Bars im Ruhrgebiet

Von Tanja Bempreiksz | Januar 9, 2009 um 13:14 | 2 Kommentare | Bars | Tags: , , ,

Von ursprünglich 26 Brauereien existiert heute in Dortmund nur noch eine. Dies bedeutet aber nicht, dass in Dortmund heute weniger Bier getrunken wird. Im Gegenteil. Bier ist das Getränk, das den Durst des Bergbaus und der Stahlindustrie stillte, den beiden Wirtschaftszweigen, die hier und in den anderen Städten des Ruhrgebietes über lange Zeit den Lebensrythmus und auch den Lebensstil der bevölkerungsreichsten Region Deutschlands bestimmten.

Der Cocktail dagegen hat hier wenig Tradition. Die Suche nach ihm führte uns wieder einmal vor Augen, wie sehr das Etikett Cocktailbar mittlerweile strapaziert wird. Denn der Cocktail ist, dem Wort nach, überall präsent in Dortmund, Essen, Bochum und Duisburg. Unzählige Gastronomiekonzepte schreiben Cocktailbar auf ihre Schilder. Doch kaum eines dieser Lokale wird dem Anspruch gerecht. Wenn sich heute jedes neue Thai- oder Indiarestaurant, das sich ein paar Flaschen und Shaker an den Biertresen stellt, Cocktailbar nennt, besteht die Gefahr, dass das Bewusstsein um die Qualität dieser Getränkeform in der Bevölkerung verpanscht wird. Es wird Zeit für eine Zertifizierung.

 

Dortmund

Eine Lokalität, die sich rein auf Cocktails fokussiert ist in Dortmund die Collins Bar. Anders als es der klassische Name verspricht, ist das Collins im Stil der 80er-Jahre eingerichtet. Palmenpanorama an der Wand, das Gefühl von Miami Vice und ein Strohdach über dem Tresen. Der junge Bartender mischte souverän den bestellten Gin Fizz. Der Cocktail kam in einem großen Becherglas und einem knallgelben Strohhalm mit Limettengarnitur. Als Eisform wurde leider zerstoßenes Eis gewählt. Die Süß-Sauer-Mischung war einwandfrei, aber der Gin nur ein schwacher Ruf aus tropischer Ferne. Die Spirituosenauswahl der Collins Bar ist ausgewogen, man findet hier auch ein, zwei seltenere Ginsorten.

Die nächste Station in Dortmund war die CU Bar, ein Restaurant- und Barkonzept. Eine große Essensauswahl mit amerikanischen und italienischen Gerichten und Sitznischen an der Bar und an den Wänden zeigen die American-Diner-Inspiration. Ohne Sport geht im Ruhrgebiet nichts, daher findet man hier, wie auch in fast allen anderen besichtigten Lokalen, große Flachbildschirme. Nette Akzente bilden in die Wände eingelassene Nischen, die mit Spirituosen und anderen Flaschen bestückt sind. Der Gin Fizz kam diesmal im Jack-Daniels-Tumbler und ebenfalls auf Crushed Ice. Dafür war der Bartender unglaublich präsent und verbreitete am Tresen eine positive Atmosphäre. Dieser Besuch war, trotz des nicht stimmigen Cocktails, eine der besten Erfahrungen im Ruhrgebiet.

Weiter Lokale die wir besuchten, besitzen zwar Cocktailkarten, aber beschäftigen Personal, das bei der Bestellung nach der Rezepturliste greifen muss. Fokussiertere Konzepte finden in Dortmund ohnehin meist nur am Wochenende statt, weshalb man vielleicht die Ortsschilder von Dortmund mit dem Zusatz "nur Freitag und Samstag" versehen sollte.

Auf dem Gelände der ehemaligen Thier-Brauerei findet man die Liquid Lounge. Am Wochenende wird sie als eine Art Club-Bar mit lauter House-Musik bespielt. Die Bar ist wohlorganisiert, schenkt aber primär Longdrinks mit Energiegetränken und Bier aus, wie dies beim Besuch zu beobachten war. Die Atmosphäre ist nicht die einer klassischen Bar, das Personal aber gut organisiert, schnell und professionell. Der Daiquiri war trotz des Andrangs, der bei der Bestellung herrschte, eine runde Erfahrung, und kam im richtigen Glas. Allerdings hätte ich mit noch eine Limettenzeste zur Abrundung gewünscht.

