Ein Porträt. MIXOLOGY ONLINE im Gespräch mit Nicole Bachert.

Bars 23.12.2013

Nicole Bachert ist einer der Grundpfeiler  des Berliner  Stagger Lee-Teams, das bei den MIXOLOGY BAR AWARDS 2012 den Preis für die „Bar des Jahres“ erhalten hat. MIXOLOGY ONLINE befragte sie nach ihrem Werdegang und ihren flüssigen Vorlieben.

Nicole, wie kamst Du das erste Mal mit der Welt der Bars in Berührung?

Wie bei vielen unserer Kollegen auch, bin ich mehr oder weniger in die Gastronomie als Quereinsteiger gerutscht. Eigentlich bin ich Tanzlehrerin für Standard, Latein und Jazz in Frankfurt gewesen. Allerdings musste ich, aus gesundheitlichen Gründen, das Tanzen aufgeben. Während meiner Genesungszeit habe ich dann als Servicekraft in Cafés und Bars begonnen.

Vermisst Du heute noch das Tanzen? Ist der Tanz noch Teil Deines alltäglichen Lebens?

Sicher ist es schwer einen Beruf aufzugeben, den man gelernt, geliebt und gelebt hat. Allerdings bin ich, trotz der Verletzung, sehr dankbar dafür, dass ich in diese Richtung gestoßen worden bin. In eine Richtung die mich noch mehr erfüllt und in mir die gleiche, vermutlich noch größere, Leidenschaft geweckt hat. Ich denke gerne zurück daran, aber ich bin mehr als zufrieden mit dem Hier und Jetzt.

Wie verlief Dein weiterer beruflicher Werdegang als Barfrau?

Meine erste Station in der Gastronomie war das Café Hauptwache in Frankfurt. Da hab ich Blut geleckt und wollte mehr. Nach einigem Suchen und Ausprobieren bin ich dann in einer mexikanischen Cocktailbar gelandet. Aller Anfang ist schwer! Besonders wenn man, ohne Barerfahrung,  in ein volles Geschäft mit einer Karte von über 300 Cocktails geworfen wird. Ohne Barchef oder Vorarbeiter. Aber ich habe es irgendwie gelernt und geschafft, ohne mich davon abschrecken zu lassen.

Etwas später habe ich eine Ausbildung zur Hotelfachfrau begonnen. Gelernt habe ich im Haus Gerbermühle in Frankfurt. Ich wurde während meiner Ausbildungszeit verstärkt in der Roomers Bar eingesetzt. Dort konnte ich eine Menge lernen und mich auf die Bar fokussieren. Etwas später durfte ich mit Gabriel Daun in der Gekkos Bar arbeiten.

Wie kam es zu Deiner Entscheidung, Frankfurt zu verlassen und nach Berlin zu ziehen?

Um ehrlich zu sein, war es kein beruflicher Grund. Der Umzug und Wechsel nach Berlin ist rein privater Natur gewesen. Der Transfer tat mir aber sehr gut und ich bin froh in Berlin zu sein.

Berlin und Frankfurt sind Metropolen mit etablierten Bar-Szenen. Welche präferierst Du?

Wie gesagt, ich bin sehr glücklich in Berlin. Das war ich allerdings auch in Frankfurt. Mit den Bar-Szenen verhält sich das allerdings komplett unterschiedlich. Die Frankfurter Barszene genießt klassischen Charme und versucht eine High-Society-Attitüde zu vermitteln. Dem entsprechend ist auch das Klientel. Berlin ist da etwas direkter, offensiver, ehrlicher und einfacher. Das gefällt mir. Ich mag Charaktere und nicht die Anzüge, in denen sich oft Charaktere verstecken.

Wofür interessierst Du Dich außerhalb der Arbeit hinter der Bar? Hast Du Hobbys?

Essen und Trinken! Ich würde sagen, ich bin ein „Foody“. Ich liebe gute Küche. Das bedeutet aber nicht, dass es die Haute Cuisine sein muss. Ich bin mit einfacher und authentischer Küche sehr zu frieden. Dazu genieße ich auch gerne ein Glas Wein. Ich liebe Spirituosen, aber die brauche ich in meiner Freizeit nicht unbedingt. Essengehen und Speisen entdecken, ist mein Hobby.

Und womit beschäftigst Du Dich an deinem freien Tag, wenn es nicht Essen ist?

Im Sommer würde ich rausfahren ins Grüne, zur Sonne und an den See. Einfach entspannen und ein Buch lesen. Dort kann ich abschalten und mich gehen lassen. Zur kalten Jahreszeit zieht es mich oft in die Therme und in die Sauna.

Was ist Dein Lieblings-Cocktail?

Ich trinke sehr gerne einen Dark’n’Stormy. Ansonsten aber auch gerne einen Manhattan. Sweet nach Möglichkeit und mit Bourbon als Basis. Ich bestelle gerne einen Manhattan Cocktail,  wenn ich neue Bars besuche.

Was ist Deine Lieblingsbar?

Das Buck and Breck in Berlin. Ich genieße die Atmosphäre in dem Laden. Man fühlt sich dort willkommen. Im Buck and Breck kann man unter sich sein, ohne das Gefühl der Isolation zu haben. Ansonsten bin ich auch ein Fan der Le Lion – Bar de Paris in Hamburg. Edel, exklusiv und handwerkliche Perfektion. Ich mag Kontraste!

