Victoria Bar Berlin. Das Hildegard-Knef-Gedächtnis Gedeck.

Bars 8.1.2013 2 comments

Lange Zeit war der Hausdrink „Das Hildegard-Knef-Gedächtnis Gedeck“ ein Insider-Tipp der Victoria Bar. Erst seit Kurzem steht der Doppel-Shooter (eiskalter Vodka und eiskalter Champagner) auf der Karte, freilich jedoch nicht auf der Internetseite. Wer den exklusiven Drink mit der liebevollen Abkürzung „Hilde“ kennenlernen will, muss also selbst einen Abstecher in die Bar unternehmen.

Mit dem „Hildegard Knef Gedächtnis Gedeck“ hat Beate Hindermann, Besitzerin und Barchefin der Victoria Bar in Berlin-Tiergarten, ein Herrengedeck der etwas anderen Art geschaffen. Damit gedenkt sie der großen deutschen Schauspielerin, Sängerin und Autorin Hildegard Knef. Von dem fragwürdigen Charakter des Berliner Herrengedecks („’ne Molle und ’nen Korn“) ist die „Hilde“ allerdings weit entfernt. Ganz dem Stil ihrer Bar entsprechend werden 2cl Vodka und 5cl Champagner eiskalt in formschönen Gläsern auf einem eleganten Silbertablett serviert. Damit distanziere man sich von dem unschönen Begriff „Absacker“, „denn man will ja nicht absacken“, so die gebürtige Kölnerin: „Die Hilde ist bei uns eher ein Uplifter“.

Eine Hommage an eine Ikone

Vodka und Champagner eignen sich da schon eher für eine Ehrerbietung an die im Jahr 2002 verstorbene Hildegard Knef, die durch eine Nacktszene in dem Film „Die Sünderin“ (1951) und durch das Broadway-Musical „Silk Stockings“ (1955) international bekannt wurde. Das posthum veröffentlichte Album „Hildegard Knef singt Cole Porter“ (2002) vereint ihre deutschsprachigen Coverversionen von Cole Porter. Ausschlaggebend für die Kreation des Drinks war ein Stück dieser Platte „Nichts haut mich um – aber du“, mit dem sich Knef nach Frank Sinatra und Ella Fitzgerald in die lange Covertradition von Porters „I get a kick out of you“ einreiht. Denn die Zutaten des Drinks sind aus dem Refrain entnommen:

Mich haut kein Rum wirklich um,
nach sieben Gin, bin ich auch noch nicht hin;
Champagner mit Vodka dazu,
das haut mich nicht um, aber Du!

Diese Liedzeilen haben Beate Hindermann bei der Kreation äußerst inspiriert. Am Abend nach der Gedenkfeier und Beisetzung Hildegard Knefs versammelten sich einige der geladenen Gäste bei ihr in der damals noch jungen Bar. In Erinnerung an die Verstorbene hörte man den gesamten Abend Knef-Alben und trank dazu Vodka und Champagner. So sei der Drink entstanden, sagt Hindermann. Das Ergebnis: eine Hommage an eine Ikone des Films und der Musik der Nachkriegszeit und ein Hausdrink, der unverwechselbar ist.

Eiskalt muss er sein

Wie das Servieren erfolgt auch das Trinken nach einem festen Ritual. So müssen beide Drinks noch eiskalt sein, wenn man zuerst auf Hildegard Knef anstößt und den Vodka in einem Zug leert. Anschließend gedenken die Trinkenden ihrer gegenseitigen Freundschaft und es folgt der Champagner-Shot. Der Champagner löscht die Schärfe des Vodkas. Damit wird nicht nur ein angenehmeres Trinkgefühl geschaffen, die Kohlensäure des Champagners beschleunigt zudem noch die Wirkung des Alkohols.

150 „Hildes“ hat Beate Hindermann einmal mit zwei Kollegen gleichzeitig im Rahmen einer privaten Geburtstagsfeier in der Victoria Bar auf einer Eisdekoration elegant serviert. Keine geringe Herausforderung, wie sie sagt, denn bekanntlich muss die „Hilde“ eiskalt getrunken werden.

Eine Hilde trinkt man nie allein“

Besonders kommt es der Bartenderin auf die Betonung der Freundschaft an. Bartending, sagt sie, ist mehr als nur das reine Handwerk des Getränkemischens. Die Techniken und die Rezepte könne man nämlich auch im Internet erlernen. Es kommt darauf an, den Gast richtig zu bewirten und zum Kundenstamm ein enges Verhältnis aufzubauen. Die wahre Kunst sei es, „den Kundenstamm auf die eigene Bar zu prägen“. Denn eine Bar soll ein Ort sein, an dem die Familie zusammenkommt.

Die Victoria Bar, die Beate Hindermann zusammen mit ihrem langjährigen Arbeitskollegen Stefan Weber im Jahr 2001 gegründet hat, zeugt von einem solchen familiären Charakter. Schließlich sind manche Gäste, die sie schon seit Jahrzehnten aus anderen Städten kennt, inzwischen zu Freunden geworden. So wird die „Hilde“ nicht nur zu einer Hommage an eine Größe des deutschen Show-Business, sondern auch an die Freundschaft: „Ganz wichtig“, verrät Beate Hindermann, „eine Hilde trinkt man nie allein“.

 

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Foto: Kerstin Ehmer, Katja Hiendlmayer

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