Nebenan befindet sich das verwandte Mendoza, eine Art überdachte Beach Bar. Der Boden ist mit Sand bestreut und die Wände mit allerlei Surf- und Strandutensilien dekoriert. Der Daiquiri kam pappig und süß über den Tresen und brüstete sich mit dem künstlichen Geschmack von Convenience, mit dem wir ihn dann auch wohlweislich alleine stehen ließen. Diese Bar ist, auch wenn es die rund vier Meter hohen Regale mit Flaschen bis zur Decke anders verheißen, eher eine Feier-Lokalität denn eine Cocktailbar.

 

Duisburg

Dicht an dicht sitzt in der neu erschlossenen und bebauten Hafengegend von Duisburg, mit der man offenbar einen Wurf in Richtung Weltstadt landen will, die Konzeptgastronomie. Die Restaurants und Lounges sind am Wochenende brechend voll, dafür ist iim Zentrum offenbar viel vom alten Kneipencharme der Stadt verloren gegangen. Zu diesen Verlusten gehören, wie Ruhrpott-Kenner Jörg Kalinke vom Getränkeportal Drinkmix erklärt "urgemütliche Kneipen wie das Oma Kohl’s, wo die alte Wirtin jeden beim zweiten Besuch beim Namen kannte oder wie die Waschtrommel, eine Bar in einem Souterrain, die aus alten Waschtrommeln gestaltet wurde, auf denen man seine Cocktails schlürfte."

Die einzige wirkliche Bar Bar in Duisburg ist die Havanna Bar in der Musfeldstraße (oben im Bild). Im vorderen Bereich wartet hier in einem lang gezogenen rot-gelb gestrichenen Raum eine Tanzfläche auf Gäste, wir aber bevorzugten den Tresen. Auf die Bestellung des Test-Cocktails Daiquiri hin begann der Bartender sorgfältig Limettenstücke im Shaker anzupressen, die er dann mit den anderen Zutaten zusammen schüttelte. Das Ergebnis war ein wirklich guter Drink. Interessant war auch seine Wahl des Rums mit jamaikanischem Appleton Special. Ich persönlich teile diese Freiheit in der Interpretation des Daiquiri, die Kuba-Puristen auf die Barrikaden treibt. Die Kenntnis des Personals der inhabergeführten Bar wurde durch ein paar spannende Flaschen, von Green Chartreuse bis Rye Whisky, auf dem Rückbüfett untermauert.

 

Bochum

Kenntnis sucht man in der Stadt Bochum vergeblich. An der ballermannähnlichen Kortumstraße reiht sich wieder die erwähnte Konzeptgastronomie auf. Die dort durchgeführten Tests sind schon gar nicht mehr eine Erwähnung wert. Einzig das nahe gelegene Living Room und das Hemingways haben stilistisch einen höheren Anspruch. Das Living Room punktete zwar durch schönes Interieur und höflichen Service, rührte seinen Daiquiri aber leider wieder einmal mit Lime Cordial an. Das Hemingway wiederum bemühte sich, gleich beides, Cocktail und Service, auf allerniedrigstem Niveau anzubieten. Bei unseren Reisen sehen wir viel. Aber diese Bar bot wirklich das schlechteste Erlebnis seit Monaten.

 

Essen

Auch in Essen gestaltete sich die Suche nach Bars schwierig. Zwar gibt es in der Innenstadt und vor allem auf der Rüttenscheider Straße viele Gastronomiebetriebe, aber sie behandeln fast alle Cocktails maximal als Nebenprodukt. Aus diesem Grund steuerten wir hier auch eine Hotelbar an, die uns empfohlen worden war. Jimmy’s Bar im Mövenpick Hotel ist einem britischen Club nachempfunden. Dunkle Holverkleidung an den Wänden, dicke Polster auf schwerem Mobiliar. Die höfliche und sehr freundliche Bartenderin presste für den bestellten Daiquiri mit der Hand eine Limette aus, was nach der künstlich schmeckenden Durststrecke in so vielen Bars Entzücken auslöste. Allerdings servierte sie den Cocktail dann leider im Becherglas auf Crushed Ice und mit körnigem Rohrzucker.

