FÜNF! komplett schlechte Features einer Bar

Bars 10.7.2016 5 comments

Schlecht, schlecht, schlecht – auch in einer guten Bar können viele Kleinigkeiten stören. Welche Dinge sollten aber wirklich auf keinen Fall vorzufinden sein? Ein Rundumschlag über FÜNF! negative Alltäglichkeiten, die in allerlei Bars anzutreffen sind.

Eine Bar kann mit ihren Drinks versagen. Viel schlimmer – weil tragischer, trauriger und unnötiger – ist es jedoch, wenn es tolle Drinks gibt, aber man als Gast bemerkt, dass sich der Betreiber und sein Team leider offenbar nur als Cocktailproduzent begreifen, anstatt als Menschen, die einen komplexen Ort betreiben, dessen Gesamtwirkung sich auch jenseits des Glases aus vielen kleinen, aber wichtigen Komponenten zusammensetzt.

FÜNF! ganz schreckliche dieser Missstände haben wir aufgelistet. Natürlich ist solch eine Liste viel zu kurz, weil man einen regelrechten Katalog negativer Bar-Features schreiben könnte. Aber diese Beispiele hier sind allein durch ihre Häufigkeit berechtigt, in einer Top-Five zusammengefasst zu werden. Haben Sie ausgetrunken? Gut.

1) Die Bar als „Dry County“: Kein Wasserservice

Der Wasserservice, etwa in französischen Restaurants oder Crêperies schon immer selbstverständlich, ist mittlerweile auch in vielen guten Bars angekommen und wird dort als integraler Bestandteil der Gastfreundschaft verstanden. Und das ist auch gut so, denn Alkohol trocknet aus, und auch ein noch so erfrischender Gin & Tonic löscht eigentlich keinen Durst. Da tut ein Gläschen Wasser zum Drink mehr als gut. Wenn es dann gar steife Pre-Prohibition-Drinks in einer Zigarrenbar gibt, sollte sich das Verhältnis von getrunkenen Gläsern Wasser pro Cocktail sogar noch erhöhen – der Kopf wird es am nächsten Tag danken. Und hier sollte die Bar einfach ohne Einschränkungen darauf achten, dass jeder Gast mehr oder weniger immer Wasser auf dem Tisch hat.

Wie man das spezifisch löst, bleibt jedem selbst überlassen. Ob man das Wasser stets serviert oder einfach einem Gast bzw. einem Tisch Gläser und eine Karaffe mit Wasser hinstellt, sei dem eigenen Geschmack anheimgestellt. In lockeren Bars mit viel Durchlauf hat sich auch das (vielleicht aromatisierte) Eiswasser zum Selber-Zapfen als schöne Option etabliert. Wie auch immer man sich entscheidet: Wasserservice sollte im Jahre 2016 und angesichts des fachlichen Wissens vieler Bartender wirklich ein Selbstläufer sein. Und eine Bar, die hervorragende Cocktails serviert, ihren Gästen aber keinen Schluck Wasser dazu stellt, wird niemals eine Spitzenbar werden. So einfach ist das.

2) Trauriges Örtchen: Ein schäbiges Bad

Besonders als Berliner kennt man sich mit schäbigen WCs aus (natürlich gibt es die auch anderswo). Und mal im Ernst: Gibt es einen unpassenderen Ort für dreckige Waschräume als Gastronomien, in denen Speisen und Getränke verkauft werden? Das WC bleibt eine Visitenkarte des Hauses, aus dem nicht wenige Menschen auf die generellen hygienischen Umstände eines Betriebes schließen.

Dabei geht es keinesfalls um überbordenden sanitären Luxus aus Marmor und vergoldeten Wasserhähnen oder darum, dass jemand alle 20 Minuten den Spiegel poliert. Sondern um Sauberkeit. Um Seife. Um vorhandenes Toilettenpapier. Und Handtücher. Welcher Barbetreiber will riskieren, dass seine Gäste nach dem Toilettenbesuch gar keinen Durst mehr haben?

3) Waaas?! Zu laute Musik

Sich an zu lauter Musik in einer Bar zu stören, ist natürlich zuallererst einmal: vollkommen subjektiv. Jeder Bartender wird das kennen: Ein Gast am Tresen fragt, warum die Musik eigentlich so leise ist, keine zehn Minuten später beschwert sich Tisch acht, dass sie zu laut ist. Und natürlich nimmt jeder, je nach Stimmung, Physis, Gesundheit, Tageszeit und Gesellschaft, Geräusche und ihre Verhältnisse unterschiedlich wahr. Dazu kommt, dass die Grenzen zwischen Bar, Dive-Bar und Club teilweise immer mehr verschwimmen oder in vielen Konzepten auch bewusst verwischt werden.

Denken wir aber einfach mal an die klassische American Bar, sollten sich einige Bars in gewissen Abständen überlegen, wie viel musikalischen Lärm sie ihren Gästen als Grundpegel zumuten wollen. Denn eine alte Faustregel besagt, dass die Leute sich der Umgebungslautstärke sowieso anpassen. Das Ergebnis ist eine Bar, in der sich alle Leute anschreien, obwohl sie sich eigentlich nur unterhalten. Man merkt ja nicht einmal, dass man seit zwei Stunden seinen Kumpel anbrüllt, weil ja drumherum auch alles entsetzlich poltert und wummert und klappert. Dabei wollte man eigentlich nur einen Drink zusammen nehmen. Und am nächsten Morgen wundert man sich, warum man so heiser ist wie neulich nach dem Berghain.

