Mixology: Magazin fur Barkultur

Über das Bar- und Cocktailbloggen

Bars 1.12.2008 4 comments

Im Februar 2009 werden es zwei Jahre sein, die wir hier bei Mixology bloggen. Begonnen hat alles mit der Idee, dem Netzwerk, das über die Jahre im deutschsprachigen Raum seinen Anfang nahm, eine stärkere kommunikative Plattform zu geben. Dass wir bei Mixology mit einem Blog starten würden, war beschlossene Sache. Aber wenn wir schon dabei sind, dachten wir uns im Dezember 2006, wieso laden wir uns nicht vorher einen Experten ein, der über das neue Mitmach-Internet referiert, und geben auch noch anderen Bartendern die Möglichkeit, daran teil zu nehmen?

Gesagt, getan. Blog-Impressario Robert Basic wurde gebucht und referierte in den Räumen des kleinen Löwen in Hamburg vor einem (durch nächtliche Exkursion am Vorabend gezeichneten) Haufen Bartendern. Was waren die Resultate? Jörg und Stephan hatten bereits vorher mit dem Bitters Blog begonnen und verstärkten danach noch ihre Aktiviät. David Wiedemann startete ein eigenes Firmenblog für seine Barschule. Und vor kurzem ist auch Thomas Jackschas im Blog Puro de Agave netzaktiv geworden. Und natürlich gingen auch wir ein paar Wochen nach dieser Geburtstunde der deutschsprachigen Cocktailblogszene mit einer neuen Internetseite und diesem Blog hier online.

Die Statistik

Wenn man mit dem Bloggen beginnt, ist, wie es Jörg bereits etwas drastischer geschildert hat, der Blick auf die tägliche Statistik (siehe oben) der Lohn für die publizistischen Mühen. Denn anders als beim gedruckten Magazin fehlt die "haptische Belohnung". Wenn ein Beitrag fleißig Kommentare ansammelt und diskutiert wird, ist dies ebenfalls ein gefühlter Gewinn für den Aufwand.

Darüber hinaus zeigt einem die Statistik, wer von wo im Netz auf einen verwiesen hat. Auf diese Weise habe ich schon spannende, mir vorher unbekannte Seiten entdeckt. Für ein Medium wie unseres, das abseits der dafür empfundenen und gelebten Leidenschaft seine Schöpfer auch ernähren muss, ist die Statistik selbstverständlich auch ein kommerzieller Wert. Die Zahlen dienen potentiellen Anzeigenkunden als Sensor, ob sich ein werbliches Engagement für sie auf unserer Seite lohnt.

Wenn es nach der Statistik geht, möchte man manchmal als Amerikaner geboren sein. Bei rund 120 Millionen Menschen, die Deutsch sprechen, wird unser Wachstum mit dem deutschen Blog begrenzt bleiben. Jeffrey Morgenthaler dagegen kann potentiell 1 Milliarde englischsprachige Menschen erreichen und verzeichnet vermutlich schon das dreifache unserer Zahlen. Dazu kommt natürlich noch, dass das Thema Bar in der englischsprachigen Welt kulturell viel tiefer verankert ist und dementsprechend auch mehr Resonanz in der Bevölkerung auslöst. Aber wir werden unser bestes geben, auch von dem einen oder anderen der Milliarde gelesen zu werden. 😉

Die Werbung

Für mich ist es immer wieder interessant, zu sehen und zu hören (übrigens bereits seit der ersten katastrophal unterfinanzierten Ausgabe von Mixology), dass hier oder an anderer Stelle Werbung bei uns kritisiert wird. Und das dann tatsächlich auch noch auf einer und über eine Plattform, die gratis konsumiert werden kann. Man kann natürlich in Berlin grau importierte Ware im Schwarzverkauf zu überhöhten Preisen an Gastronomen verticken und dann hier bei Mixology oder anderswo in den Kommentaren oder im Forum laut herumkrakeelen und erklären, wie die Welt funktioniert. Das bleibt jedem selbst überlassen. Dass wir das allerdings als seriöse und argumentativ vorgetragene Kritik auffassen, ist so wahrscheinlich wie die Einführung des Bartenders als Ausbildungberuf in den nächsten 6 Monaten.