Der Höhepunkt der Suche nach dem Cocktail im Ruhrgebiet war das Daktari (unten im Bild). Dieser kleinen Bar, deren Interieur aus einem gemütlichem Mischmasch aus Tiki, Afrikahaus und Strandhütte besteht, eilt ein schon fast legendärer Ruf voraus. Eine halbe Stunde nach Öffnungszeit waren bereits alle Plätze belegt. Der Traum eines jeden Barbetreibers! Die Cocktails kommen in wahren Vasen zum Gast, behängt mit opulenten Garnituren und allerlei Gimmicks wie Gummitieren und Leuchtarmbändern. Letztere finden sich schnell an den Armen der Gäste wieder. Ein wahrhaft anwendungsfreudiger Genuss. Der bestellte Daiquiri war ebenfalls in eine riesige Cocktailschale gefüllt und offenbar im Blender zubereitet worden. Die generöse Mischung schwamm in Crushed Ice und hätte auch zwei Trinkern genügt. Die Sitznachbarn erzählten, dass sie regelmäßig mit Freunden die 50km von ihrem Wohnort nach Essen fahren würden, nur um ins Daktari zu gehen. Eine Bar, die so eine Stammkundschaft besitzt, macht alles richtig!

Wer den Vortrag von Angus Winchester über die Notwendigkeit von Spaß in und an der Bar auf dem Bar Convent Berlin 2007 verfolgt hat, findet im Daktari die Umsetzung. Hier geht es nicht um Sazerac, Martinez oder andere intellektuelle Drinks, hier geht es um Spaß. Und vermutlich kann auch nur das Ruhrgebiet eine solche Bar hervorbringen. Bei all der Mühsal, die das Verkosten verpanschter und falscher Mixturen auf dieser Tour mit sich brachte, haben uns Bars wie das Daktari und das Havana in Duisburg wieder versöhnt.

 

Das Ruhrgebiet ist, bis auf wenige Hot-Spots wie zum Beispiel das Daktari oder das Havanna, eher ein Entwicklungsgebiet und Cocktailprovinz. Die Gäste suchen nach guten Bars und Kneipen mit individuellen Ideen, die auch ins Ruhrgebiet passen, und finden sie meist nicht.
Jörg Kalinke, Betreiber von Drinkmix.de in Duisburg

 

 

Adressen und Links:

CU, Kampstrasse 41, 44137 Dortmund
>> www.cu-bar.de

Collins Bar, Kuckelke 10, 44135 Dortmund
>> www.collinsclub.de

Liquid Lounge, Martinstrasse 10, 44137 Dortmund
>> www.liquid-lounge.info

Mendoza, Martinstrasse 10a, 44137 Dortmund
>> www.mendoza-do.de

Havanna Bar, Musfeldstrasse 26, 47051 Duisburg
>> www.havanna-duisburg.de

Der Livingroom, Luisenstrasse 9-13, 44787 Bochum
>> www.livingroom-bochum.de

Hemingways, Konrad-Adenauer-Platz 1, 44787 Bochum

Daktari, Juliusstrasse 4, 45128 Essen
>> www.daktari-cocktailbar.de

Jimmy’s Bar im Mövenpick Hotel, Am Handelshof 2, 45127 Essen
>> www.moevenpick-hotels.com


________________________________________________________________

 


Erschienen in Mixology Issue 5/2008.