4) Blinded By The Lights: Zu viel Licht

Puuuh, Licht, das Licht – Freund und Feind jeder Stimmung. Nicht von ungefähr geben manche Unternehmen aus dem Hospitality-Bereich richtig Kohle für Licht-Design aus. Wir haben dem Licht in Bars auch schon einmal einen eigene Artikel gewidmet. Allein: Es gibt sie nicht, die Patentlösung.

Dennoch gibt es eine klare Faustregel: Niemals zu viel Licht in einer Bar. Es reicht ein Quäntchen zu viel, schon kommt man sich vor wie in einem nachmittäglichen Coffee Shop, der sich an Cocktails versucht. Oder es wirkt wie eine Kantine. Die Dunkelheit ist schließlich auch der Freund des putz-unfreudigen Bartenders. Freilich sollte es nicht so dunkel sein wie in einem Club – Karte, Rechnung etc. sollten bei Bedarf ohne Smartphone-Blitzlicht lesbar sein. Aber ein schön beleuchtetes Rückbüffet und ein paar im Raum verteilte Leuchten mit leichter Blende genügen meist völlig. Dann kann man das Geld für den Lichtdesigner lieber in die Eiskugelmaschine stecken!

5) Der Übeltäter: Das schmutzige Poliertuch

Es gibt Dinge, die sind so randständig und bekommen so wenig Beachtung in einer Bar (gemeint ist hier: vom Personal), dass niemals, wirklich niemals über sie gesprochen wird. Solch ein Gegenstand ist das Poliertuch. Genauer gesagt: das schlechte Poliertuch. Und davon gibt es viele. Trotzdem werden sie nicht weniger, sondern bleiben sie irgendwie immer und fast überall auffindbar.

Die Gründe für schlechte Poliertücher können so vielfältig sein wie die Auswahl an Cocktail Bitters in derselben Bar. Entweder sie sind noch zu neu und nehmen kein Wasser auf. Oder sie sind zu alt und zu zerrieben, als dass sich damit noch ernsthaft ein Glas polieren ließe (speziell, wenn man von Hand spült). Oder sie sind schlicht nicht ausreichend gewaschen und daher speckig, klebrig und schmierig. Natürlich kann es auch sein, dass irgendwelche Spezialisten die Poliertücher auch benutzen, um Tische zu wischen oder die Mixstation vom Dreck zu befreien. Und das Ergebnis dessen wird dann mit Hingabe in den nächsten Tumbler gerieben. Mmmmmhhh… Das Resultat eines schlechten Poliertuches jedenfalls ist immer das gleiche: ein dreckiges Glas. Hoffen wir, dass dann mangelndes Licht und übermäßiger Lärm davon ablenken!

Photo credit: Bild via Wikipedia.

5 comments

  1. Whiskydrinker

    Zu 3): „Es ist schwieriger, eine gute Anlage in eine Bar zu bauen als in einen Disko. Und noch schwieriger ist es, Barbetreiber zu finden, die das Geld dafür in die Hand nehmen wollen.“ – Zitat eines Bekannten aus der PA-Branche.

    Das Problem ist nämlich, dass die meisten Bars aus Kostengründen einfach eine große Box in jede der vier Raumecken hängen.

  2. happydrinker

    Zu 1): Ich stimme dem vollkommen zu.

    Umso verwunderlicher, dass eine Bar ohne Wasserservice die Mixology Bar Awards 2016 gewonnen hat.

    • Redaktion

      Hallo Happydrinker,

      hm, um welche Bar und welchen Award handelt es sich denn hier? Wäre in der Tat schade! Allerdings entscheidet das ja die Jury der Awards nach den Nominierungen durch den Beirat. Wir als Redaktion haben darauf keinen Einfluss. Und wenn sich die Jury für eine bar ausspricht, die keinen Wasserservice betreibt, ist das definitiv ein kleiner Wermutstropfen. Aber da muss man dann wohl durch. Hoffen wir, dass besagte Bar sich den Award als Ansporn für das unaufgefordert servierte Glas Wasser genommen hat!

      Liebe Grüße aus der Redaktion
      // Nils Wrage

      • happydrinker

        Es war das Seiberts in Köln, das für seine hervorragenden Cocktails und den ansonst guten Service den Award sicherlich verdient hat. Aber auf diesem hohen Niveau sticht dann ein mangelnder Wasserservice leider hervor und ist unnötig und ärgerlich.

  3. Stadtplaner

    Mit großer Vorfreude stattete ich mit meiner Begleitung am 19. Dezember 2015 der La Banca Bar im Hotel de Rome (Berlin) einen Besuch ab. Die Freude wandelte sich jedoch unerwartet in eine große Enttäuschung. Anfangs noch zuvorkommend bedient, entfaltete sich bei nur drei, später vier Pärchen am Bartresen eine unangenehm wahrgenommene Konzentration auf alles andere, als auf die aufmerksame Betreuung der anfangs zwei von später insgesamt vier Pärchen. Auf unsere Bitte, je ein Glas Wasser zu bekommen – was mit der Frage nach dem ‚mit oder ohne Sprudel‘ entgegengenommen worden war – passierte dann nichts. Selbst beim Bezahlen fiel dem Bartender nicht auf, dass neben der Übefülle an salzigen Beilagen, ein (sogar ausdrücklich bestelltes) Glas Wasser hääte gereicht werden sollen. Meiner Begleitung wird von diesem Tag nur der Besuch des Café Sibylle in der Karl-Marx-Allee und des Konnopke-Imbisses in der Schönhauser dauerhaft in Erinnerung bleiben. Das soll schon was heißen … bezüglich Service.

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