Distillers Bar München, Bartresen

Munich Distillers Bar. A bissl was geht immer an der Münchner Freiheit.

Bars 3.1.2013 1 Kommentar

Monaco Franze gehört zu München wie die Isar und das Oktoberfest. Die Figur des ewigen Stenz, die Helmut Fischer unter der Regie von Helmut Dietl einst so berühmt machte, ist fester Bestandteil der Münchner Kultur. Die Stadt ging sogar soweit, ihm an der Münchner Freiheit ein Denkmal zu errichten. Und nun hat ganz in der Nähe eine neue Location aufgemacht, die dem Franz bestimmt gefallen hätte.

Bar, Destillerie und Shop

Location deshalb, weil die Beschreibung Bar nicht ganz ausreichend wäre. Zwar ist die Distillers Bar bestimmendes Element und Herzstück des Ladens, aber neben dem Abendgeschäft mit Cocktails und Longdrinks wird in den gleichen Räumlichkeiten, tagsüber der eigene Vodka destilliert. Und so fällt dem Besucher auch zuerst die große Destille auf, die direkt am Eingang steht. Leicht abseits und integriert in den Franz Münchinger Shop, der allerlei Devotionalien rund um Monaco Franz verkauft.

Die Entstehung dieses außergewöhnlichen Konglomerats hat eine etwas längere Geschichte.

Diese beginnt mit Konstantin Graf von Keyserlingk, der im Zusammenhang mit einem anderen Projekt über die frühere Brennerei Riemerschmid auf der Praterinsel stolperte. Obwohl es sich damals nicht direkt umsetzen ließ, war die Idee eines eigenen Destillats geboren, und mit der Zeit entwickelte sich der Gedanke, das Ganze in Form von Erlebnisgastronomie umzusetzen. Von Keyserlingk und sein Geschäftspartner Maximilian Kloker, der verantwortlich ist für sämtliche gestalterischen Elemente, gründeten die Vodkamarke schon 2011. Mit einer besonderen Art der Finanzierung sammelten die zwei Jungunternehmer einen Großteil des Startkapitals über eine Form des „Crowd-Funding“ ein, indem sie Genussgutscheine verkauften. In kleinen Anteilen konnten sich so Investoren finden lassen, die weniger an der Rendite als von der Idee an sich überzeugt waren. Somit konnte die Produktion des Vodka angetrieben werden. Mit diesem Produkt wurden dann größere Investoren überzeugt, die sich an der Gründung einer Gastronomie beteiligten.

Recht spät kam man dann mit Carlos Vogel, dem Inhaber sämtlicher Rechte an „Monaco Franz“ zusammen, der dem Vodka Namen und Konterfei lieh und der in der Bar auch bereits erwähnten kleinen Shop hat.

Einzigartigkeit als Hürde

Kaum zu glauben, dass die Idee, die Produktion des Vodkas aus dem Keller in den Gastraum zu holen, vorher noch nie jemand hatte. „Das Prinzip der Gasthausbrauerei hat Münchens Biere weltberühmt gemacht“, so von Keyserlingk, „da ist es doch nur logisch, den Prozess der Vodkaproduktion auch in den Gastraum zu integrieren“. Dem Gast die Produktion begreiflich machen, die Herkunft zu verdeutlichen und eine tiefere Identifikation mit dem Produkt zu fördern, das sei das Ziel der offenen Herstellung.

Dass dies neu ist, musste man erfahren, als man sich die Genehmigungen einholen wollte. So gab es keine Standardformulare, die man ausfüllen konnte, sondern musste das Spiel mit den Behörden spielen, die sich Gründe ausdachten, warum es nicht klappen kann und als Unternehmer durfte man dann Antworten finden, wieso es doch funktioniert.

Einige Wochen habe man dieses Tauziehen veranstaltet, bis schlussendlich alle Hürden überwunden waren und man eine uneingeschränkte Genehmigung bekam. Und so wird nun das Produkt, welches in Zusammenarbeit mit der TU München entwickelt wurde künftig in den Räumen der Distillers Bar gebrannt.

Klassische Drinks in bombiger Nachbarschaft

Dass man den richtigen Standort habe, da sei man sich sicher. Nachdem das nördliche Schwabing in den letzten Jahren etwas gelitten hat, findet derzeit eine Aufwertung des Viertels statt. In unmittelbarer Nachbarschaft ging vor einigen Monaten die berühmte Bombe hoch. An dieser Stelle entsteht derzeit ein Wohn- und Geschäftshaus erster Güte, das zufällig auch noch den Namen Monaco trägt, mit der Distillers Bar aber nichts zu tun hat. Außerdem erkennt man einen Zuzug von wertiger Gastronomie und einen hohen Anteil kultureller Veranstaltungen im Viertel und ist guter Dinge für die Zukunft.

Und so bastelt man auch schon an neuen Projekten für die Zukunft. Von Keyserlingk verrät schon einmal so viel, dass es einen eigenen Rum geben wird, der 2013 in Produktion gehen soll. Allerdings nicht so auf München gemünzt wie der Vodka und Herstellung und Lagerung entstehen vor den Toren der Stadt.

Soweit Vodka, Rum und Business. Der andere Teil der Erlebnisgastronomie soll die „Distillers Bar“ sein. Auch hier hat man sich professionelle Unterstützung an Bord geholt in Person von John Hofmann, Gründungsmitglied des Münchner Barzirkels und mit elf Jahren Erfahrung als Barchef des Barista ausgestattet. Eine Bar, in der klassisch gearbeitet wird, in der aber auch der Spaßfaktor eine erhebliche Rolle spielen soll. Klassische Drinks wird es geben, in vielen Fällen mit einem speziellen Twist versehen, sodass sie auf das Thema München und Monaco Franze passen.

So soll es weggehen von der strengen klassischen Bar, in der man an der Theke sitzt und lang und breit über Zutaten und Zubereitung seines Drinks philosophiert. Gut soll es sein, und Spaß soll es machen. Und die Sorge einiger Gäste, ob es denn nur Vodkadrinks geben würde, entkräftet Hofmann auch sofort. Selbstverständlich gibt es alle möglichen Drinks und auch eine breit gefächerte Spirituosenauswahl, nur beim Vodka, da sei man etwas eingeschränkt.

Mit der Eröffnung kurz vor Weihnachten habe man sich zwar zeitlich sehr weit aus dem Fenster gelehnt, und neben Produktion und Planung sich selbst zusätzlichen Druck gemacht, aber nachdem alles geschafft ist, sei man sehr glücklich über den Zuspruch in den ersten Tagen und ist sicher, dass auch der Monaco Franze in dieser Bar seinen Spaß gehabt hätte. Ach ja, den Franze wird man in Zukunft am Sonntagabend in der Bar zeigen. Statt Tatort heißt es dann: Aber Fräulein, ich muss ihnen glei sagen, ich bin zu nix geeignet. Ich bin furchtbar faul, des Einzige was ich bin ist vergnügungssüchtig.

Distillers Bar

Occamstraße 2, 80802 München

Münchner Freiheit

Kontakt: +49 (0) 89 336900

Di-Do und So: 18-01 Uhr
Fr + Sa: 18-03 Uhr

Kartenzahlung: Nein

Rauchen: Nein

munichdistillers.de

Photo credit: Marco Beier

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