Deutsche Wanderbrauereien

Bier 14.9.2013 4 comments

Auch „Die Zeit“ entdeckt das Gypsy Brewing. Das sogenannte Wanderbrauen ist eine in Skandinavien und USA weit verbreitete Entwicklung, die auch in Deutschland um sich greift. Brauer ohne eigenen Sudkessel mieten sich bei anderen Brauereien ein. MIXOLOGY ONLINE fasst zusammen.

Fritz Wülfing, dessen Biere wir bereits mehrfach in MIXOLOGY besprochen haben, ist einer der ersten deutschen Gypsy Brewer. Spezialisiert ist er auf verschiedene Ales, die er bis vor kurzem zu Hause hergestellt hat. Dort platzte es bald aus allen Nähten, also mietete er sich in einer 100 km entfernten Brauerei ein. Da er vom Brauen (noch) nicht leben kann, arbeitet er unter der Woche als Ingenieur. Am Wochenende fährt er die weite Strecke, um Bier zu brauen. Wülfing hätte gerne eine eigene Brauerei, die Kosten des benötigten Equipments wären auch überschaubar, sein Problem jedoch, so Wülfing,  sei, einen Standort zu finden.

Eigentlich könnte er das Bier ja von der eingemieteten Brauerei herstellen lassen, Wülfing würde dann nicht so viele Kilometer zurücklegen müssen. Das kommt aber auch für die Hamburger Oliver Wesseloh und Friedrich Matthies nicht in Frage, die ihr Kehrwieder Bier auf der dänischen Insel Fanø produzieren. Dort fahren sie alle drei Wochen hin, um selbst Hand anzulegen. Auch sie sind auf der Suche nach einem passenden Standort.  Eine stillgelegte Brauerei zu kaufen war beabsichtigt, doch die Umbaukosten wären zu hoch gewesen und traditionelle Kesselhäuser seien für deren Spezialbiere eher ungeeignet. Auf ihrer Website versprechen sie lebenslanges Freibier für die erfolgreiche Vermittlung einer Brauerei. In der Zwischenzeit sparen sie sich Fixkosten wie Strom und Wasser, was ihnen ganz entgegenkommt.

Das Wanderbrauen löst in den USA, wo das Craft Beer Segment bereits längst den Kinderschuhen entwachsen ist, durchaus heftige Diskussionen aus. Sich bei Brauereien „einzunisten“ und kein eigenes Kapital zu besitzen geht vielen Brauern, die sich ihr Kapital und Eigentum hart erarbeiten mussten, mächtig  gegen den Strich. Hugh Sisson, Gründer der Heavy Seas Brewing Company, meint: „To me, you’re not legit until you’ve got skin in the game, which means capital at risk.“ Denn der Wettbewerb unter den Kleinbrauereien wird härter. 2012 gab es in den USA 2,347 Craft Breweries, 409 kamen neu dazu und 1,254 waren in Planung. Solche Zahlen können schon aufregen, wenn man ins Risiko gegangen ist mit seinem Brau-Traum. Der Zeit-Artikel stellt das Wanderbrauen als positive Entwicklung dar, da einerseits kleinen Brauereien das Handwerk ermöglicht wird, andererseits dadurch mittelständische Unternehmen finanziell  unterstützt werden, die  gegen die großen Bierkonzerne anzukämpfen hätten. Nachzulesen ist der Artikel „Die Kuckucksbrauer“ von  Nina-Anika Klotz auf ZEIT Online.

 

Bildquelle: CC BY Deutscher Brauerbund

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