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FÜNF! Alben für die Bar

Bars 3.9.2017

Musik ist und war schon immer der heimliche Star der Bar. Doch welche Musik zu welchem Zeitpunkt auflegen? Wir haben eine kleine Reise quer durch die Musikgeschichte und unterschiedlichsten Genres unternommen. Hier also FÜNF! Alben für die Bar, von A wie Al Green bis Z wie Zhu.

„Music makes the people come together…“ so besang es einst schon Madonna auf ihrem 2000er Album „Music“. Was sich als Aussage einem flapsig-generalisierenden Unterton nicht entziehen kann, birgt eine entscheidende Wahrheit: Musik verbindet. Sie führt Menschen zusammen oder bringt sie auseinander, sie ist der pulsierende Bass der Nacht, der uns selbst dann antreibt, wenn uns die eigentliche Müdigkeit längst eingeholt hat.

Musik ist einer dieser ewig-diskutierten Hidden Champions der Bar. Füllt sie den ansonsten kläglich steril und leer wirkenden Raum mit Klang und verleiht ihm einen steife Intimität verhindernden Hintergrundsound, schafft die Musik in Wahrheit aber auch mehr, als das Geräusch rasselnder Shaker zu überdecken.

Musik schafft Stimmung. Diese heizt Gäste an, aktiviert ihr Verlangen nach Drinks und beflügelt ihre Träume. Diese Symbiose aus Musik, Drinks und Erinnerung ist eine Kopplung unserer verborgenen Träume, miteinander vereint über den Klang. Da jedoch eine jede Bar oftmals ein anderes Trink-Konzept bedient und ein verschiedenes Klientel anspricht, hier nun also FÜNF! Alben, jeweils mit unterschiedlichem Fokus.

Gil Scott-Heron & Brian Jackson – Bridges (1977)

Das 1977 im Arista Label erschienene, von Gil Scott-Heron und Brian Jackson als Collaborative Effort aufgenommene Album ist nur ein Beispiel für die fruchtbare Zusammenarbeit des Jazz/Soul-Poeten Heron und des Klarinetten-Virtuosen Jackson. Bereits Anfang der 1970er veröffentlichten sie nach einigen erfolgreichen und zumeist aus kontemporärer Poetry zusammengesetzten Solo-Alben Herons ihre ersten Werke, die sich eher der Symbiose aus Jazz und Soul widmeten und für den unbedarften Hörer möglicherweise noch sperrig wirken. Mitte der 1970er hatten sie ihren Stil endgültig gefunden und unterlegten wohlkomponierte Balladenklänge, aber auch rhythmisch anspruchsvolle, perkussive Stücke mit gesellschaftskritischen Texten. Scott-Heron, einer der wichtigsten Vertreter der Black Community und aufgrund seines variablen Sprechgesangs noch heute nach seinem Tod als Mitbegründer des frühen HipHop verehrt, prangert in seiner Lyrik Missstände der amerikanischen Politik und Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung an.

Das alles tut er mit seiner tief-beruhigenden, sonoren Stimme, wabernd auf einem für das Jahrzehnt typischen Soul/Funk-Teppich der Sonderklasse. Fast unbemerkt festigt sich so seine Gedankenwelt im Ohr und Kopf des Hörers. Ein souliges Meisterwerk für den Freitagabend mit einem Old Fashioned in der Hand. Warum noch mal hat eigentlich dieser Bob Dylan damals den Nobelpreis bekommen?

Al Green – Let’s stay together (1972)

Sprachen wir gerade über Soul, so führt kein Weg vorbei am Altmeister dieser Kategorie. Vergessen Sie, was Ihnen die heutige R’n’B-Generation mit ihren wummernden Bässen und kryptisch-unpersönlichen Texten als Output des Contemporary Souls verkaufen möchte, und lauschen Sie den sanften Klängen Al Greens‘ zerbrechlicher Stimme auf seinem frühen Meisterwerk „Let’s stay together“. Später, ab Mitte der 1980er-Jahre als Preacher der Stilrichtung des Gospels verfallen, bekommt der Hörer gerade auf den frühen Werken Greens das unverfälschte Zusammenspiel aus raubeinig-bluesigen Sounds und den kitschig-träumerischen, zumeist dem Thema Liebe untergeordneten Lyrics des seelengeplagten Sängers aus Memphis.

