Mit René Soffner in den Keller? The Kinly Bar!

Bars 17.4.2015 3 comments

René Soffner ist vielen Bartendern und Gästen ein Begriff. Nach namhaften Stationen begrüßt Soffner seine Gäste nun am eigenen Tresen: Im The Kinly gibt es zeitgemäße Mixkunst auf höchstem Niveau, und das in unprätentiöser Atmosphäre.

Marco Beier hat durch die frisch geöffnete Tür geschaut.

Frankfurts Parallelwelt. In kaum einer anderen Stadt findet man eine solche gut vernetzte und spannende Barszene wie in der Bankenmetropole am Main. Ein Bartender, der sich seit Jahren hinter den besten Tresen der Stadt bewegt, ist René Soffner. Konsequenterweise hat dieser René Soffner nun seine eigene Bar „The Kinly“ eröffnet und sich hohe Ziele gesteckt.

Qualität ohne Kompromisse.

Das Bahnhofsviertel in Frankfurt ist aktuell ein Paradebeispiel für Gentrifizierung. Über lange Zeit verloren und verschrien, wird das gesamte Viertel derzeit aufgehübscht. Moderner und teurer Wohnraum wird geschaffen, die Gastronomen streiten sich um die besten Plätze für hippe Cafés und Restaurants. Das verruchte Bahnhofsviertel samt seinem Rotlichtbezirk und sehr offenem Umgang mit harten Drogen wird nach und nach in ein neues Licht gerückt.

Mitten in dieses Viertel, genauer gesagt in die Elbestraße, sind nun Soffner und sein Kompagnon Armin Azadpour, der bereits in Zürich Erfahrung mit dem Betrieb eines Speakeasy sammeln konnte, gezogen, um ihre Idee eines Wohlfühl-Speakeasy in die Tat umzusetzen.

Eine unscheinbare dunkle Tür in der Elbestraße ist der Einlass ins Glück. Schon kurz nachdem der Klingelknopf gedrückt wurde, öffnet sich die Tür. Dann geht man eine Treppe hinunter — und in eine andere Zeit. Die zwei Räume der Bar sind mit allerlei Bildern und Mobiliar aus den 1920er Jahren geschmückt und strahlen sofortige wohlige Salon-Atmosphäre aus.

Die Wohlfühl-Keller-Bar

Der Ort mit der größten Nachfrage wird künftig sicher der „Punch Table“ sein. Ein langer Tisch in einer Nische, der Platz für bis zu acht Personen bietet. Soffner erklärt seine Idee: „Hier wollen wir die Punch-Kultur wiederbeleben. In gemütlicher Runde zusammensitzen und in der Mitte eine Bowl mit einem unserer Punches für alle.“ Insgesamt will Soffner zwar gehobene Barkultur pflegen und die Gäste mit seinen Drinks begeistern, dabei aber auf keinen Fall zu steif werden: „Durch den Look der 20er Jahre ergibt sich sowieso schon eine gewisse Stimmung. Dies wollten wir bewusst durch warme Farben und Materialien aufbrechen. Das Letzte, was ich möchte, ist eine Bar mit Regeln an der Wand. Die Menschen sollen hier Spaß haben und einen tollen Abend verbringen. Das Nerd-Tum, das zum Teil hinter den Drinks steckt, interessiert doch die wenigsten und muss ihnen auch nicht unter die Nase gerieben werden.“

Unter „Nerd-Tum“ versteht Soffner einige Komponenten, die er in die Rückräume der Bar integriert hat. Vom Sous Vide Garer über den Thermomix und Homogenisierer bis hin zum Vakuum-Rotations-Verdampfer bedient er sich nahezu aller erdenklichen Möglichkeiten, um den Zutaten seiner Drinks den letzten Schliff zu geben. Eigene Elixiere, Infusionen und vor allem aromatisiertes Eis sind die Bestandteile, die einmal die Magie auf der Cocktailkarte ausmachen sollen.