Autor: Helmut Adam
Fotos: Astrid Piethan

 


Der Autor

Tanja Bempreiksz

2 Kommentare

  1. daniel witti (3 years ago)

    für mich als “Wahlpotter” zeigte sich direkt bei der Suche nach einem angemessenen Arbeitsplatz genau diese “ÖDE” an BARS. Letztlich habe ich eine Stelle in einer Bar in der zu 70% beanteiligten Systemgastronomie angenommen (1% machen die von Euch getesteten Bars aus, die anderen 29% sind die letzten Überbleibsel der ruhrpöttischen Eckkneipenmentalität).
    Das war aber super um die Stadtmenschen kennen zu lernen,

    Nachdem ich kurz davor stand, dieses Cocktailödland für eine Stadt mit Barkultur zu verlassen, wurde mir Jörg Kalinke vorgestellt, plötzlich finden sich um uns herum Leute zusammen, die alle BARKULTUR zelebrieren möchten und wir begeben uns auf die Suche nach dem Ansatz: Wie zeigen wir den Bewohnern von “ruhrpott – ciddy”, dass ein Besuch in einer Bar mehr sein kann als von kaugummikauenden, “is mir doch egal” Aushilfen nach 45 minuten endlich die übelst zubereitete Caipi überreicht zu bekommen, die man zwar eigentlich nicht bestellt hat, aber froh ist, dass man endlich was zu picheln hat. Hauptsache die Schaufenster sind groß genug, damit jeder sehen kann, dass ich hier war….

    Bevor ich ins Ruhrgebiet gezogen bin, habe ich im Münsterland die Kunst und Leidenschaft der Cocktailwelt erlernt, nicht IN Münster, sondern auf´m LAND. Und ich kann nur sagen – da geht´s ab! Dann bin ich in den Pott gezogen und dachte, ich bin im falschen Film.

    Es wird ein Langer Weg (vermutlich so lang, bis man Alkohol, wie Zigaretten auch nur draußen genießen darf), den Bewohnern dieser Region eine vergleichbare Leidenschaft für Barkultur aufzuzeigen und anzueignen wie es Städte wie Berlin, Hamburg, oder München seit Generationen leben.

    Die “Pottmischer” sind guter Dinge und wollen endlich rocken, wer mitmischen möchte ist herzlich eingeladen, bei unseren meetings und Aktionen dabei zu sein,
    schreibt einfach an jk@drinkmix.de oder d.biernatowski@gmx.de

  2. marcstein (2 years ago)

