Chuggalicious in da Club!

Bars 17.7.2015 4 comments

Nach nur wenigen Wochen der Suche hat Betty Kupsa ihre eigene Bar in Hamburg gefunden. Wir haben sie auf der Baustelle über Chugsausgefragt. Aber auch über die kommende Karte, die Drinks und die Nachbarschaft in St. Pauli wissen wir nun mehr. Und bis es endlich losgeht? Anpacken und Chug-warten!

 

Die Uhren ticken plötzlich anders bei Bettina Kupsa. Nach vielen Jahren voller nächtlicher Schichten in verschiedenen Hamburger Bars hat die ehemalige Seele von Jörg Meyers Le Lion — Bar de Paris und charmante Gastgeberin der letzten Ausgabe der MIXOLOGY BAR AWARDS seit Anfang Juni einen neuen Tagesablauf. Denn am 31. Mai war es soweit: an diesem Tag nämlich durfte die gebürtige Österreicherin und überzeugte Hamburgerin die Schlüssel für das Objekt in der Taubenstraße 13 auf St. Pauli in Empfang nehmen.

Die neue Bar der neue Rhythmus

„Auf einmal stehe ich früh am Morgen auf und bin dann mindestens 14 Stunden auf der Baustelle zu Gange. Und das jeden Tag!“ freut sich Betty, der man anmerkt, dass ihr der temporäre Wechsel im Schlafrhythmus angesichts der nahen Zukunft dennoch leicht von der Hand geht. Schließlich steht nun die heiße Phase der Selbstverwirklichung an, die da heißt „eigene Bar“. Am 3. September soll es soweit sein, dann feiert der The Chug Club nahe der Reeperbahn seine große, offizielle Eröffnung.

Zwar ist schon einiges getan, dennoch liegt noch ein ganzer Haufen Arbeit vor der Unternehmerin, die das Projekt Selbständigkeit ganz alleine schultert: „Es war mir wichtig, dass das wirklich ‚meine‘ Bar ist, ohne Geldgeber oder Partner. Der The Chug Club sollte einfach mich ausdrücken und das, was meine Wunschvorstellung von einer Bar ist“, sagt Betty, die vor Jahren schon einmal eine Kneipe führte, in der sie nach eigener Aussage „zu viele Kompromisse“ eingehen musste.

Diesmal ist alles anders, für den Moment sogar schon angefangen bei der Garderobe: „Es gibt viele Menschen, die mich noch nie eine Hose haben tragen sehen“, schmunzelt die überzeugte Rockträgerin. „Und nun sehen sie mich täglich im Jogger, mit dem Spachtel in der Hand.“

Zeit für Bar-Werkzeuge

Aber Spachtel, Wasserwaage, Pinsel und Stichsäge sind nötig, um den neuen Laden mit Schwung und einer guten Infrastruktur zu versehen, wie Betty anmerkt. „Wir haben das Objekt wirklich komplett entkernt und dann neu konzipiert. Diese Wochen waren mitunter sehr mühselig, wenn man tagelang nur Schrott beseitigt und kein bisschen das Gefühl hat, voran zu kommen.“ Diese Phase ist nun aber vorbei, es entsteht die eigene Bar.

Ganz im obigen Sinne wächst die Bar nach Wünschen und Plänen der Chefin, die in ihrer Bar, wie schon im März beschrieben, „so viel Betty“, wie möglich unterbringen möchte. „Ich habe mir keinen Innenarchitekten genommen oder ähnliches, was mich womöglich Geld kostet, das ich lieber sinnvoller einsetzen sollte.“ Natürlich gibt es aber viele Freunde mit Fachwissen, die mit ihrem Rat zur Entstehung beitragen oder selbst mit Hand anlegen. Und nun geht es in Riesenschritten voran: „die Maler sind schon am Werk, in diesen Tagen kommt die Bar und ich kann mich daran machen, unsere erste Karte zu finalisieren“, umreißt Betty den derzeitigen Stand der Dinge.

Chugs? Chugs!