Wir werden auch in Zukunft Werbung schalten und andere, zusätzliche kommerzielle Angebote in der Seite einbauen. Der Seitenumfang fordert mittlerweile das (teure) Anmieten eines eigenen Servers und der Zeitaufwand, den das Pflegen der Seite einfordert, muss sich für uns rechnen. Ganz davon abgesehen, räumen wir dem Internet eine zunehmend gleichberechtigte Rolle neben dem Printmagazin ein. Aber das wird hier demnächst ein eigener Beitrag werden. Die Werbung wird die Inhalte aber niemals dominieren. Sie ist im Gegenteil der Finanzier der Inhalte und hat damit hier ebenso ihre Berechtigung wie der Besuch eines jeden Lesers. Period.

Das Blog als Bar

Davon ausgehend, möchte ich das Blog, so wie wir es betreiben und damit umgehen und vor allem umgehen lernten, auch am besten mit einer eigenen Bar vergleichen. Was wir hier ins Pouring nehmen, welche Cocktails wir hier anbieten und wie wir unsere Beiträge gestalten, ist allein unserer Entscheidung. Das spannende ist natürlich, dass unsere "Bar im Internet" fast nur von Connaisseuren und Profis frequentiert wird. Und deren Feedback und Empfehlungen bezüglich unseres Angebots nehmen wir interessiert und gerne an. So geschehen beispielsweise bei der Obstbrand-Session, die die GSA-Blogger mit angestoßen haben.

Und wie auch in der echten Bar, ist hier auch jeder Gast willkommen. Wir freuen uns, je mehr Gäste unsere Bar, unser Blog, frequentieren. Wir freuen uns, wenn sie lange verweilen und unterschiedliche Inhalte konsumieren. Aber da es unsere Bar ist, behalten wir uns, wie eingangs schon angedeutet, auch vor, hier die Regeln vorzugeben. Wird jemand am Tresen laut und unflätig, werden wir ihn zuerst ermahnen und, so er die Regeln weiterhin übertritt, der Bar verweisen.

Ab und zu kommt es leider auch vor, dass ein Vertreter hier in unsere Blogbar hereinschneit und anfängt, den Gästen seine Flaschen vorzuführen. Ich bin immer wieder verwundert über die Chuzpe oder Ignoranz dieser sich als Gäste tarnenden Spezies. Wenn hier jemand Flaschen herumzeigt, sind das wir! Und wenn ein Kollege vorbeikommt und uns ein neues Produkt zeigt, freuen wir uns natürlich auch. Aber nicht irgendein dahergelaufener Importeur oder Fachhändler und schon gar nicht Batman und Robin.

Bisher ist bei uns an der virtuellen Bar die Stimmung gut gewesen. Einzig ein vermeintlicher Barprofi und Barbesitzer, der versuchte, hier in gehässigem Ton die Kommunikation zu übernehmen, wurde darauf hingewiesen, dass sein unhöfliches Auftreten hier nicht erwünscht ist.

Die Cocktailbogszene als Community begreifen

Irgendein Cocktailblogger schrieb vor Monaten einmal in einem Beitrag, dass er andere Cocktailblogs als Konkurrenz ansehe. Und auch Niko Rechenberg von den Weinwelten faselte kürzlich etwas von Neid. Das ist meines Erachtens völliger Blödsinn. Die kulinarischen Blogger, und vor allem die Cocktailblogger, machen einen so kleinen Anteil am Internet aus, dass man über jedes ambitionierte Blog, das über Cocktails und Bars berichtet, dankbar sein muss. Jedes Blog ist außerdem eine andere Persönlichkeit, eine neue Stimme in der Unterhaltung, die das Internet heute ist. Aus diesem Grund sollte man auch die Kollegen oft und gerne verlinken.

Das ist einerseits ein Zeichen der persönlichen Wertschätzung, wenn man einen interessanten Beitrag entdeckt hat und andererseits – und das ist noch viel wichtiger – ein Dienst am eigenen Leser! Denn die Annahme, dass sich die eigene Leserschaft zu 100% mit der anderer Cocktailblogs deckt, ist, schon aufgrund unterschiedlicher Inhalte und Vorlieben, völlig illusorisch.