    es ist ganz einfach zu erklären: was haben wir hier gehabt im pott? 150 jahre montan industrie, 500000 stahl bzw kohlearbeiter. was haben wir nicht mehr? stahl und kohle! was haben wir jetzt? arbeitslose und geringverdiener! was haben wir noch nie gehabt? tourismus! von was leben andere städte, wie berlin, hamburg, münchen? von tourismus! wo kann man cocktails für 10 euro verkaufen? nicht hier sondern dort!
    und die frage, die ich mir mindestens ein mal im monat stelle: soll ich hier in dortmund weiter machen oder lieber in die oben genannten städte ziehen und dort anschaffen?
    NEIN! denn hier ist meine heimat und die will ich nach vorn bringen! egal wie oft man mich nach happy hour fragt, egal wie oft man mich fragt, warum ich keinen caipi mache, egal, dass ich mehr bier verkaufe, als cocktails.
    diese region wird aufwachen und sie wird eine grandiose zukunft haben. hier gibt es mehr potenzial, als in allen oben genannten städten zusammen.
    was man hier nicht machen darf ist hochnäsig daher kommen. den menschen im pott brauchst du nicht zu erzählen wie die welt funktioniert. das sehen sie selber!
    warum es nur 60 km weiter in düsseldorf anders ist? weil reiche leute eben anders leben! warum in köln alles anders ist? weil dort 35% der männer schwul sind, niemals kinder machen und eben mehr weggehn. warum es in frankfurt funktioniert? weil dort die meisten bänker von ausserhalb kommen, in frankfurt nur ne kleine 13qm wohnung beziehen und denen abends die decke auf den kopf fällt und natürlich was erleben wollen, während ihre frauen und männer 400 km weit wegwohnen. mal vom potenzial eines internationalen flughafens abgesehen. Berlin? hauptstadt, tourismus, schnelllebig,etc. hamburg? hafen, st. pauli, …münchen? geldadel oder die, die es werden wollen. stuttgart? Porsche, daimler, zulieferer. da ist überall mehr geld, als hier, und diese städte haben jahrzehnte auf unsere kosten gelebt. nrw hat bayern groß gemacht, berlin würde gar nicht so stehen, wenn der ruhrpott nicht mehr zahlen könnte. in einem land mit 80 mil. einwohnern braucht man immer 10 mil. arbeiter die einfach die fresse halten und weiter machen. und das grösste problem dieser menschen ist ist bestimmt nicht, ob sie frischen oder granini zitronensaft im cocktail haben, oder ob im piscosour eiweiss ist oder nicht! die meisten menschen haben hier grade mal 1000 euro netto. da braucht man sich nicht wundern, dass hier keine cocktailbars aus dem boden schiessen.
    aber ein kleines gegenbeispiel noch( vielleicht auch etwas zum nachdenken): in einer hochgepriesenen köllner bar habe ich einen zacapa 23 für 12 euro auf der karte gesehen, bei mir kostet der 4, 70. ich denke nicht, dass der ek in köln 3x so hoch ist, wie in dortmund. vieles ist bei den “besseren bars” auch reine abzocke und fehlkalkulation und spielt mit dem nichtwissen der gäste
    vielleicht noch etwas: wenn in dortmund, bochum, gelsenkirchen und duisburg das thema fussball regiert, was soll mich davon abhalten, eine glotze in die bar zu stellen? wenn alle 2 wochen an meinem laden 20000 menschen vorbeiziehen, würde mein vermieter mich doch für verrückt erklären, wenn ich das nicht ausnutzen würde, zumal die pacht ja auf dieses geschäfft ausgelegt ist.
    ich denke, dass ein gastronom sich nach seinen gästen zu richten hat und nicht anders herum. will er bier, bekommt er es auch.. mit was ich meinen laden am laufen halte und das der cocktailanteil dabei weniger ist, als ich es mir wünsche, ist doch mit der zufriedenheit der gäste schnell wieder aufgehoben!?
    natürlich haben auch ich und andere barkeeper der region andere träume, wie zb., dass jeder gast einfach das trinkt, was ich ihm gebe, oder was ich glaube, was ihm schmecken würde, er jeden preis, den ich ihm nenne anstandslos bezahlt, und am besten morgen wieder in den laden kommt, mit 10 freunden. Aber, dummerweise funktioniert das nicht so einfach.
    in dortmund gibt es kaum leute, die bereit sind ne flasche champagner zu bestellen, in dortmund sind menschen nicht gut angesehen, die so etwas machen, es sei denn sie haben vorher an der theke darum gewürfelt.
    bei uns in der bar verfolgen wir ein anderes konzept. nämlich, dass wir nach den jahreszeiten etwa 10 extra cocktails anbieten zu unserer standartkarte mit 10 cocktails. auf dieser sind zb. prince, mojito, erdbeer daiquiri. auf der extrakarte stehen dann selbstgemachte sachen oder ein paar classiker, abgewandelte caipis oder eben auch ein pisco sour mit eiweiß: sitzt ein gast vor mir und schaut auf diese karte, seh ich ihm schon beim lesen an, dass er bei dem wort “eiweiß” stehen bleibt und sich überlegt, ob ich das ernst meine. ich gehe also auf ihn zu, zeige ihm das frisch gekaufte bioei, dass ich jeden tag neu kaufe, und wenn ich auch jeden tag 6 wegschmeisse, und sage ihm, dass der cocktail auf mich geht, wenn er ihm nicht schmeckt! bis jetzt hat jeder gezahlt.
    wir machen auch eigenen orengensirup oder mal marmelade. das alles mache ich aber nicht, um den menschen hier zu zeigen, dass alles, was sie bis jetzt getrunken haben scheisse war, und ich der geilste barkeeper der welt bin, sondern, weil ich zeigen will, dass in unserer bar etwas phantasie steckt. ein gast kam vor ein paar monaten mit 3 freunden in die bar und wollte ne pina mit zacapa. hat er nicht bekommen, weil 1. ich dabei gäsehaut bekommen würde vor schock und 2. ich mir nicht vorstellen kann, dass zacapa diese philosophi mittragen würde, ihren rum zu “vergiften” mit cocos sirup. ich denke mal diageo würde diesen scheiss begrüssen, die wollten mir ja auch den 15 jahre alten zacapa für longdrings andrehen. keine ehrfurcht vor dem produkt… verkaufen verkaufen verkaufen.

Kommentare

*