bei ihm allerdings eher selten vor, „Ich arbeite sechs bis sieben Tage die Woche in der Bar, und weil wir bis früh Morgens aufhaben, kommen andere Gastronomen und DJs zu mir. Ich bin sozusagen meine eigene Feierabendkneipe.“

Lächelnd erzählt er, dass er in seiner Freizeit gerne essen geht oder Poker spielt. Ein Freund aus Las Vegas habe ihm vor ein paar Jahren das Pokern beigebracht und zusammen mit mehreren Bekannten aus dem Nightbusiness hat er ein regelmäßiges Pokerturnier ins Leben gerufen. Zwar gibt er lachend zu, dass er kein schlechter Spieler sei — an Akbiyiks professionell geübtem Pokerface sollte aber trotzdem niemand zweifeln.

Als Mentor bezeichnet er den heutigen Brand Ambassador für Bacardi in der Schweiz, Hasan Sivrikaya, der allem voran mit seiner Disziplin Akbiyiks Respekt gewonnen hat. Auch der japanische Bartender Hidetsugu Ueno zählt zu seinen Vorbildern. Dieser besitzt, so Akbiyik, von der Körpersprache bis hin zur Persönlichkeit alles was einen guten Bartender auszeichnet.

Ferhat Akbiyik wirkt wie ein Mann, der der Welt mit freundlichen Augen entgegenblickt und die seltene Eigenschaft besitzt, von seinem Erfolg berichten zu können, ohne dabei weder bescheiden noch arrogant zu wirken. Er sagt von sich selbst, dass er es mag, Menschen glücklich zu machen. Ein Satz den man des öfteren von Bartendern hört, der hier jedoch zu 100% zutrifft: „Es geht nicht nur darum Drinks zu verkaufen, sondern um ein Lächeln und ein Danke.“

Vom Bosporus zur Spree und Zurück?

Der 35-jährige Vollblut-Gastronom blickt positiv in die Zukunft und wo sie ihn möglicherweise noch hinführt. Ein bisschen wehmütig wird er, als er von seiner Familie in der Türkei erzählt. Als einziges Familienmitglied, das im Ausland wohnt, ist es nicht immer einfach gewesen und auch hätten sie ihn gerne lieber in der Heimat bei sich. Hinzu kommt, dass er in seinen ersten Berliner Jahren kein Deutsch sprach, was die Situation natürlich erschwert hat.

Trotzdem hat er Kampfgeist bewiesen, sich durchgebissen und viel lernen können. In zehn Jahren, sagt Ferhat Akbiyik, wird er wahrscheinlich wieder am Bosporus sitzen. Mit Blick auf das Meer und einem Rob Roy in der Hand. Man glaubt es ihm sofort.

Photo credit: via Ferhat Akbiyik

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