Mit wenigen Worten viel sagen – Der Supperclub im Gin & Jagger

Bars 12.12.2016

Man muss zum Trinken nicht in den Keller gehen. Aber man kann: Mit dem Supperclub hat sich das Gin & Jagger einen Hybrid zwischen Club und Speakeasy gebaut.  Immer am Wochenende serviert Andrej Rudenko kreative Drinks bei souliger Atmosphäre. Und verleiht dem Bar & Restaurant-Konzept in Essen eine weitere Dimension.

Trends spiegeln die Gesellschaft wider, in der wir leben. Was heute hip ist, können böse Zungen morgen schon als veraltete, analoge Reste einer vergangenen Zeit in der Luft zerreißen. So dreht sich das Karussell der Trends fast unaufhörlich, bringt Erfrischendes, Gewagtes, ja Bizarres und vor allem Retorten zum Vorschein. Getreu dem Motto „je retro, desto neu“ kreisen Vinyls von Nord nach Süd auf Plattentellern oder auf ausgewaschenen Vintage-Hemden. Eine komische Welt.

Einer der größten Bartrends der letzten Jahre war wohl die Nouvelle Vague jener Trinkstätten, die als Speakeasy bezeichnet werden. Vor knapp hundert Jahren mal von essentieller Bedeutung, ist das Modell mittlerweile fast zum an Authentizität fehlenden Einöd der Cocktail-Professoren und Möchtegern-Vagabunden verkommen. Natürlich gibt es vielbeachtete Ausnahmen wie das Kinly in Frankfurt, in dem die Vision bis zum letzten Punkt durchdacht und hervorragend umgesetzt wird; doch müssen wir uns die Frage stellen, ob eine Imitation der Vergangenheit bei ihrer Übertragung in die Neuzeit nicht ständig neuer Impulse bedarf, um weiterhin das Prädikat Innovation tragen zu dürfen?

Tun statt reden

Das Gin & Jagger ist in der Region zwischen Ruhr und Rhein schon lange als Ort des gustatorischen und liquiden Genusses bekannt. Kritiker mögen die Alternativlosigkeit der Möglichkeiten in Essen heranziehen, doch bedarf es bei „fehlendem Wettbewerb“ immer noch der Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln, neue Ideen in den Raum zu werfen und – was häufig vergessen wird – auf dem gleichen Niveau zu bleiben.

Nach dem Fortgang von Max Bergfried als Barchef trat eine Phase der Neuorientierung ein. Diese gerät gerade bei einem Restaurant & Bar-Konzept häufig schwierig, auch weil zuvor Gäste mit weniger Cocktail-Affinität über einen charismatischen Barmann erste Erfahrungen im Bereich der Mixologie tätigen und diese Gast-Bartender-Beziehung mit dem Fortgang zerbricht.

Tatsächlich hat Geschäftsführerin Yu-Jin Chung mit Andrej Rudenko nicht nur einen guten und erfahrenen Barmann finden können, sie hat gleichzeitig mit ihrem Team heimlich und im Stillen an einem Projekt gearbeitet, das erst kürzlich das Licht der Welt erblickte. Einem Speakeasy-Hybrid namens Supperclub.

Die Besonderheit liegt hier vor allem in der Tatsache begründet, dass jenes Prestige-Projekt fest im Bar & Restaurant-Alltag des Gin & Jagger etabliert ist. So geht man nur eine Treppe hinab und findet sich wieder in einem klassisch-modern gehalten Etablissements, das über Pop Art-Collagen im Ethno-Mix und Deckenventilatoren eine moderne Interpretation des New Yorker Studio 54 sein könnte. „Wir hatten die Räumlichkeit schon längere Zeit angemietet und zuvor als Lagermöglichkeit genutzt. Dann kamen wir auf die Idee, hier etwas Neues zu schaffen und damit gleichzeitig begrenzte Platzkapazitäten im oberen Bereich auszugleichen“, so Yu-Jin Chung über den Supperclub.

Hybrid aus Club und Speakeasy

Jeden Freitag und Samstag öffnet der Club gegen 22 Uhr seine Pforten. In angenehmer, soulig-funkiger Atmosphäre werden von Rudenko eine Auswahl an kreativen Drinks und Longdrinks feilgeboten. Auch werde die Räumlichkeit in Zukunft für Tastings oder Workshops genutzt.

Ein solches Projekt in einer Stadt wie Essen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Man erinnere sich nur an das ambitionierte Jeezus, das nur wenige Monate nach der Eröffnung seine Türen schließen musste. Daher ist es Yu-Jin Chung und ihrem Team besonders hoch anzurechnen, ein solches Projekt in einer Stadt, die gerade eher eine Geburtsstunde der Mixologie miterlebt als ihre dauerhafte Präsenz vorweisen kann, zu betreiben. Vielleicht kein Speakeasy im klassischen Sinne, aber ein moderner Hybrid aus Club und Speakeasy, in dem auch laut gesprochen werden darf und soll. Eben ganz wie im New York der späten 1970er-Jahre.

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