Ich kaufe ein „G“ und löse Goldstück. Die Dukaten Schönebergs.

Bars 9.11.2012 1 Kommentar

Der Schöneberger Kiez ist mittlerweile ein schwieriges Terrain für Gastronomen. Der Standort ist beliebt – es reiht sich ein gastronomischer Betrieb neben den anderen. Auch die Schöneberger Barszene hat einiges zu bieten – unmittelbar am Nollendorf- und Winterfeldtplatz finden sich neben der Voima Bar, dem Stagger Lee und Green Door noch ganz andere Schmuckstücke. Mit der neuen Bar von Jan Phillip Bubinger ist nun noch ein Goldstück dazu gekommen.

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat im September dieses Jahres mit einem Kneipenverbot auf die inflationäre Neueröffnung von gastronomischen Dienstleistungsbetrieben im Schöneberger Kiez reagiert. Das Viertel sei „mit Gastronomie überversorgt“, so die Stadträtin Sibyll Klotz für Stadtentwicklung. Viele Bars, Cafés, Kneipen und Restaurants würden nicht mehr nur alleine der Grundversorgung eines Wohngebiets dienen und seien somit nicht mehr zulässig. Und irgendwie mag man das ja auch verstehen – schaut man sich den Kiez genauer an, so stechen einem vor allem abends die vielen bunt beleuchteten Schilder der unzähligen Gastronomiebetriebe ins Auge. In anderen Bezirken wie Mitte oder Friedrichshain-Kreuzberg gilt Ähnliches – dort versuchte man dieser Tatsache bereits vor einigen Jahren mit dem Verbot von Schankvorgärten, vorgeschriebenen Quadratmeterzahlen oder Lärmgutachten Herr zu werden. Rund um den Nollendorf– und Winterfeldtplatz werden Konzessionen jetzt in Ausnahmefällen nur noch erteilt, sofern man mindestens 200 Meter weit entfernt von diesen Plätzen eröffnen möchte, sagte uns Jan P. Bubinger, Inhaber der Bar „Goldstück“.

Wohnzimmerliebe

Vorbei an der Voima Bar geht es hinein in die Winterfeldtstraße bis zum großen „G“ an der Hausfassade der Nr. 17. Von dort geht es einige Stufen hinunter, rein in die kellerartigen Räumlichkeiten – willkommen im Goldstück. Die Location empfängt mit warmem Licht und gut duftender Atmosphäre. Backsteine an den Wänden, noch mehr Notenblätter an der Decke. Betritt man die Bar, so fällt der Blick direkt auf den ebenfalls mit Backsteinen getäfelten Holztresen. An den Wänden finden sich gerahmte schwarz-weiß Fotografien, auf den Tischen stehen Kerzen in leeren Whiskeyflaschen. Insgesamt gibt es drei kleine bis mittelgroße Räume, die mit einer Mischung aus schlichten Holzmöbeln und Jugendstil-Polstergarnituren ausgestattet sind.

In den 60er und 70er Jahren war das Goldstück mal ein Obst – und Gemüselebensmittelladen. Das alte Holzschild mit eben dieser Beschriftung, die damals mal vor dem Ladeneingang gehangen haben muss, rundet nun das warme Ambiente der Bar ab. Auch der Name „Goldstück“ sei ganz bewusst gewählt, erklärt Jan. „Die Idee kam mir ehrlich gesagt ganz spontan zuhause vor dem Fernseher. Eigentlich wollte ich den Tresen in der Farbe Gold streichen, deshalb sollte der Name der Bar auch das Wort „Gold“ enthalten. Der Name wirkt neutral und lässt somit nicht gleich auf ein bestimmtes Konzept schließen.“

Bevor Bubinger beschloss, sich selbstständig zu machen arbeitete er als Barchef in der Alto Bar am Hackeschen Markt und in der Harry’s New York Bar in Köln. Mit dem Goldstück hat er sich nun ein Stück Glück erfüllt. „Konzeptionell fällt das Goldstück unter Bar & Restaurant“, erläutert er. „Ich möchte, dass das Goldstück zu einem Teil des Schöneberger Kiezes und von unseren Gästen als zweites Wohnzimmer betrachtet wird.“ Das dürfte funktionieren. Tägliche Stammgäste haben sich schon jetzt eingefunden.

Morgenstund‘ hat Gold im Mund

…oder auch einen gelungenen Snack. Das Goldstück hat jeden Tag (außer montags) schon ab 11.30h geöffnet. Das „Kiezwohnzimmer“, wie Jan sagt, verfügt über eine „New Latin Cuisine“, einer Fusion aus den verschiedensten Kochstilen Süd– und Mittelamerikas und einigen Südstaaten der USA. Der Koch kommt aus Puerto Rico und kann so einiges an außergewöhnlichen und delikaten Gerichten zaubern. Das kann das Barpersonal auch, allerdings mit liquiden Zutaten. Es gibt sogar eine „Angry Hour“, bei der eine Auswahl an Cocktails für rund 5,00 € über den Tresen geht. Ansonsten bietet die recht kleine aber feine Auswahl an Cocktails von typischen Klassikern über Wein & Bier bis hin zu einigen „Fancy Drinks“ eine schöne Kombination, bei der für jeden etwas dabei sein dürfte. Etwas schade ist der nicht so ganz günstige Blick, den man halb vom Tresen oder auf dem Weg in die Örtlichkeiten in die Küche hat – mit einer Tür könnte dem schnell Abhilfe geschaffen werden, um die gemütliche Atmosphäre der Bar nicht zu stören.

Puppenspiele

Für alle, die sich nicht gerne einsam in eine Bar setzen, dürfte Silke eine willkommene Überraschung sein. Silke ist schon eine etwas ältere Dame, so um die 60. Sie trinkt gerne Weizen und sitzt immer am Tresen, alleine. Silke ist aus Gummi. Eine ausrangierte Schaufenstersammlerpuppe vom Flohmarkt. „Silke gehört nun schon von Anfang an dazu. Sie ist so etwas wie unser Glücksbringer – die Menschen wundern und freuen sich über sie. Es war anfangs ein Spaß, jetzt bleibt sie da erst mal sitzen“, so Jan. Eine gelungene Abwechslung.

Und Abwechslung bringt die Bar von Jan P. Bubinger in jedem Fall. Das Goldstück ist weder eine Szene– noch High-End Bar oder Kneipe – sie ist ein Stück Gold im Schöneberger Kiez. Wohlfühlen wie im eigenen Wohnzimmer inklusive.

Goldstück

Winterfeldtstraße 17, 10781 Berlin

Nollendorfplatz

Kontakt: +49 (0) 176 231 51 491

Dienstags – Sonntags, ab 11.30 h

Kartenzahlung: Nein

Rauchen: Ja

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