BCB Referenten Porträt: Heinz Kaiser

Von Jonathan Ulrich | August 21, 2008 um 16:37 | Keine Kommentar | Porträts | Tags: , , ,

Der gelernte Apotheker und Bartender der Wiener Dino´s Bar vereint mit seinen beiden Berufen die historische Entwicklung unseres Berufsstandes.

Seine Tinkturen und alkoholischen Heilmittel erinnern an Antoine Peychaud.


Warum kommst du zum Bar Convent Berlin und worum genau geht es in deiner Präsentation „Von Antoine Peychaud zu Functional Drinks – die enge Verwandtschaft von Apotheke und Bar“?

Ich komme zum BCB, weil ich von Mixology dazu eingeladen wurde.

Es geht bei der Präsentation darum, die Berührungspunkte zwischen Bar und Apotheke aufzuzeigen, pharmazeutische Techniken zur Herstellung von Extrakten, Infusionen, Likören, Sirupen, Kräuterauszügen usw. dem interessierten Barmann zur Verfügung zu stellen, sowie die Wirkung von in der Bar verwendeten Früchten, Gewürzen, Kräutern aus pharmakologischer Sicht zu beleuchten.

Worin liegen die Gemeinsamkeiten von Apotheken und Bars und was können sie voneinander lernen?

Gemeinsamkeiten zwischen Bar und Apotheke gibt es viele, alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Ich denke aber die wichtigste Gemeinsamkeit ist folgende:

Sowohl dem Barmann, als auch dem Apotheker wird vom Gast bzw. Kunden ein Vertrauensvorschuss entgegengebracht, den es gilt nicht zu enttäuschen.

Der Apotheker kann vom Barmann Geduld, kundenorientiertes Service lernen und auch dem Kunden genau zuzuhören und vor allem zwischen den Zeilen zu hören, was der eigentliche Wunsch ist.

Der Barmann kann vom Apotheker die hygienische Arbeitsweise, Genauigkeit, den vorsichtigen Umgang mit Aromen beim Mischen und die Neugier lernen, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Kannst du unseren Lesern die noch nie in Wien waren etwas Interessantes über die Wiener Barszene erzählen?

Meiner Meinung nach ist das interessante an der Wiener Barszene die hohe Dichte an guten Bars bezogen auf die Einwohnerzahl. In Wien begann Mitte der 1980er Jahre ein Barboom, der bis heute eine Vielzahl an Neueröffnungen nach sich zog, die sich zwar nicht alle halten können, aber diejenigen die überleben wollen, müssen aufgrund ebendieser hohen Dichte an Bars sehr kreativ sein und ein hohes Qualitätsniveau halten.

Als Gast kommt man daher in den Genuss, auf relativ kleinem Raum (Wien hat um die 2 Mio. Einwohner) in vielen verschiedenen Bars sehr unterschiedlichen Stils außergewöhnlich gut und abwechslungsreich zu trinken.

Was ist die Dinos Bar und wie würdest du das Konzept beschreiben?

Die "Dinos American Bar" ist wie ein erweitertes Wohnzimmer, in dem sich jeder wohl fühlen soll, Kirschholz, dunkelblaues Leder, gedämpftes Licht, Musik von Dean Martin und dem Rest des Ratpacks, viel Jazz, zum sitzen, plaudern, genießen, flirten, nachdenken, die Seele baumeln lassen, aber auch zum Feiern und Party machen wenn es sich so ergibt.

Der Schwerpunkt liegt auf einer großen Cocktail -u. Bourbonauswahl. Und das Konzept ist einfach: erstklassige Drinks, erstklassige Musik, erstklassiges Service.

Welche Bar hat dich in letzter Zeit besonders beeindruckt und was ist momentan deine Lieblingsspirituose bzw. dein Lieblingscocktail?

Die Bar die mich in letzter Zeit am meisten beeindruckt hat, war das Milk & Honey in London und zwar einerseits wegen der – meiner Meinung nach – absolut geschmacksfreien Gestaltung des Interieurs, andererseits wegen der atemberaubenden Qualität der Cocktails und dem höchst kompetenten und ausgesprochen freundlichen Service.

Meine Lieblingsspirituose ist jetzt wie seit 15 Jahren Rum Pampero Aniversario. Mit ihm bin ich verheiratet, aber nebenbei hab ich immer wieder Geliebte, im Moment Tanqueray Rangpur und Elijah Craig 12y Bourbon, und immer wenn ich seiner habhaft werde A.H. Hirsch 16y Bourbon, mein Lieblingscocktail ist der Old Fashioned.

Vielen Dank für das Interview.

 

Link:

www.dinos.at

 

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Der Autor

Jonathan Ulrich

Jonathan Ulrich beschäftigt sich seit Langem mit Wirtschaftsthemen, die in der Bar in die Praxis umgesetzt werden können. Nach einer längeren Tätigkeit für Maker’s Mark, hat er mit seinem Partner Stefan Hinz 2011 eine Beratungsagentur für die Spirituosenindustrie gegründet.

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