Davon abgesehen sind Links eine wichtige Währung im heutigen Internet von Googles Gnaden. Je mehr Links auf ein Blog verweisen, desto höher werden seine Inhalte bei Google gewichtet und desto mehr potentielle Leser können seine Inhalte entdecken. Also, deutschsprachige Cocktailblogger: zeigt Link-Liebe, verweist auf die Inhalte der anderen und schickt ihnen Traffic, was die Leitungen hergeben! Eure Kollegen und Leser werden es euch danken. Meine mehr oder weniger regelmäßige Linksammlung "Interessantes bei den Nachbarn" ist eine kleine Demonstration des hier geschriebenen. Inspiration zu diesem Absatz war übrigens dieser kluge Beitrag von Nerdcore (via wirres.net):

"Es geht mir beim Bloggen also vor allem lediglich um mich und meine Website und den Content, den ich da haben will. Und ich verstehe es tatsächlich überhaupt nicht, warum ich da andere Websites zum Maßstab machen soll."

In diesem Zusammenhang möchte ich Cocktailblog-Kollegen aber davon abraten, sogenanntes Pressemitteilungsbloggen zu betreiben. Euer Blog sollte immer Eure Stimme haben und nicht eine fremde seichte und blödsinnig auf Effekt getrimmte. Wenn sie möglicherweise sogar falsche Informationen enthält, wirkt das doppelt peinlich. Meine Empfehlung: lieber einen Tag mal keinen Beitrag bringen und dafür den Stil des Blogs bewahren. Wenn wir hier Produktinfos posten, die Pressemitteilungen entstammen (meist macht das Tanja), dann bürsten wir nach Kräften das ganze Superpremium-Geschwafel raus. Aber wie ihr sehen könnt, sind auch wir vor Fehlern nicht gefeit.

Die Zukunft von mixology.eu

Wie wird unsere Seite in Zukunft aussehen? Das heutige Design entwickelte sich eher spontan aus meiner Idee, die Kommunikation primär über ein Blog als Nachrichtenkanal laufen zu lassen. Es hat den Vorteil, dass es sehr übersichtlich ist, bringt allerdings auch einige Nachteile mit sich. Wir haben festgestellt, dass nicht jeder, der die Seite ansteuert, sofort versteht, dass es sich bei Mixology auch um ein Printmedium handelt.

Der Kern von Mixology, den nach wie vor das Printmagazin ausmacht, ist auf der Seite noch nicht präsent. Bei uns dreht sich aber nicht alles um optimale Vermarktung und Positionierung, und jeder neunmalkluge SEO würde beim Anblick unserer Seite wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber das ist auch gut so. Wir machen viele Dinge nach Gefühl und weil sie uns Spaß machen sollen. Und ich denke, das macht uns als Medium auch aus. Und mit deshalb kommen unsere Leser auch zu uns an die virtuelle Bar.

Wir werden aber in absehbarer Zeit einen Relaunch der Seite vornehmen. Die Entwicklung geht dahin, dass wir unsere Printinhalte noch mehr online abbilden werden. Bei den Veranstaltungen und Cocktailwettbewerben ist es heute schon der Fall, dass die Infos früher im Netz und auf Facebook zu finden sind, bevor sie im Printmagazin mit seinem zweimonatigen Rhythmus erscheinen. Aber die ganzen spannenden Artikel unserer internationalen Autoren, die im Printmagazin erscheinen, werden in Zukunft, nach Veröffentlichung im Print, auch hier im Internet publiziert werden. Das wird aber in einem Rhythmus erfolgen, der dem Abonnement des Prints nicht die Wertigkeit nimmt.

Offline nicht Vergessen!

Bei all der Euphorie für die neuen Medien, die unsere Branche in den letzten zwei Jahren so rasant verändert haben, darf man nicht vergessen, dass das wahre Leben außerhalb des Netzes stattfindet. Das Netz selbst ist die Fortsetzung und Fortinterpretation des im wirklichen Barleben erlebten. So bin auch ich neuerdings immer mal wieder dankbar über eine Zugfahrt (wie z.B. vor wenigen Stunden von Hamburg nach Berlin), die mich vom Internet trennt, um einen einen längeren Blogeintrag wie diesen zu verfassen. Und da zerfasert mir kein Twitter und kein Facebook die Arbeit (sofern ich mein Blackberry in der Tasche lasse natürlich;). Ich danke allen, die es bis zum Ende dieses Textes geschafft haben, für die Aufmerksamkeit und wünsche eine Umsatz-reiche Woche!

Möge der Durschnittsbon mindestens 50 Euro betragen! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Ähnliche Artikel