Was ist Dein Lieblings-Club, Dive-Bar oder Kneipe?

Das Feiern in Clubs ist nicht mehr so meins. Ich bin vielleicht drei oder vier Mal im Jahr feiern. Ich bin lieber unterwegs und entdecke!

Kneipenbesuche sind bei mir auch eher die Ausnahme. Allerdings wenn ich eine finde, die verraucht, verrucht und verrückt ist, lass ich mich auch gerne auf einen „Drink“ ein. Ich mag die Einfachheit und den Charme, den Kneipen und Pinten haben. Aber häufig besuche ich diese nicht.

Hast Du Vorbilder im Barbereich? Wenn ja, welche?

Vorbilder weniger, da ich immer versucht habe, meinen eigenen Stil zu finden und zu wahren. Jedoch habe ich jemanden, den ich als Mentor sehe. Yared Hagos aus Frankfurt. Er hat mir vieles beigebracht. Angefangen von Rezepten, über Basiswissen, Gästebetreuung, bis hin zu generellen Werten, die man in einer Bar vertreten sollte. Ich schätze ihn sehr und bin dankbar für die Zeit und die Geduld, die er in mich investiert hat. Er hat mich an die Bar heran geführt.

Von welchem Bartender würdest Du Dir blind einen Cocktail mixen lassen?

Goncalo de Sousa Monteiro aus dem Buck and Breck. Ich habe bei Goncalo noch nie einen Drink bestellt. Ich bekomme immer eine Überraschung. Diese schmeckt mir auch. Er kennt einfach meine Vorlieben und kann gut meine Stimmung lesen. Ich bin noch nicht enttäuscht worden.

In welcher Situation würdest Du eine Bar sofort verlassen?

Das muss ich etwas differenzieren. Als Barfrau würde ich einen Arbeitsplatz verlassen, wenn kein Team-Work vorhanden wäre. Ich bin kein Fan von  Gruppen aus Einzelkämpfern und Alpha-Tieren. Mir sind die gemeinsame Arbeit und das Teamgefüge sehr wichtig und ich halte dies essenziell für einen erfolgreichen Laden.

Als Gast würde ich eine Bar sofort verlassen, wenn Bartender oder Servicekräfte sich nicht um ihre Gäste kümmern. Wenn das Gefühl der Gastfreundschaft nicht übermittelt werden kann, hat man etwas falsch oder nicht richtig gemacht. Und das finde ich furchtbar. Jeder Bartender sollte ein guter Gastgeber sein.

Was steht in Deinem Traum-Speed-Rack?

In meinem Traum Speed Rack würde kein Vodka stehen. Als Gin würde ich Plymouth wählen. Da ich von dem Geschmack und der Herstellung sehr überzeugt bin. Als Bourbon würde ich einen Basil Hayden wählen. Ein geschmacklich rundes und sehr intensives Produkt, das trotzdem sehr vielfältig einsetzbar ist. Ich arbeite sehr gerne damit. Ich würde in meinem Speed-Rack sogar auf Scotch oder Irish verzichten und dafür einen Rye mit reinnehmen. Vielleicht sogar den Sazerac Rye. Mich interessieren die amerikanischen Whiskeys einfach mehr. Weiter würde ich mein Traum-Rack auch gerne noch mit einem El Dorado 12 ausstatten. Als Likör wähle ich einen Wermut: Carpano Antica Formula. Trifft genau meinen Geschmack. Damit kann man eigentlich keinen Manhattan verhauen.

Worauf hast Du Dich spezialisiert?

Ich beschäftige mich gerne mit American Whiskeys, Bourbons, Tennessees, Ryes. Ich mag die Komponenten, die Tradition und das Geschmacksspektrum, das mir die amerikanischen Whiskeys liefern. Sie bieten oft eine bessere Basis, um Cocktails zu entwerfen und lassen sich sehr gut kombinatorisch einsetzten. Bei Scotch hab ich das Gefühl, dass sie vom Geschmack so komplex sind, dass oft kein Mehrwert gewonnen ist, wenn man sie vermixt.

Hast Du Platzierungen bei Cocktail- oder Bartender-Competitions errungen?

Nein. Ich bin froh darüber, dass in dem Bereich viel getan wird und wurde. Ich freue mich auch darüber, dass ambitionierte Bartender sich darauf einlassen und sich dort voller Motivation beweisen. Schön, dass es solche Veranstaltungen gibt. Aber ich bin vermutlich einfach nicht der Typ dafür. Schon in meiner Jugend war ich sportlich sehr engagiert, allerdings bin ich noch nie ein Freund von Wettkämpfen gewesen. Das sich gegenseitig etwas beweisen, ist vermutlich nicht meins.

Wo siehst Du Dich in 10 Jahren?

Ich bin natürlich für das offen, was die Zukunft mir zu bieten hat. Bis jetzt hatte ich oft Glück, was meinen Lebensweg angeht. Allerdings habe ich schon die Selbstständigkeit vor Augen. Mit einem eigenen Projekt kann und will ich die treibende Kraft sein. Berlin ist für mich ein guter Standort.  Allerdings möchte ich in 10 oder 15 Jahren nicht mehr hinter dem Tresen stehen. Gerne aber davor, um mir Zeit für meine Gäste zu nehmen.

Wir danken Dir vielmals für das Gespräch!

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