H´Otello K´80 Bar-Lounge. Ehrgeizige Hotel-Bar am Savignyplatz im Berliner Westen.

Von Peter Eichhorn | Februar 3, 2012 um 16:00 | Keine Kommentar | Bars | Tags: , , , , , ,

Hotel-Boomtown Berlin. Kaum eine Woche vergeht in der Hauptstadt, ohne dass die Eröffnung einer weiteren Herberge ansteht. Wie gut, wenn nicht nur Reisende, sondern auch Einheimische von den Angeboten der Häuser profitieren dürfen. Das H´Otello K´80 in Charlottenburg nimmt sich vor, die Herzen der Berliner zu erobern.

Die Hotelkette H´Otello, aus dem schönen München kommend, eröffnete im September 2011 ihr erstes Haus in der Bundeshauptstadt. Gegen den allgemeinen Trend wählten die Betreiber die alte City-West als Standort für ihr Business-Designhotel in Kurfürstendammnähe. Bar, Restaurant und Lounge gehören mit zu dem Konzept, das sich mit edlen Materialien und eleganter Möblierung präsentiert.

Eine Nachricht der Betreiber traf in der MIXOLOGY ONLINE Redaktion ein, nicht nur, um auf die neue Cocktail Bar aufmerksam zu machen, sondern auch, um die Kriterien zu erfahren, die zu einer Nominierung als Hotelbar des Jahres bei den nächsten Mixology Bar Awards führen. Na, wenn das nicht nach einem mutigen und ehrgeizigen Vorhaben klingt. Die Neugierde ward geweckt und der Entschluss stand fest: Diese sympathisch-forsche Vorgehensweise muss belohnt werden und so entsendet MIXOLOGY ONLINE flugs den freundlichsten-ungnädigsten aller Barbetrachter zum Charlottenburger Savignyplatz.

Bar und Restaurant bilden einen gemeinsamen Raum mit eigenem Eingang. Ein Durchqueren der Hotellobby ist somit nicht erforderlich, was eine angenehme Eigenständigkeit betont. Durch die Glasfront an der Knesebeckstraße fällt der erste Blick bereits auf ein wohlsortiertes Backboard. Genuss verheißende Tropfen, wie Ron Zacapa 23, Maker´s Mark, El Dorado 15 oder Monkey 47, verraten, dass hier einige solide Überlegungen zur Produktauswahl stattfanden. Das Sortiment enthält jeweils sieben Vodkas, Rums und Gin-Sorten, die in einem geschickt beleuchteten Regal inmitten moderner Vasen und Glasbehältnisse auf den Gast warten. Eine alte Reklametafel für Knorr Klare Fleischsuppe bildet einen erfrischenden Kontrastpunkt und soll womöglich auf das Küchenangebot neugierig machen.

An der Bar mit Benjamin Franklin

Das Bar-Menu begrüßt den Gast mit einem trefflichen Zitat von Benjamin Franklin, dem Erfinder der Schwimmflosse und des Blitzableiters: „There can´t be good living, where there is no good drinking“. Es folgt eine wohlstrukturierte Karte mit Einteilungen in Abschnitte, wie Classic Drinks und Signature Drinks zu Preisen zwischen 8.- und 10.- Euro. Die verantwortliche Handschrift stammt von Herrn Neu, der zuvor in der Bar des Hotel Hyatt in London seine Erfahrungen sammelte. Herr Neu, der leider gerade im Urlaub weilte, wird während seiner Abwesenheit hinter dem Tresen von den Servicekräften des Restaurants vertreten. Zunächst muss ein Klassiker her. Für den Whiskey Sour lässt der höfliche Barmann sich darauf ein, statt Jack Daniel´s den Maker´s Mark zu verwenden. In der Folge darf der Gast noch ungewohnten Einfluss auf die Glaswahl und sogar die Anzahl der Eiswürfel nehmen.

Vorbildlich hygienisch erfolgt die Zubereitung der Cocktails. Die Gästegläser werden mit einer Serviette gehalten, die Hände gewaschen und die Trinkhalme kommen per Zange ins Glas. Leider fällt die Betrachtung der Arbeitsweise nicht gerade leicht, da der Pouring-Bereich in der dunkelsten Ecke, des ansonsten sorgfältig illuminierten Raumes, verborgen liegt und die Zubereitung seitlich, mit dem Rücken zum Tresengast, erfolgt. Womöglich wäre es nicht ausgerechnet jener Sour gewesen, der Benjamin Franklin zu seinen klugen Worten bewogen hätte, daher gilt der nächste Blick den Signature Cocktails, unter die sich beispielsweise ein Strawberry Daiquiri gesellt, oder ein Blue Temptation, der, unter der Verwendung von Blue Curacao, Pisang Ambon und Crème de Banane, charmante Erinnerungen an die 1990er Jahre wiederaufleben lässt.

Der Barmann empfiehlt begeistert den Japanese Mojito und ergreift flugs einen appetitlichen und frischen Minzzweig, um den Drink auf der Basis von Litschi und Midori zu bereiten. Leicht und süßlich kommt der Likör-Cocktail daher und verlangt nach luftigen Kleidchen auf der sommerlichen Terrasse im Außenbereich. Gestandenen Old-Fashioned-Trinkern sollte dieser Mojito jedoch vielleicht eher nicht empfohlen werden.

Am Ende verbleibt die Erinnerung an einen sehr schönen Raum und eine ansprechende Speisekarte mit verlockenden Themenwochen zu Winterkabeljau, Risotto oder Kartoffelpuffer. Die Bar strahlt eine positive Bereitschaft aus, sich weiter zu entwickeln. Wer in der Nähe weilt, möge durchaus die attraktive Raumgestaltung genießen und dazu einen Gin &Tonic, einen von zwei Single Malts oder eines der drei Biere vom Fass konsumieren.

 

H´Otello K´80. Bar – Lounge

Knesebeckstr. 80-81

10623 Berlin

Öffnungszeiten: täglich bis Mitternacht oder open end

 

S-Bahn: Savignyplatz

Rauchen: im Außenbereich

Kartenzahlung: alle Karten

Essen: ja. Restaurant und Bar teilen sich den Raum.

www.hotello.de

Der Autor

Peter Eichhorn

Peter Eichhorn joggt nie, er würde sonst seinen Martini verschütten. Er lebt und liebt Berlin als Autor, kulinarischer Berichterstatter und Stadtführer.

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