Dr. Jean Pierre Ebert, flüssiger Ingenieur

Bars 26.5.2014

In Berlin Mitte, am Hackeschen Markt, befindet sich direkt unter den Eisenbahnschienen in einem katakombenähnlichen Viadukt die Rivabar. Diese führt Dr. Jean Pierre Ebert seit 2008 mit seinem Team. Mit MIXOLOGY ONLINE sprach er über Wissenschaftsmanagement, Marketing-Drinks und Champagner.

Eine hohe gewölbte Decke wie ein Tunnel ziert die Rivabar und ist ein schönes architektonisches Element, bei dem sich die Innenarchitekten wahrscheinlich an die Formgebung der Bahntrasse orientiert haben. Drei Architekten waren es auch, von denen Jean Pierre Ebert die Bar im Jahre 2008 übernommen hat. Eigentlich hat er geplant, eine Lokalität zu finden ohne vorhandene Strukturen, aber: Unverhofft kommt oft.

Sommer und Winter

Zusammen mit einer guten Freundin, die inzwischen auch die Lebenspartnerin von Jean Pierre ist, haben sich beide in gutem Wechselspiel an die neue Aufgabe gesetzt: seine Partnerin an die anfallende Tagesarbeit und Jean Pierre an die Nachtarbeit. Der Vorteil der Übernahme von alten Strukturen währte aufgrund des großen Lernprozesses nur kurz, da innerhalb der ersten zwei Monate die Belegschaft komplett ausgetauscht wurde und es zwei Jahre gedauert hat, bis sich die Rivabar etabliert hat. „Zurückblickend war ich bestimmt die letzten fünf Jahre jeden Tag in der Bar und habe gearbeitet.“

Vor allem das Erhöhen des Durchschnittsalters des Publikums war den beiden am Anfang wichtig, da dieses zu jung und „loungig“ war, außerdem sollten sich vermehrt Stammgäste einfinden, was sich vor allem im Winter positiv bemerkbar macht. Umgekehrt ist es im Sommer ambivalent, da die Rivabar zwar eine schöne Terrasse mit Blick auf den Fernsehturm besitzt, die aber für das Laufpublikum nicht direkt ersichtlich ist. Ist diese jedoch bei gutem Wetter reichlich besucht, ist der Innenraum verständlicherweise leer. Finanzielle Herausforderung die der promovierte Ingenieur jedoch durch Maßnahmen wie Catering auf Messeveranstaltungen gut meistert.

Von der Professur hinter die Bar

Dabei hatte der Doktor der Elektrotechnik zuvor die feste Absicht auf höhere akademische Weihen, ehe er sich 2007 entschied, sich von seiner wissenschaftlichen Karriere  zu trennen. Dort war er etwa zehn Jahre in leitender Position an einem Lehrstuhl im Fachbereich Elektrotechnik an der TU Berlin tätig, und wiederum noch einmal vier Jahre am IHP, einer Leibnitz-Gesellschaft Forschungsstätte in Frankfurt/Oder. „Es lief sehr gut, deswegen ändert man ja dann auch nichts. Auf Dauer kam mir die Tätigkeit aber eher wie Wissenschaftsmanagement vor: Man streut Ergebnisse in die Welt, platziert die vernünftig, reist viel und bringt Geld in den Lehrstuhl.“ Dies, das bildungspolitische Umfeld und der Forschungsalltag haben dann zu der Entscheidung des Aufhörens im Jahre 2007 beigetragen.

Auf völliges Neuland hat er sich mit der Eröffnung einer eigenen Bar nicht begeben, da er schon während des Studiums privat gerne mit Flüssigem experimentiert und kreiert hat. „Cateringveranstaltung von über 200 Leuten bringen während des Studiums natürlich Geld ein, das ich aber auch in die Bars dieser Welt wieder hineingetragen habe. Abends den Tag in einer Bar Revue passieren zu lassen, finde ich entspannend. Auf meinen Dienstreisen war ich oft in den USA, Frankreich oder auch Japan. Vor allem Tokio ist eine Barerfahrung: Präzision pur bei der Drinkzubereitung.

Drinks die Geld bringen

Auf diese legt er natürlich selbst auch Wert und hat auch kein Problem damit wenn Leute “ordinäre“ Wünsche haben. “Wenn jemand einen Swimming Pool haben möchte, mach ich den. Ich fühle mich durch den Wunsch des Gastes nicht persönlich beleidigt. Wenn jemand beispielsweise eine Pina Colada mit viel Sahne möchte, bitte. Ich biete den Leuten dann zwar auch die Originalversion an,  breche mir aber keinen ab, wenn die Leute so etwas bestellen.“

Drinks schmecken, wenn sie tadellos zubereitet sind, seiner Meinung nach alle gut und sind eine Sache der Empfindung. Drinks sind für ihn oft auch eine Sache des Marketings. Sein kreierter Mitte Cocktail, war zum Teil auch eine Geschäftsidee, bei der er natürlich Geschmackskriterien aufgestellt hat, aber nicht aus der Intention heraus den besten Drink zu kreieren. „Ein guter Drink ist der, mit dem man Geld verdienen kann. Guter Geschmack natürlich vorausgesetzt. Vielleicht werde ich ja noch berühmt und berüchtigt“, scherzt er mit einem Augenzwinkern. „Für den Namen kannst du dir allerdings nichts kaufen, das ist eher ein schöner Nebeneffekt, aber ich lege da keinen besonderen Wert darauf. “

„Champagner ist meine erste große Leidenschaft“

Persönlich trinkt er Cocktails dem Anlass entsprechend, wie zum Beispiel Martinis als klassischer Pre-Dinner Drink. Nach einer anfänglichen Skepsis hat er sich im Winter auch von Craft Beer überzeugen lassen, jetzt zum Sommeranfang interessieren ihn aber persönlich Wein und Champagner am meisten. „Champagner ist meine erste große Leidenschaft. Ich fahre auch zwei bis drei Mal im Jahr in die Champagne. Und wenn das Geld und die Zeit es zulassen, auch nach Südfrankreich zum Windsurfen. „

Sein Plan für die nächsten Jahre ist vorerst den Erfolg seiner Bar zu steigern, da er nicht in Schönheit sterben will. Die Gastronomie ist ein Schleudersitzunternehmen, das schon zu viele wegkatapultiert hat. Zum 10-jährigen Jubiläum überlegt er dann nochmal ob er seine Pacht verlängert, ein weit geplanter Schritt, aber Unverhofftes passiert ja nicht selten.

Photo credit: Alexander Agarius

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