Die Karte — das große Stichwort, erst recht bei einer Bar, die sich nach dem Englischen Slang-Verb „chug“ benennt. Denn „to chug“ bedeutet nichts anderes als „kippen“ oder „auf Ex trinken“. Ist The Chug Club dann am Ende nur eine Shot-Tankstelle mit teuren Spirituosen, mag man spitzfindig fragen. Doch Betty beruhigt und erklärt die Idee hinter dem Namen: „Natürlich könnte man den Begriff falsch verstehen, besonders im Hinblick auf internationale Gäste werden wir das Konzept schon erläutern müssen. Mir geht aber darum, dass ich mich häufig daran störe, dass einzelne Drink-Portionen zu groß sind“, sagt Betty. „Mit der Idee vom ‚Chug‘ als Drink-Kategorie möchte ich eine Zwischenstufe zwischen Shot und Shortdrink entwickeln. Chugs können dann vieles sein. Entweder die klassische pure Spirituose oder auch Hausinfusionen, die für den Purgenuss angeboten werden. Vor allem aber geht es mir auch darum, dass meine Gäste sich auch Cocktails als ‚Chug‘ bestellen und so mehr von der Bar erfahren können. Ich hatte z.B. im ‚Löwen‘ Stammgäste, die immer zu zweit kamen, sich dann aber jeweils immer einen einzelnen Drink geteilt haben.“

Dabei ist die Idee der Chugs kein Selbstzweck, sondern abgestimmt auf das Angebot der Bar. So soll mit einer nicht zu ausufernden, regelmäßig wechselnden Karte gearbeitet werden, um auf aktuelle Vorlieben und Entwicklungen reagieren zu können. Und diese Maxime gilt nicht nur für Cocktails, sondern für das gesamte Sortiment, wie die werdende Eigentümerin erklärt: „Natürlich steht Tequila im Fokus, so wie schon lange angekündigt. Aber wir werden natürlich auch alle anderen Kategorien vorrätig haben, allerdings dann jeweils in kleiner, sorgfältiger Auswahl. Ich finde es schöner, eine besondere, mit Liebe getroffene Range anzubieten, die sich dann auch immer wieder ändert.“ Durch das „Chug“-Konzept haben dann auch Gäste, die seltener vorbeikommen, eher die Gelegenheit, auch bei einem einzelnen Besuch einen größeren Teil des Angebots zu probieren.

Hopfige Alternativen statt Astra

Gleiches gilt für das Boom-Thema Bier: Statt auf die Sude von Großbrauern zu setzen, gilt auch hier die Leitidee von Qualität und Abwechslung. Zunächst wird es das Zwickel von den Hamburger Nachbarn aus dem Hause Ratsherrn sowie ein IPA von Maisel & Friends vom Hahn geben. Diese Belegung ist jedoch nicht in Stein gemeißelt und wird auch immer wieder durch Flaschenbiere ergänzt werden.

„Denn“, so macht Betty klar, „wir sehen uns definitiv als klassische Bar, wollen aber auch nicht die Gegend vernachlässigen. Und wir sind hier in einer wahnsinnig spannenden Ecke von St. Pauli, mit tollem Publikum und sehr vielen aufgeschlossenen, kulinarisch interessierten Anwohnern, denen wir auch als Nachbarschaftsbar dienen wollen. Und was gibt es Schöneres als ein gutes Bier und einen ‚Chug‘ im Kreise von Freunden?“

Die Freunde zuerst

Obwohl die große Eröffnung schon jetzt terminiert ist, ist andererseits klar, dass schon irgendwann im August die Türen zum ersten Mal nach vorheriger Ansage aufgehen werden. „Wir setzen da auf die klassische Folge von Soft Opening und Grand Opening“, so Betty. Auf diese Weise hat man Gelegenheit, auch durch Feedback von Freunden die Abläufe im täglichen Geschäft schon vorab zu erproben und Änderungen vorzunehmen, bevor es dann so richtig losgeht. „Das Team steht jedenfalls bereits komplett — eine tolle Mannschaft!“ frohlockt Betty.

Lange dauert es jedenfalls nicht mehr. Der Bleistiftrock hängt gebügelt im Schrank, der rabenschwarze Pagenkopf sitzt wie eh und je, und die sonnige Laune der Chefin wartet nur auf den September. Und dann wird, nun ja — gechugt!

The Chug Club

Taubenstraße 13, 20359 Hamburg

S Reeperbahn, U/S St. Pauli, U Landungsbrücken

Täglich geöffnet ab 3. September 2015

Kartenzahlung: Ja

Rauchen: Ja

Photo credit: Betty Kupsa via K. Hiendlmayer. Wolken und Schilder via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

4 comments

  1. Michael Findt

    The Chug Club ist eine Bar, die ihren Namen verdient. Lange nicht mehr so eine tolle Atmosphäre auf St. Pauli genossen. Bin über den Blog vom Abendblatt darauf aufmerksam geworden, die Erwartungen waren dementsprechend hoch. Am Ende war ich nur begeistert – Service, Team und Drinks waren spitze. Ich hatte u.a. einen „Gold Digger“ und einen Buttermilch-Margarita. Beide Chugs sind sehr zu empfehlen.

  2. Frank

    Top! Der Tipp auf dem Kiez!
    Tolle Atmosphäre. Tolle Drinks. Total nette Menschen.

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