keys bar berlin

Zwischen Pappe und Piano: Ein Abend in Marian Rudharts Pop-up-Projekt Keys Bar

Bars 22.9.2017

Mix me a drink, you’re the piano man, sang Billy Joel in “Piano Man” über die Gäste an einem Samstag und ihre Gin & Tonics. In der Keys Bar heißt der Mann an der Bar – und gleichsam am Klavier – Marian Rudhart. Seine Speakeasy-Pop-up-Bar trägt das Cocktail-Handwerk in den davon bisher unberührten Berliner Danckelmann-Kiez.

Der Danckelmann-Kiez ist ein besonderes Viertel in Charlottenburg, ein Hauch 68-er weht noch immer durch die Altbau-gesäumten Straßen. In den 1980er Jahren eine Hochburg der Hausbesetzer-Szene, dann angereichert mit Studenten und Migranten, findet sich hier mit dem „Brotgarten“ ein Pionier des Bio-Bäckertums, im Kopierladen tragen die Geräte keine Nummern, sondern heißen „Charlie“ und Luise“, und in einem Hinterhof pflegt die Nachbarschaft gemeinsam einen Ziegenhof.

Auch für Getränke ist gesorgt. Bier gibt’s im Weiss & Blau, beim Beerbaboon und im Dicken Wirt. Wein trinkt sich trefflich im Restaurant Glügk und Liebhaber europäischer, insbesondere französischer Weine halten seit fast 40 Jahren dem Spezialitätenkontor Vinum die Treue.

Aber auch bewährte Stammgäste kennen womöglich den hintersten Winkel des Lagers hier nicht. Vor Urzeiten befand sich dort die Räucherei des Metzgerladens, wo heute eine der renommiertesten Weinläden der Stadt residiert. Diesen vergessenen Raum überließ die Vinum-Betreiberin kurzerhand Marian Rudhart, der das Cocktailhandwerk in Stationen wie Reingold Bar und Locke Müller erlernte und seine Spirituosenkenntnisse als Mitarbeiter von The Duke Gin weiter entwickelte.

Keys Bar oder Wein-Bar reloaded

Nun bewirtet und überrascht er an Freitagen und Samstagen noch bis Ende September die Gäste seiner Keys Bar, die er um einen Tresen in Flügel-Optik (also: das Musikinstrument) versammelt. Eine telefonische Voranmeldung ist erbeten, bevor der Pfad der Gäste zu dem abendlich verschlossenen Weinladen führt. Eine diskrete Klingel läutet einen hilfsbereiten Geist herbei, der die Gäste in den Laden, zur Garderobe und durch das Weinlager in den kleinen Raum führt.

Zentrum des Raumes bildet jener überdimensionierte, hohe Flügel, um den sich die Gäste scharen. Die namensgebenden, musikalischen Tasten hängen dekorativ an der Wand. Statt in die Tasten zu hauen, klimpert am Kopfende des Instruments das Eis in Rührglas und Shaker. Kerzenlicht illuminiert den schwarz abgehangenen Raum. Auch der Flügel ist schwarz, mit Folie überzogen. Dazu einige Pflanzen ringsum.

In der ersten Folge der Keys Bar, im Frühjahr diesen Jahres, war die Bar eine reine Steh-Bar. Nun sollen die Gäste sitzen dürfen, können das Angebot aber auch als Turnübung auffassen. Getränkekisten wurden gestapelt und mit Folie überzogen, darauf ein Kissen. Ein kleines Trittchen steht bereit, um das Türmchen zu erklimmen. Wir wollen es Low-Budget-Eleganz nennen. Eine Dame am Tresen rät, bei dem Besuch kurze, enge Röcke zu meiden, um das Sitzmöbel angemessen bewältigen zu können.

Keys Bar setzt auf Klassiker und Twists

Statt Notenblätter bekommen die Gäste eine Pappe von einem Weinkarton, beschriftet mit Filzstift, gereicht. Klassiker wie Hanky Panky und klassisch inspirierte Drinks mit Twist wie ein Bergamotte Sour (mit Cognac, Cointreau, Zitrone und Bergamotte) sind darauf verzeichnet. Die Pappe, will sagen: Karte, wechselt jedes Wochenende.

Die Cocktails kosten 10 Euro, Longdrinks schlagen mit 8,50 Euro zu Buche. Zwei feine Biere und ein entspannter Schaumwein stehen ebenfalls in der Kühlung. Neben den Drinks der Karte verfügt Marian über weitreichende Getränkekenntnisse und empfiehlt gerne weitere Cocktails, im Rahmen der Möglichkeiten der kleinen Bar. Fein komponiert mundete der Morning Glory Fizz, und auch der Corpse Reviver verdient einen Tusch.

Anspruchsvolle Spirituosen und ein sorgfältiger Umgang mit Eis ermöglichen für den anspruchsvollen Barfly ein ansprechendes Angebot, und die überraschten Anwohner erleben den Einstieg in eine völlig unerwartete Getränkekultur, die es so in dieser Gegend Berlins weit und breit nicht gibt.

Keys Bar: Neuauflage im Niemandsland

Ein charmanter Gastgeber, eine bezaubernde Atmosphäre und verführerische Drinks; das Ganze versammelt in einem geheimnisvollen Hinterzimmer im cocktailtechnischen Niemandsland von West-Berlin.

Eine rare Cachaça Flasche steht bereit, um einen der letzten Abende der September-Edition der Keys Bar in einen Caipirinha-Abend zu verwandeln. Warum eigentlich nicht? Und weitergehen wird es irgendwann womöglich auch. Dann mit einer weiteren Neuauflage der Keys Bar mit den Kerzen, der Klaviatur an der Wand und dem riesigen Konzertflügel-Imitat. Die Tür ist eh zu klein, um das Ungetüm aus dem Raum zu schaffen.

Keys Bar

Danckelmannstraße 29, 14059 Berlin

U Sophie-Charlotte-Platz

Kontakt: +49 177 1728815

Fr & Sa ab 20:00 Uhr

Kartenzahlung: Nein

Rauchen: Nein

Photo credit: Foto via Peter Eichhorn.

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