Man on a Liquid Mission: Volker Seibert

Bars 25.7.2016

Im Herbst werden wieder die MIXOLOGY BAR AWARDS verliehen. Wir porträtieren noch einmal die Gewinner des letzten Jahres. Den Anfang macht Volker Seibert. Der Kölner bekam als erster die Titel „Bar des Jahres Deutschland“ und „Mixologe des Jahres“ im gleichen Jahr zugesprochen. Zurecht! Denn die Cocktails sind schlichtweg fantastisch.

Es sei ein bisschen so, als hätte man als Koch mit seinem Restaurant einen Stern bekommen, sagt Volker Seibert. Nur dass in seiner, nach ihm benannten Kölner Bar Seiberts eben Drinks über den Tresen wandern. Allesamt mit flüssiger Finesse und in solcher Perfektion präsentiert, die jeder Haute Cousine ebenbürtige wäre. Entsprechend honoriert wurden er und sein Team in der letztjährigen Ausgabe der MIXOLOGY BAR AWARDS. Gleich zwei der begehrten „Oscars der Barwelt“ konnte Volker in den kühlen Oktobernachthimmel Berlins stemmen: „Mixologe des Jahres“ und „Bar des Jahres Deutschland“. Ein Doppel, das zuvor so noch niemand gewann – und vor allem der Lohn harter Arbeit.

Der Weg zur eigenen Bar

Den mixologischen Grundstein für den Erfolg legte der heute 43-jährige wohl noch in seiner alten Wirkungsstätte, der Capri Lounge, dessen Position in der deutschen Cocktaillandschaft er als Barchef und -Manager über 14 Jahre lang prägte. Im Frühjahr 2014 folgte dann die lang ersehnte Eröffnung der eigenen Bar. In den Räumlichkeiten eines ehemaligen französischen Restaurants im Kölner Friesenwall entstand das „Seiberts Classic Bar & Liquid Kitchen“. Ein langer Holztresen im Inneren, ein kleiner grüner Garten für den feierabendlichen Aperitif im Sommer. Gediegene Sitzgelegenheiten, eine entschleunigte Welt und immer der angenehme Duft großer, frischer Blumenbuketts. „Wir haben hier alle ein so großes Pensum an Arbeit hineingesteckt. So viel Liebe. Mehr geht einfach nicht“, sagt Volker stolz.

Und vor allem auf den Beinamen „Liquid Kitchen“ legt man hier wert. An keinem Tag steht die Vorbereitungsküche still. Ab 12 Uhr mittags wird an der Mise en Place und an Hausgemachtem, wie dem Three Wishes Gin, für den Verkauf gearbeitet. Auf der umfangreichen Karte stehen dann Labsale wie Lemon Curd Daiquiri, Trüffel Sazerac oder Cocktails mit Reisetbauer Karottenbrand und Champagner. Serviert werden sie aufwändigst garniert mit essbaren Blüten, getrockneten Zitrusfrüchten und Espumas, die den Gästen relativ schnell verdeutlichen, dass der Preis „Mixologe des Jahres“ wohl zweifelsfrei in diese Bar gehört.

Die Früchte der Arbeit

Der Award, sowie vor allem die Trophäe für die „Bar des Jahres“, betont Volker allerdings, gehören dem ganzen Team. Schließlich arbeite man seit Jahren Abend für Abend zusammen, kennt sich zum Großteil bereits aus der Capri Lounge und baute das Seiberts auch zusammen auf. Entsprechend groß ist für alle der Motivationsschub, der mit den Auszeichnungen kam. „Es ist ein Ansporn für uns alle, wir wurden dadurch als Team noch enger zusammengeschweißt“, erklärt er, „es sind auch noch alle hier. Das Team, mit dem wir damals in Berlin waren, besteht heute noch genauso.“

Insgesamt, resümiert er die letzten zehn Monate überblickend, habe sich seit dem Doppelsieg bei den MIXOLOGY BAR AWARDS alles sehr, sehr positiv entwickelt. „Es ist Wahnsinn. Ein gewaltiger Sprung für die Bar, an Prestige unbezahlbar und auch umsatztechnisch noch einmal das i-Tüpfelchen,“ schwärmt Volker, „es gab Presseanfragen und Berichte ohne Ende. Einfach unglaublich, wie viele sich dafür interessiert haben!“ Die lange Schlange wartender Gäste vor seinem Kleinod wurde für ein halbes Jahr zum abendlichen Normalzustand und die Arbeit keineswegs weniger.

Never Change a Winning Team

„Einige Gäste erwarten jetzt Wunder, dabei machen wir ja nichts anders als zuvor“, beschreibt es Volker gerne. Schließlich seien auch die Anforderungen an seine Bar mit dem Sieg gestiegen. Das führe dann mitunter dazu, grinst er, „dass auch gerne mal Gäste kommen und prüfen wollen, ob du einen ganz normalen Negroni machen kannst.“ Und, um es vorwegzunehmen: Natürlich kann er. Schließlich trinkt er ihn selbst sehr gerne.

Ob er damit auch bei der diesjährigen Auflage der MIXOLOGY BAR AWARDS auf eine weitere der gläsernen Trophäen anstoßen darf, möchte er jedoch gar nicht prophezeien. „Ich gehe da ganz entspannt ran und lasse mich überraschen“, sagt Volker über die kommende Verleihung. Schließlich wisse er ja noch nicht einmal, ob er mit seinem Seiberts überhaupt wieder auf der Longlist vertreten sei. „Eine Nominierung wäre dennoch toll. Gerade, weil ich mich nicht nur für mich selbst freue, sondern viel mehr für das ganze Team!“

Ganz unabhängig davon, so verspricht der Kölner, „wird sich von unserer Seite nichts ändern. Das Konzept ist erfolgreich und durchdacht.“ Was jedoch nicht bedeuten soll, dass er für Denkanstöße und Kritik unempfänglich ist. „Ich möchte nicht im Tunnel arbeiten“, stellt er klar. Darum sei er für ehrliche Meinungen von Gästen, Impulse und den Ideenaustausch mit Freunden immer dankbar. Das erhält die Kreativität – und Sterneköche machen es ja schließlich auch nicht anders.

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