Sein Stil der orchestralen Untermalung und perkussiven Ausstattung in seinen Songs sollte im Laufe der Jahre viele Nachahmer finden, und noch heute stehen er oder beispielsweise Marvin Gaye Sinnbild im Sound für viele Musik-Künstler wie Pharrell Williams oder Justin Timberlake. Let’s stay together ist ein wunderbares Beispiel für eine Zeit Anfang der 1970er-Jahre, in der Soul noch die Überreste des Rock n’ Roll mittrug und nicht so weichgespült wie heutzutage zu klingen vermochte. Musik für die ruhigeren Tage mit Genießern an der Bar, nichts für hektische Stunden.

Moby – Play (1999)

Anfang der 2000er spielte Leonardo diCaprio in einem vom späteren Oscar-Gewinner Danny Boyle produzierten Film einen jungen Briten auf Backpacker-Mission, den es auf die mysteriöse Aussteiger-Insel im südthailändischen Meer zog, auf der er sich in seine Mitreisende Französin verliebte und das Drama seinen Lauf nahm. Spätestens jetzt sehen die Kenner von „The Beach“ beide Protagonisten im Meer zu der sphärischen Musik des amerikanischen DJs Moby tauchen. „Porcelain“ wurde ein Welterfolg und als Singleauskopplung ein regelrechter Verkaufsmotor für sein 1999 kurz vor dem Millennium erschienenes Meisterwerk „Play“. Wenig später folgte als nächste Single „Why does my heart…“, eine tragische Hymne voller Melancholie im Soundgewand des mit Loop-Fetzen bekannter oder weniger bekannter Soul-Songs der 1960er-Jahre ausstaffierten Beats and Drum-Genres.

Das Electronica- und Downtempo-Klanggefüge kommt auf keinem anderen Album des DJs auf ähnlich beeindruckende Art und Weise zutage wie besagtem Album. Schnelle und pulsierende Tracks wie „Honey“ oder „Find my Baby“ geben die Marschrichtung vor und treiben die Masse an, sie schaffen ein einzigartiges Bild aus den Überresten des Ende der 1990er verblichenen Techno und verleihen diesem faszinierenden Bild eine zeitgemäße, vor Authentizität nur so strotzende Seriosität, die Coolness mit Melancholie auf einzigartige Weise verbindet. Ein Meisterwerk für die hektischen Stunden am Wochenende, Musik, die das Barteam anheizt, über sich hinauszuwachsen.

Miles Davis – A kind of Blue (1959)

Vierzig Jahre vor Moby veröffentlichte der große Miles Davis eines seiner bedeutsamsten Werke. In nur zwei Monaten aufgenommen, gelang es Davis und seinem Sextett, ein ewiges Jazz-Album zu schaffen, das auch heutzutage noch immer als Meisterwerk dieser Stilrichtung gilt. Die leisen und bedachten Töne des Klaviers vermählen sich mit der unverkennbar von Davis gespielten Jazz-Trompete und bieten ein Wechselspiel aus kühl-selbstbewussten Klängen und dem warmen, von Klavier und Kontrabass gebotenen Hintergrund.

Sicherlich kein einfaches Album des kontemporären Fusion-Jazz im Stile eines Grover Washington Jr. – dessen Werke es an dieser Stelle keineswegs zu schmälern gilt – viel eher ein Werk für die nachdenklichen Stunden im letzten Viertel des Jahres in der Jazz-Bar Ihrer Vorliebe. Musik zum Verstehen und aktiven Mitlauschen.

Zhu – Generationwhy (2016)

Dem breiten Publikum eher unbekannt, veröffentlichte der amerikanische DJ mit chinesischen Wurzeln nach seinem respektablen Club-Hit “Faded“ letztes Jahr sein erstes Debüt-Album. Zhu greift dabei anders als viele seiner Kollegen auf organisch eingespielte Instrumente zurück, die dem Werk im Gegensatz zu vielen im Sound-Computer geschaffenen Alben Leben einfließen lässt. Generationwhy ist ein Abgesang auf das chaotische Leben der Millennials im Spagat zwischen digitaler Realität und analogem Zufluchtsort.

Besonders schön klingt „Generationwhy“ immer dann, wenn Zhus zerbrechlich-hohe Stimme der Unsicherheit, mitunter Ausdruck der Unbehaglichkeit der schnell vorbeiziehenden Zeit, auf pulsierend-krachende Beats trift. Wer Mainstream-Musik im Sinne von David Guetta oder Calvin Harris erwartet, der sei beruhigt. Die warmen Soundsamples sind umgeben von einem obskuren und mysteriösen Gesang, der für die Mitternachtsstunden auserkoren wurde. In seiner Komplexität eines der besten elektronischen Alben der letzten Jahre, für die Club-Bar mit Speed-Rack genauso geeignet wie für die Lounge am Wochenende.

Photo credit: Musik via Shutterstock.

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