Stressflucht mit exzellenten Drinks: Kein Handy im Wohnzimmer

Die Magie lässt sich aber auch ohne den Blick in die Karte spüren. Ein Mix aus außergewöhnlicher Bar und einem zweiten Wohnzimmer ist der erste Eindruck, den man bekommt, wenn man die Treppe heruntergeht. Ankommen, mental herunterkommen und Zeit und Sorgen vor der Tür lassen. Durch die niedere Lage gibt es im Kinly weder Tageslicht noch Mobilfunkempfang, und wer sich einmal an der Bar niedergelassen hat, wird nicht bemerken, wie die Zeit vergeht.

„Kinly“ ist im Übrigen ein englischer Slang-Ausdruck, der sowohl gute Freunde als auch die Familie beschreibt. Und genau das ist es, was Soffner und Azadpour mit ihrer Bar vermitteln wollen. Eine Bar, in der man heimisch werden möchte. Zu Besuch bei guten Freunden, bei denen es unverschämt gute Drinks gibt.

Und nicht nur auf der flüssigen Seite ist man gut aufgehoben. Keine große Küche, aber den wahrscheinlich besten Hot Dog der Stadt bekommt man im Kinly serviert. Und am Ende darf man sich nicht wundern, wenn einem beim Verlassen der Bar vielleicht schon die Sonne entgegen blinzelt.

 

The Kinly Bar

Elbestraße 34, 60329 Frankfurt am Main

Kontakt: +69 27107670 / contact@kinlybar.com

Dienstag bis Samstag: 20 - 3 Uhr
Sonntag & Montag Ruhetag

Kartenzahlung: Ja

Rauchen: Ja

kinlybar.com

Photo credit: Bar Convent Berlin & Antoine Le Minh

3 comments

  1. Marc

    Selten habe ich über ein Barkonzept so lange nachgedacht, wie nach meinem Besuch im „Kinly“ in Frankfurt. Ihr habt mit dem Hinweis auf die Bar mein Interesse geweckt und ich hatte mich gefreut, relativ schnell nach der Eröffnung reinzukommen und ein par Coctails zu probieren. Die Karte ist momentan sehr reduziert. Es gibt 6 oder 7 Cocktails, darüberhinaus werden aber auch andere Drinks auf Wunsch gemischt. Die Cocktails der Karte sind alle aus ziemlich ungewohnten Ingedienzien wie Trüffelöl, Stout, Hopfen und anderen Dingen gemischt. Die Jungs scheinen ein Faible für herbe, rauchige „unfruchtige“ Zutaten zu haben. Was ziemlich auf meiner geschmacklichen Linie liegt.

    Ich mochte am liebsten den „Penecilin“, einen recht herben, rauchigen aber auch cremigen Drink aus Islay Whisky und Rye. An schrägsten ist wohl derzeit dein Getränk mit einer starken Trüffelöl-Aromatisierung. Das ist echt spannend, wir kommen dadurch aber auch zum Kern meines Problems: Ich hab mich gefragt, ob ich, sollte ich in Frankfurt wohnen, da häufiger hingehen würde. Ich hatte, als ich nach 2 h die Bar verliess, den Eindruck, schon verstanden zu habe worum es den Barkeepern geschmacklich ging, Momentan macht das auf mich eher einen Labor-Eindruck um zusammen mit dem Kunden rauszufinden, was als drink möglich ist.

    Ich würde also wahrscheinlich schon wiederkommen, aber nicht, wie zum Beispiel in die „Rote Bar“ aus rein hedonistischen Gründen, sondern um rauszufinden, wie sich die Bar, die Drinks das Publikum weiterentwickelt.
    Die ganze Situation erinnert mich an die Position der orange Wines in der Weinwelt.

    Wenn ihr aber mal im Frankfurter Bahnhofsviertel seid, lasst euch die Chance nicht entgehen, den ein oder andern Experimentaldrink zu probieren. Der Laden an sich ist nämlich echt behaglich.

  2. Pingback: Gratulation an die Nominierten
  3. D. Rodenstock

    Ja das ist hier die Frage… Labor oder Bar?… Trüffelöl?… hier möchte man unbedingt das Rad neu erfinden…
    finde ich als Gast ziemlich anstrengend..

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