Immertreu. Ein Bar-Schwergewicht im Prenzlauer Berg.

Bars 23.12.2011 3 comments

Es geht Schlag auf Schlag. Eine Bareröffnung jagt die Nächste. Was die Spatzen schon lange von den Dächern pfiffen, ist vor einigen Wochen wahr geworden. Ricardo Albrecht hat seine eigene Bar eröffnet. MIXOLOGY ONLINE hat sich in den Prenzlauer Berg begeben und sich erste Eindrücke verschafft.

Ringvereine haben mit Sport so wenig zu tun, wie manche Bar mit Trinkkultur. Insbesondere im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Zwar reiht sich Kneipe an Kneipe, Restaurants und Bars zu Hunderten sorgen jeden Abend für absolutes Parkplatzchaos rund um den Kollwitzplatz aber es gibt nur wenige Bars, die auch in der Lage sind feineren Ansprüchen zu genügen. In erster Linie gilt das für Becketts Kopf und an guten Tagen für die Saphire Martini Lounge und den großen Bruder Saphire Bar. Danach kommt lange nichts – bisher.

Die berüchtigten Ringvereine waren in den 20er und 30er Jahren eine Art Wohlfahrtsverband für Gauner und Ganoven. Wanderte man in den Knast, kümmerte sich der Verein um die soziale Absicherung der Familien. Später wandelten sie sich auch zu kriminellen Organisationen. Eine der Aktivitäten war der Schmuggel von Alkohol. Eine der bekanntesten dieser verschworenen Gemeinschaft war der Verein Immertreu. Die Mitglieder nannten sich Ringbrüder und verkehrten gerne in Flüsterkneipen. Sie waren das Vorbild für den berühmten Film von Fritz Lang M – Eine Stadt sucht einen Mörder.

Qualität in altem Interieur

Diesem historischen Vorbild folgt Ricardo Albrecht in moderner Ausprägung. In einer eher unscheinbaren Straße abseits des aufgeregten Betriebes und der Kneipenmeilen hat er die ehemalige, zuletzt nur noch vor sich hindümpelnde, Fluido Bar zu neuem Leben erweckt. Lediglich eine Kreidetafel und eine kleine Fensterfront weisen dezent daraufhin, Einlass erhält man über eine Klingel. Albrecht hat kaum etwas am Interieur verändert und setzt statt dessen darauf, dass sich Qualität auf Dauer durchsetzt. „Die Bar stand ein Jahr leer und hat mir schon immer gefallen, sie ist wunderschön. Als sie mir angeboten wurde, habe ich die schweren Vorhänge gewaschen und einfach die Tür aufgesperrt und gewartet was denn so passiert,“ grinst Albrecht. Offensichtlich eine ganze Menge. Bei unserem Besuch füllt sich der Raum zusehends, bis gegen 23 Uhr jeder Sessel und alle Barhocker besetzt sind. Das Publikum ist distinguiert und kommt offensichtlich in der Absicht Cocktails zu trinken. „Das ist natürlich einerseits erfreulich, andererseits muss ich immer häufiger am Wochenende Gäste abweisen, da die Kapazitäten erschöpft sind“, betont Albrecht.

Dabei handelt es sich nicht um eine Minibar. Der Tresen ist immerhin 14 Meter lang und in der Lounge finden um die 20 Personen Platz. Im hinteren Bereich findet sich noch ein kleines angedeutetes Separee. Der Raum ist dominiert von ruhigen, cremigen Tönen. Ledersessel, rote Vorhänge und Art déco Lampen wärmen zusätzlich die Atmosphäre. Ein Zeitsprung in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Das Rückbuffet quillt über mit Spezialitäten und immer wieder gräbt Albrecht Raritäten – insbesondere Whiskys – aus. „Nun ist auch die neue Eismaschine da und es kann jetzt richtig losgehen“, freut sich Albrecht.

Schwergewichte und Ringbrüder

Der Sazerac ist ausbalanciert und von feiner Aromatik. Er wird stilecht mit einem wunderbar ziselierten Eiswürfelbehälter gereicht. Auch der Negroni und der Americano waren auf höchstem Niveau. Dazu wurden ohne Nachfrage Wasser und Nüsse gereicht. Der Service war flink, aufmerksam und kompetent, die Preise eher im oberen Segment aber angesichts des Gebotenen sehr angemessen.

Das Immertreu schmiegt sich wunderbar in diese eher ruhige Ecke des Prenzlauer Berges und ist eine angenehme Bereicherung in der sonst herrschenden Sinnfreiheit und Ödnis. Ab Januar stößt ein weiteres bekanntes Gesicht hinzu und bereichert das Angebot. Stefan Hinz wird mit seiner kürzlich gelaunchten Serviceagentur Cocktailkunst monatlich Cocktailseminare abhalten und auch das ein oder andere Mal abends hinter dem Tresen seine Künste zelebrieren. Auch wenn also im Ringverein Immertreu keine Leicht- Mittel- oder Schwergewichte miteinander gerungen haben, ist die Bar Immertreu ein Schwergewicht der Barkultur, in der man gerne ein Ringbruder ist.

 

Immertreu

Christburgerstr.6

10405 Berlin

Öffnungszeiten: täglich ab 20 Uhr

 

Tram: Marienburger Straße

Rauchen: ja

EC-Karte: nein

 

Essen: Snacks

Internet: bar-immertreu.de

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