Stars in Bars. Klaus St. Rainer von der Goldenen Bar in München.

Bars 3.7.2011 2 comments

Klaus St. Rainer konnte schon auf eine bewegte Karriere zurückblicken, bevor er Ende letzten Jahres unter großer Beachtung die Goldene Bar in München wieder eröffnete. Als erfahrener Bartender und –besitzer, Mitbegründer des Münchner Barzirkels und Inhaber der Shakermanufaktur hat eine Menge zu erzählen. Mixology führte mit ihm ein Gespräch über die Geschichte der Goldenen Bar, seine Aktivitäten und zu seiner Person.

Herr Rainer, skizzieren Sie uns kurz Ihren beruflichen Werdegang. Wann entstand bei Ihnen der Wunsch Bartender zu werden oder war es eine ungeplante Entwicklung?

Ich habe 1986 im Hotel Bayrischer Hof in München als Stagaire angefangen und war von der ersten Sekunde an, als ich dummerweise durch die Hauptdrehtüre gestolpert bin, begeistert von dem Flair den ein Grand Hotel wie dieses ausstrahlt. Von nun an wollte ich nur noch in Räumen wie diesen sein. Und der Mann, der mich von allen am meisten beeindruckt hat, war der mit dem großen Schnauzer hinter der Pianobar. Der Bartender, klar. Damals war ich 13. Mit 17 bin ich dann in die Nachtgastronomie gerutscht. Vom Türsteher bis zum Dj habe ich alles gemacht, um endlich hinter die Bar zu kommen.

Würden Sie sagen, dass Ihre langjährige Tätigkeit im Schumanns eher „Barschule“ oder „Lebensschule“ war? Was nehmen Sie mit, wovon haben Sie am meisten profitiert?

Die Arbeit im Schumanns war definitiv eine Lebensschule. Von Charles kann man viel lernen. Die Kultur den Gast (und ganz besonders den Stammgast) zu pflegen steht über allem. Aber natürlich war es auch eine Barschule. Die Freiheiten, die man dort genießt und der Zugriff auf eine Armada unterschiedlichster Spirituosen motivierten mich kreativ zu sein und den Ansprüchen des internationalen Publikums gerecht zu werden. Und mit einem Kollegen wie Stefan Gabányi braucht man kein Lexikon mehr. Von ihm habe ich am meisten gelernt.

Sie haben nun mit der Goldenen Bar den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. In wiefern waren Sie darauf vorbereitet? Haben Sie kaufmännische Vorkenntnisse oder konnten Sie sich diese aus der Praxis aneignen?

Mit 19 habe ich meine erste eigene Bar eröffnet und mit 23 noch mal zwei. Es ging alles ziemlich schnell damals und die Geschäfte liefen prima. Damals wurde noch richtig gesoffen! Ich wurde jedoch mit der Zeit immer mehr Manager, Geschäftsmann und Aushilfskoch und weniger Barmann. Obwohl ich immer aktiv hinter der Bar mitgearbeitet habe. Dann hatte ich irgendwann die Schnauze voll, habe alles verkauft und bin wieder arbeiten gegangen. Es war schön wieder Vollblutbartender zu sein und wollte das auch eigentlich nicht ändern. Dann kam jedoch die Goldene Bar daher und hat mich mitgerissen. Ich konnte gar nicht anders. Dank meiner Partner, die mich auch sehr unterstützen, kann ich nun in meiner eigenen Bar den Löffel schwingen.

Die Goldene Bar befindet sich ja in einem geschichtsträchtigen Haus. Erzählen Sie uns etwas über die Historie des Hauses und der Bar.

Das Haus der Kunst hat eine lange und interessante Geschichte. Es lohnt sich, mal auf www.hausderkunst.de zu klicken. Die Goldene Bar wurde 1937 als teil eines Mega-Gastronomie-Projekts eröffnet. Heute vergleichbar mit einer Großraumdisco. Gourmetrestaurant mit 300 Innen- und 400 Außenplätzen, Bierkeller, Biergarten mit 1000 Sitzplätzen, 2 Tennisplätzen und einer „Goldenen“ Bar. Nach dem Krieg wurde die Goldene Bar als Casino für die Alliierten genutzt, bis sie dann in den Fünfzigern entkernt wurde. Nur die Wände und die Backbar blieben erhalten und wurden unter weißem Gips versteckt und kitschig bemalt. Nymphenburger Zimmer hieß sie ab dann und wurde über 30 Jahre als Büro des Museumsdirektors genutzt. Erst 1985 wurde die Goldene Bar wiederentdeckt als neue Mitarbeiter mal hinter eine der Gipswände geschaut haben. Dann kam in den Neunzigern die Käfer Gastronomie und hat die Räume als Museumscafeteria genutzt. Bis heute kam niemand auf die Idee einen Tresen vor diese wunderschöne Backbar zu stellen und die Räume wiederzubeleben. Wie Dornröschen aus dem Schlaf zu erwecken, hat sich das angefühlt.

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