Wer nicht wagt, der nicht gewinnt: das Roomers Baden-Baden

Bars 27.8.2016 1 Kommentar

Baden-Baden ist nicht auf Anhieb die erste Assoziation, wenn man an eine neue Heimat für ein Roomers Hotel und eine Roomers Bar denkt. Schaut man allerdings genauer hin und unterhält sich mit Barmanager Enrico Albrecht über das Konzept, wird klar, dass die Stadt eine Mischung aus Tradition und Moderne gut vertragen kann.

Nordlichter gehen angeblich gerne baden, aber gehen sie auch nach Baden-Baden? Eine  Kurstadt an den Hängen des Schwarzwaldes, die sich qua Doppelnamen selbst ihrer Einzigartigkeit versichern muss. Der 1986 in Lübeck geborene Enrico Albrecht wagt es und will die nächsten drei Jahre der Barkultur in der Stadt der Spieler, Adeligen und wohlbegüterten Erholungsbürger seinen Stempel aufdrücken. In Baden-Baden sprudeln nicht nur Thermalquellen und das Geld, es ist auch eine Stadt der Medien, Musik und der Festspiele. Die aus Frankfurt bestens bekannte und äußerst renommierte Gekko Group will in Baden-Baden mitmischen und hat 2016 zu seinem Innovations- und Investitionsjahr erklärt. In Berlin, München und eben hier, in der ehemaligen Residenzstadt bei Karlsruhe, entstehen neue Hotel- und Barprojekte. Und Enrico Albrecht ist der Barmanager im Roomers Baden Baden.

Jenseits der Klischees

Albrecht ist Spross einer Gastronomenfamilie, kommt schon als Schüler in Kontakt mit seiner späteren Profession. Nach dem Abschluss als Restaurantfachmann zieht es ihn zunächst nach Travemünde und nach weiteren Stationen auf ein Kreuzfahrtschiff, ehe er 2011 nach Frankfurt wechselt und in der Roomers Bar anheuert. Zuletzt hat er dort den Posten als Chef de Bar begleitet. Warum will man aus einer florierenden Großstadt mit einigen der besten Bars Deutschlands und einem stabilen und lebendigen Umfeld in die Provinz? „Da muss man sich einige Vorurteile abschminken“, sagt Albrecht. „Baden-Baden hat zwar nur 57.000 Einwohner, aber die Internationalität auf kleinem Raum hat mich gereizt. Ich will hier Pionierarbeit leisten.“

In der Tat ist festzustellen, dass besonders im südwestdeutschen Raum die Genuss- und Barkultur mit Siebenmeilenstiefeln voranschreitet. Vielleicht muss man wirklich einmal die Schere im Kopf weglassen und sie der erotisch-mörderischen Isabelle Adjani überlassen. In dem Film „Das Auge“ bedient sie als Killerin das Klischee von blasiert vor sich hinwelkenden Jenseitsschönheiten im Bademantel, garniert mit Faltencremeorgien, die sich beiderlei Geschlechts elitär auf den nächsten Casinobesuch vorbereiten.

„Baden-Baden ist jünger als man denkt. Die Leute hier sind neugierig und sehr aufgeschlossen. Ich werde dauernd gefragt, wann es losgeht. Auch alteingesessene Bars freuen sich auf den Input, den wir mitbringen werden“, fasst er die Erfahrungen der ersten Wochen zusammen. Außerdem ist Enrico Albrecht ein Naturfreak. „Ich ziehe gerne mit dem Mountainbike und meinen beiden Hunden los. Eigentlich bin ich lieber auf dem Land als in der Stadt“, beschreibt er sich. Da passt es auch, dass seine nächste große Reise nach Kanada gehen soll.

