Karussell der Nacht

Karussell der Nacht VIII

Bars 7.12.2015

Panta rhei, alles fließt – Personalwechsel, wohin man schaut. Diesmal mit Karim Fadl, Maximilian Heidenreich, Mario Grünenfelder und Ruben Neideck. Außerdem: Marques-Barchef Florian Rupp auf Durchreise, Diana Marmino in der überholten LeoBar und Julia Homberg in der Berliner Bar Windhorst.

Fassen wir zu Beginn noch einmal kurz den letzten großen Paukenschlag aus London zusammen. Schließlich haben das mixologische „Duo Infernale“ Alex Kratena und Simone Caporale sowie deren gesamtes Barteam vor einigen Wochen die preisgekrönte Artesian Bar im Londoner The Langham Hotel verlassen, um das nächste Jahr als eine Art Sabbatical zu nutzen und sich 2017 schließlich neuen Projekten zu widmen. Bis dahin wird der akribische und bisweilen eher modeste US-Amerikaner und Wahl-Londoner Philip “Pip” Hanson die Geschicke des Hauses als Barmanager leiten und zumindest in der nächsten Zeit auch dem Konzept der viermaligen „World’s Best Bar“ treu bleiben.

Diana Marmino: Tiki geht immer

Am Konzept gedreht hat man hingegen in der Hamburger LeoBar: „Das neue Motto ist etwas wie ‘Xerxes aus der Asche’ – und nicht Phönix – da der Barbesitzer persische Wurzeln hat“, schmunzelt Diana Marmino. Die Bartenderin aus der Hansestadt gehört seit Oktober zum gänzlich neuen Team der Bar und verdiente sich ihre Sporen zuvor unter anderem in Uwe Christiansens mittlerweile eingestelltem Tiki-Konzept Bar Cabana sowie als Barchefin im Restaurant Mehl. „Letztlich“, fährt Diana fort, „hat es mich aber doch wieder in einen reinen Cocktailbetrieb gezogen.“

Nun wird die Bar in Rotherbaum erst einmal generalüberholt und am Ambiente gefeilt. „Es geht weg vom bisher eher Sterilen, hin zu mehr Persönlichkeit. Auch die Karte wird überarbeitet.“ Dabei, freut sich die Hamburgerin besonders, „lasse ich natürlich auch etwas Tiki im klassischen Stil einfließen.“

Adé zur Fledermaus – Karim Fadl verlässt Bacardi

Und wenn wir schon einmal bei Tiki-Drinks sind, fällt natürlich der Blick auf die Hersteller karibischen Rums wie Bacardi nicht schwer. Für Deutschland und Österreich war bis vor Kurzem Karim Fadl als Brand Ambassador im Zeichen von Bombay Gin und eben auch dem Fledermaus-Rum unterwegs. Nach fast dreieinhalb Jahren jedoch gaben nun mehrere Gründe für Karims Ausscheiden bei Bacardi zusammen den Anstoß für einen Schlussstrich. „Zu allererst“, beginnt der Berliner, „ist es wohl der Wunsch, mehr Zeit mit meiner Familie und meinem Sohn zu verbringen. Außerdem möchte ich Berlin und meine Freunde einfach öfter sehen“, erklärt er uns.

Offen hingegen lässt der 31-Jährige, wohin es für ihn künftig gehen wird und ob er gar der Spirituosenwelt den Rücken kehrt. Schließlich freue er sich nun erst einmal darauf, „eigene Wege zu beschreiten und meiner Kreativität freien Lauf lassen zu können.“ Und er verspricht lächelnd im gleichen Atemzug: „In nicht allzu ferner Zukunft werdet ihr es mitbekommen.“

Max Heidenreich wird neuer Krokodilspfleger in Berlin

Mitbekommen haben die Besucher auf dem Bar Convent Berlin vor einigen Wochen in Berlin vielleicht auch die königsblauen Pantalons von rivabar-Bartender Max Heidenreich. Ein „kleiner PR-Stunt“, wie der 24-jährige einräumt. Denn die markanten Hosen deuteten bereits an, was eigentlich erst ab Januar nächsten Jahres Tatsache ist: Maximilian verstärkt als Bartender das Team des Le Croco Bleu im Prenzlauer Berg.

Natürlich könne man es beim beruflichen Wechsel nicht jedem recht machen, reflektiert Maximilian die Zeit in der Institution rivabar, während er zugleich seiner neuen nächtlichen Aufgabe entgegenfiebert: „Ich freue mich vor allem darauf, Erfahrungen in einer komplett anderen Art von Bar und Umgebung zu sammeln, Neues zu lernen und meine Kenntnisse zu vertiefen“, schwärmt der junge Wahl-Berliner.