Klassisch und modern

Doch zunächst wartet auf Albrecht in Baden-Baden viel Arbeit, und die Basis muss stimmen. „Eine Bar lebt vom guten Gespräch, der Gast muss vom Personal abgeholt werden. Das Roomers wird eine kleine Traumwelt bieten und wir werden einen lockeren, offenen Gastgeberstil pflegen“, verspricht er. Das 17-köpfige Team kommt aus der Region, vor allem aus Baden-Baden und Karlsruhe. Dann müssen an 365 Tagen sieben Tage die Woche zwei Bars bespielt werden. Im unteren Bereich eher klassisch mit begehbarem Humidor und bis vier Uhr morgens geöffnet, so wie es Albrecht liebt. „Privat gehe ich gerne in klassische Bars, wie das Jimmy’s im Hotel Hessischer Hof, sonst kann es auch gerne eine einfache Kneipe sein.“

Nach bewährtem Roomers-Konzept wird ein DJ für den begleitenden Sound sorgen. Die Rooftopbar mit Pool spricht schon die Frühaufsteher an und öffnet bereits um 6:30 Uhr. Eine gute Zeit, um seinen Hangover zu verwöhnen oder den Tag mit Vitaminshots und den ersten Bahnen im Nass zu beginnen. 130 Zimmer warten auf die Gäste. Albrecht erklärt: „Im Unterschied zum Roomers in Frankfurt wird unser Haus durch Helligkeit bestechen.“

Enrico Albrecht ist ein Fan regionaler Produkte, so wird er sich an der badischen Fauna versuchen. „Obwohl ich ein Bourbon-Liebhaber bin, wollen wir einige Kreationen auf Weinbasis vorstellen. Schließlich ist das hier Rebland. Aber auch Sake und asiatische Kreationen kommen, entsprechend der Ausrichtung des Restaurants im Hause.“ Moderne Techniken wie Sous Vide und Cold Drip kommen zum Einsatz, „aber wir wollen nicht zu hoch einsteigen“, ergänzt Albrecht. Was das Geschehen an der Bar angeht, hat er allerdings genaue Vorstellungen: „Ich mag es, wenn die Bar zur Bühne wird, wenn der Bartender dem Gast etwas zum Sehen gibt und extrovertierte Techniken beherrscht.“

Die Spieler

Solange das nicht in Kapriolen und Arabesken geschieht, sicherlich ein probates Mittel, um Gäste an sich zu binden. Albrecht weiß das. Die Planungen sehen die Eröffnung für Mitte oder Ende Oktober vor. Was soll schon schief gehen in der Stadt zu Fuße des Großen Staufenberg? Der Großschriftsteller, süchtige Roulettespieler und Pleitier Fjodor Dostojewski ging im Casino Baden-Baden richtig baden. Dem verdanken wir immerhin den wunderbaren Roman „Der Spieler“. Dass das Roomers ein ähnliches Schicksal erleidet, ist nach allen bisherigen Erfahrungen nicht zu erwarten. Die Macher des Roomers spielen mit System.

Ein Kommentar

  1. D. Rodenstock

    „Eine Bar lebt vom guten Gespräch, der Gast muss vom Personal abgeholt werden. Das Roomers wird eine kleine Traumwelt bieten und wir werden einen lockeren, offenen Gastgeberstil pflegen“, verspricht
    Enrico Albrecht..

    Nun denn, ich würde mich freuen wenn dies in Baden Baden eintrifft… in Frankfurt ist dem leider nicht so.

    Dort werden die Gäste im Roomers „nicht abgeholt“.. Dort herrscht leider unsägliche Arroganz, welche beginnt bei der Begrüßung der Gäste, weitergeht mit „Stirnrunzeln“ bei einer Bestellung welche den Herren hinter der Bar nicht gefällt und endet mit einer zur Schaustellung der Selbstverliebtheit für das eigene tun und dem Vergessen der Gäste, welche in erster Linie gekommen sind um etwas zu trinken und nicht dem Posing der Barkeeper zu huldigen.

    Es ist Enrico Albrecht zu wünschen, daß er es schafft, diese Arroganz in Frankfurt zu lassen, denn das Baden Badener Publikum, läßt es sich nicht gefallen vorgeführt zu werden, das würde Albrecht schnell zu spüren bekommen.

    Ich freue mich auf die Eröffnung, auf einen guten Drink mit einer ebenso guten Zigarre und hoffe, das ich als Gast von Albrechts Team „abgeholt“ werde.

    In diesem Sinne wünsche ich viel Erfolg.

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