Zwei Weltenbummler

In den Kreis der Hauptstadt-Zugezogenen reiht sich seit einigen Wochen auch Florian Rupp ein. Zumindest übergangsweise: Denn nach einiger Zeit im Karlsruher Kofferraum und einem längeren Intermezzo in der flüssigen Welt Vancouvers mit Stationen im Pidgin und Bauhaus zog es Florian und seine Freundin Julia Homberg jetzt in die Stadt an der Spree.

„Mittlerweile“, erzählt Florian, „bin ich in der Bar Marques als Barchef tätig. Wir haben das Konzept etwas geändert und versuchen, das richtige Gleichgewicht aus den vorherigen zwei Barleitungen zu finden.“ Soll heißen? „Wir arbeiten wieder ohne Karte. Allerdings versuchen wir nicht, den Gast zu belehren, sondern mit ihm zusammen die richtige Trinkauswahl zu treffen. Wir leiten also durch den Abend. Deswegen genießt auch der Service einen besonderen Stellenwert und der Drink gerät etwas zur ‘Nebensache‘. Der Gast und sein Abend stehen im Mittelpunkt“, umreißt er die gesetzten Pläne.

Und während Julia zur Zeit in der Berliner Institution Windhorst die Bar bestreitet, planen die beiden eigentlich schon wieder die Fortsetzung ihres „Work and Travel“. „Wir trafen für uns die Entscheidung, die Welt zu entdecken und internationale Barerfahrung zu sammeln. Daher wird es Mitte nächsten Jahres vermutlich nach Neuseeland weitergehen“, erklärt Florian das nächste geplante Kapitel. „Es ist uns wichtig, in jungen Jahren den nächsten Schritt zu gehen, andere Kulturen zu sehen und zu erleben. Das ist unser Job, und der ermöglicht uns dieses Privileg.“

Hauptstadtapotheker: Ruben Neideck

Beerbt in der Rolle als Marques-Barchef hat Weltenbummler Florian damit Ruben Neideck, der seine Expertise zuvor außerdem im Luftschloss Koblenz und dem Berliner Stagger Lee sammelte. Unter Rubens neuem Arbeitsvertrag ist die Tinte nun noch nicht einmal ganz getrocknet: Zum Dezember übernahm Ruben die Leitung der Bar in der Oranienapotheke, auch schlicht „Ora“ genannt. „Ein wunderschöner Laden mit Tages- und Abendgeschäft und großartigen Geschäftsführern“, schwärmt der 27-jährige, der gern zum baldigen Vorbeischauen einlädt. Schließlich wird „im Laufe Woche auch eine neue Barkarte in die Grafik gegeben. Das wird fein.“

Diamanten überall: Mario Grünefelder & die Monbijou-Hotels

Und Apropos fein: Wenn es um den Feinschliff und das Erdenken gastronomischer Konzepte geht, wird man in Berlin schnell auf die Handschrift von Mario Grünenfelder stoßen. Zu den Projekten des „Mixologen des Jahres 2008“ zählen unter anderem das Dean, die G&T Bar sowie die allseits berühmt-berüchtigte Amano Bar. Künftig jedoch wird der ewigkreative Tausendsassa nicht mehr die Feder im Namen der Amano Group schwingen, sondern die Geschicke der Monbijou-Hotels mitbestimmen. Nach der Ein- und Überarbeitung im Berliner Haus soll sich Grünenfelder dann vor allem um die gastronomische Betreuung der Monbijou-Neueröffnungen in ganz Europa kümmern, angefangen im Herzen der britischen Hauptstadt London.

Wir suchen

Die letzten Zeilen dieser Ausgabe unseres Karussells der Nacht möchten wir gern denjenigen ans Herz legen, die es weitertreibt. Denn sollten Sie auf der Suche nach einer beruflichen Veränderung hinter der Theke sein, wäre vielleicht der Berliner Lebensstern eine Adresse für Sie! Dort sucht Barchef Thomas Pflanz für die legendäre Trinkhalle nämlich aktuell nach Unterstützung am Tresen und im Service.

 

Wenn sich das Karussell der Nacht für Sie bereits gedreht haben sollte, Sie Tipps und Vorschläge für aktuelle Personalwechsel der flüssigen Szene haben, freuen wir uns jederzeit über Informationen an: christian@mixology.eu

Photo credit: Straßen via Shutterstock

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